20.03.2019
Personalien

Dekan Thiessen geht in den Ruhestand

13 Jahre war Werner Thiessen evangelischer Dekan in Hersbruck. Am 24. März wird er im Gottesdienst verabschiedet und verlässt die Region in Richtung Hof. Mitnehmen wird der 65-Jährige viele Erinnerungen aus einer erfüllenden Zeit. Zurück lässt er eine intakte Gemeinschaft der kirchlichen Mitarbeiter - und für diese einige Wünsche.
Werner Thiessen
Dekan Werner Thiessen vor dem Dekanatsbüro, das er bald verlassen wird.

Die Koffer sind noch lange nicht gepackt. Zahlreiche Kisten mit Unterlagen, Erinnerungsstücken und vor allem den vielen Büchern, die Werner Thiessen in seinem Büro im Dekanatsgebäude in Hersbruck angesammelt hat, aber schon. Sie stapeln sich neben seinem Schreibtisch, in der Wohnung darüber, die er mit seiner Frau bewohnt, sind noch mehr. »Bücher sind ein echtes Laster von mir«, lacht Thiessen. Literatur hat ihn sein Leben lang begleitet. Nicht nur während der Jahre an der Universität oder dem theologischen Studienhaus in Erlangen, die an das Vikariat in Augsburg anschlossen. Oder in den elf Jahren in der Diaspora in Altötting, wo Thiessen sich für die wenigen Protestanten stark machte.

Verwaltung muss still arbeiten

Der aus Treuchtlingen stammende Theologe hat immer wieder Vorträge und Weiterbildungen gehalten. Bücher und Bildung sind also eher ein Steckenpferd als ein Laster von Thiessen. Und eine Abwechslung zur üppigen Verwaltungsarbeit in einem Dekanat mit 30 Pfarrgemeinden und deren Pfarrern. Da seien nicht nur »viele verschiedene Frömmigkeiten« unter einem Hut zu bringen gewesen, sondern auch Gebäude wie das Dekanatsjugendhaus Grafenbuch in Stand zu halten oder sich um die Belange von Mitarbeitern und Eltern in den Kindergärten zu kümmern. »Hier kann man nicht nur organisieren und abwickeln, gerade Kindergärten sind Teil der theologischen Einheit«, sagt Thiessen.

Mit etwas Sorge blickt er auf den künftigen Landesstellenplan, in dem bislang die Zahl der Gemeindeglieder sowie die Fläche einer Kirchengemeinde als Kriterien für die Anzahl der Mitarbeiter gelten und zum Beispiel ein Kindergarten, Friedhof oder ein Diakonieverein nicht berücksichtigt werden. Dem Erhalt der Stellen habe immer sein Kampf gegolten. Ebenso hatte er hie und da im Gespräch Kollegen davon überzeugen müssen, auch mal kürzer zu treten. »Seinen« Hersbruckern und »seinem« Dekanat, wünscht er, dass es noch lange so harmonisch und vor allem mit derselben Besetzung weiter gehe.

Alle Stellen besetzt

Werner Thiessens hinterlässt ein bestelltes Feld: Alle Pfarrstellen sind besetzt, erst am Sonntag vor seiner eigenen Verabschiedung hat er noch eine Ordination in Schnaittach leiten dürfen. Sein Nachfolger Tobias Schäfer aus Sulzkirchen bei Neumarkt, der im Sommer sein Amt antritt, könne sich auf das gute Klima unter Pfarreien wie auch Dekanatsgremien freuen. Und auf engagierte Kirchenvorstände und Mitarbeiter. Die Begegnungen mit Menschen, die für ihre Gemeinde und die Belange der Menschen einstehen, seien die Höhepunkte der Hersbrucker Jahre gewesen.

Ebenso wie die Bücher nimmt Thiessen diese Eindrücke gerne mit, wenn es bald in die neue Wohnung nach Hof geht. Dort hat sich das Ehepaar eine neue Bleibe gesucht und sich vorher umgeschaut, welche Kirchen es in gibt und wie das kulturelle Leben sich vor Ort gestaltet. »Erstmal zur Ruhe kommen, viel lesen, etwas für die Gesundheit tun, dann schauen wir weiter«, sieht Thiessen die Zukunft gelassen. Dass sich auch in Hof und Umgebung sicher Gelegenheiten finden würden, wieder mal an die Kanzel zu treten, dessen ist sich der scheidende Dekan bewusst. Aber bevor es zum (Un-)Ruhestand kommt, wird erst die Klarinette ausgepackt. Die spielt er nämlich auch noch seit einigen Jahren.

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