15.02.2017
TV-Film "Katharina Luther"

Schauspielerin Schuch über ihre Rolle als Katharina von Bora

Im Fernsehfilm "Katharina Luther" steht die Frau des Reformators im Mittelpunkt. Katharina-Darstellerin Karoline Schuch erzählt im Interview, wie sie sich auf die Rolle der Katharina vorbereitet hat und was sie an ihr besonders fasziniert.
Karoline Schuch spielt Katharina Luther
Als Vorbereitung auf die Rolle der Katharina hat Karoline Schuch auch eine Woche im Kloster gelebt und den Gebetszeiten der Zisterzienserinnen beigewohnt.

Katharina von Bora hatte als entflohene Nonne weder soziale Sicherheit noch Ansehen. Der einzige Ausweg, der ihr blieb, war, so schnell wie möglich zu heiraten. Im Film wirkt es so, als sei Martin Luther der einzig mögliche Kandidat für sie gewesen. War es eine Liebesheirat?

Schuch: Das hat sich für mich jedenfalls nicht so angefühlt. Ich glaube auch, dass eine Liebesheirat, so wie wir sie uns heute vorstellen und wünschen, im Mittelalter noch äußerst selten war. In meiner Vorstellung hat sich aber nach der Hochzeit zwischen Katharina und Martin eine starke und vertrauensvolle Liebe entwickelt – was ein großes Glück war.

 

Katharina ist in dem Film eine zupackende, energische und kluge Frau, die wie eine Löwin für ihre Familie kämpft. Sie spielen Sie aber auch als eitle und gelegentlich harte Frau. Meinen Sie, Katharina eignet sich zur Heldin?

Schuch: Eine Frau muss nicht immer gefällig und freundlich sein, um Großes zu leis­ten, ganz im Gegenteil. Ich glaube, dass wir Frauen uns oft selbst im Weg stehen, weil wir uns zu sehr über die möglichen Befindlichkeiten anderer Gedanken machen. Katharina hat die vielen Dinge in ihrem Leben nur durch die ihr eigene Art erreichen können, und ich finde das toll.

 

Gibt es etwas, wofür Sie sie bewundern, etwas, das Sie an dieser Frau besonders beeindruckt?

Schuch: Ein "ganzes" Leben zu wollen, so wie es Katharina und Martin im Film mehrmals als Lebensziel für sich formulieren, finde ich sehr beeindruckend. Dieses "ganze" Leben ist natürlich Auslegungssache und jeder kann für sich formulieren, was zu diesem Leben dazugehört. Für Katharina war es vor allem, eine Familie zu gründen und nach Gottes Geboten zu leben, immer verbunden mit der Bereitschaft, die Bedingungen zu ändern, wenn sich dieses Leben nicht mehr richtig angefühlt hat.

 

Katharina und Martin Luther erscheinen in dem Film als sehr emanzipiertes Paar. War das damals überhaupt möglich?

Schuch: Das ist doch gerade ihr Vermächtnis, in diesem wirklich düsteren Zeitalter der Angst neue Wege zu gehen und Altes zu überwinden. Sie waren als Familie das Abbild der gelebten Reformation, die ja nicht nur die Kirche betraf, sondern gerade und besonders das zwischenmenschliche Zusammenleben. Mit allen Schwierigkeiten, die dieses neue Leben natürlich beinhaltete.

 

Wie ausführlich haben Sie sich für den Film mit der Biografie und den Lebensbedingungen von Katharina auseinandergesetzt?

Schuch: Ich habe mich lange und viel mit allen möglichen Dingen beschäftigt, habe historische Romane gelesen, war an den Orten ihres Lebens, in Nimbschen, Wittenberg, Torgau. Ich habe eine Woche im Kloster gelebt und den Gebetszeiten der Zisterzienserinnen beigewohnt, das war wunderbar. Ich hatte außerdem einen Schauspielcoach, mit dem ich seit vielen Jahren arbeite, mit dem ich mich viel und lange mit Katharinas Gefühlswelt beschäftigt habe.

 

Die Angst vor der Hölle und dem Teufel, vor Strafe für begangene Sünden war damals sehr groß. Ist das ein Thema, das Sie beschäftigt?

Schuch: Wenn uns heute Schlechtes widerfährt, dann denken wir immer noch: Was habe ich getan, dass mir das passieren musste? Diesen Gedanken kenne ich. Das Unglück, das uns widerfährt, nennen wir vielleicht nicht mehr Teufel, sondern "schlechtes Karma". Dieser ganze Schuld-und-Sühne-Apparat ist nicht mehr so existent wie damals und der Ablasshandel ist zum Glück verboten. Aber die Menschen brauchen nach wie vor Dinge, an die sie glauben können und die ihnen Halt geben.

 

Katharina stand im Schatten ihres Mannes, war nach seinem Tod lange vergessen. Meinen Sie, sie hat eine Botschaft für uns heute?

Schuch: Was wir von ihr lernen können ist, dass es wichtig ist zu wissen, wie man leben möchte. Wenn man sich darüber im Klaren ist und Zustände bemerkt, die dazu beitragen oder dies behindern, dann ist man auf einem guten Weg. Gleichzeitig ist es wichtig, dass man das, was man liebt und wofür man gekämpft hat, behütet und beschützt. Es gibt für Katharina keine Alternative zum "ganzen" Leben. Das mag ich sehr.

 

Mit der Regisseurin Julia von Heinz und dem Schauspieler Devid Striesow haben Sie 2015 den Film "Ich bin dann mal weg" gedreht, in dem es um eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg geht – also auch um ein religiöses Thema. Zufall oder Absicht?

Schuch: Das ist natürlich Zufall und beide Filme könnten ja unterschiedlicher nicht sein. Mit Julia und Devid würde ich so gut wie jeden Film drehen, ich habe beide wirklich sehr gern.

Film-Tipp

"Katharina Luther"

In der ARD wird der Film am 22.02.2017 um 20:15 Uhr ausgestrahlt. Danach zeigt die ARD die Reportage "Luther und die Frauen". Hier geht es zur Mediathek der ARD.

Lese-Tipp

"Die Frauen der Reformation"

Das Interview ist ein Auszug aus dem aktuellen THEMA-Magazin: "Die Frauen der Reformation". In dem Sonderheft werden großartige "Reformatorinnen" anschaulich porträtiert und in den Mittelpunkt gestellt: Katharina von Bora, Argula von Grumbach, Barbara Cranach, Elisabeth Cruciger, Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg, Olympia Fulvia Morata und Katharina Melanchthon. Dem THEMA-Magazin gelingt nicht nur die Darstellung der "weiblichen Seite" der Reformation und wie sich dadurch das Frauenbild verändert hat, sondern auch der Brückenschlag in die heutige Zeit – somit ein ideales Geschenk und Mitbringsel. Passend zum Reformationsjubiläum.

DVD-Tipp

Dokumentation "Herr und Frau Luther"

Die Dokumentation des Evangelischen Fernsehens (efs) "Herr und Frau Luther" erzählt wunderbar die Geschichte des Ehepaars Luther. Im Juni des Jahres 1525 heiraten Katharina von Bora und Martin Luther im Schwarzen Kloster in Wittenberg. Eine Ungeheurlichkeit. Der ehemalige Mönch und die entlaufene Nonne treten vor den Traualtar. Für den bereits berühmten Reformator und seine fast 20 Jahre jüngere Braut ist es keineswegs eine Liebesheirat. Luthers Heirat mit Katharina war für seine Gegner ein Skandal. Und für ihn selbst? Warum ging er eine Ehe mit der entlaufenen Nonne ein? Die Doku "Herr und Frau Luther" des Evangelischen  Fernsehens (efs) geht der Sache auf den Grund.

Filmemacherin Monika Manoutschehri will mehr wissen über die Beziehung zwischen "Herrn und Frau Luther". Sie trifft unter anderem Elisabeth Hann von Weyhern und Professor Stefan Ark Nitsche, die sich die Stelle des Nürnberger Regionalbischofs teilen, den Leipziger Kirchenhistoriker Professor Armin Kohnle und die Katharina-von-Bora- Expertin und Pfarrerin Sabine Kramer. Luthers Testament, in dem er Katharina – entgegen damaliger Gepflogenheiten – als Alleinerbin einsetzt, betrachtet
Sabine Kramer als Liebeserklärung.

BESTELLMÖGLICHKEIT:
Die 24-Minuten-Dokumentation kann für 19,90 Euro als DVD im Evangelischen Presseverband für Bayern e.V.
per E-Mail an shop@epv.de
oder telefonisch unter
(0 89) 121 72-0 bestellt werden.

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Lese-Tipp

Das aktuelle Sonntagsblatt

In der aktuellen Ausgabe des Sonntagsblatts ist "Katharina Luther" unser Titelthema. Hier können Sie die gesamte Ausgabe vollständig bestellen.

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