5.03.2020
"Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil"

Kampf gegen menschenverachtende Arbeitsbedingungen: Spielzeugproduzenten gründen Verein

Firmen, die Spielzeug herstellen, sollen ethische Standards einhalten. Das hat sich eine Initiative vorgenommen, die demnächst in Nürnberg gegründet werden soll. In der Stadt der Menschenrechte gab es nun eine Veranstaltung für Hersteller.
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In der Spielzeugstadt und Stadt der Menschenrechte Nürnberg sind am Dienstagabend Weichen zur Gründung des Vereins Fair Toys Organisation (FTO) gestellt worden. Helga Riedl vom Menschenrechtsbüro der Stadt kündigte nach einer Infoveranstaltung für Spielzeughersteller einen Start des Bündnisses Ende Mai 2020 an.

Sechs Spielzeugproduzenten hätten bereits in einer Absichtserklärung ihre Teilnahme als Gründungsmitglied bekannt gegeben. Darüber hinaus registriere sie bei zahlreichen weiteren Firmen der Branche großes Interesse mitzumachen, sagte Riedl.

Der Verein FTO soll eine unabhängige Kontrollinstanz für die Produktionsbedingungen in Sachen Arbeits-, Umwelt- und Sicherheitsstandards bei der Fertigung des Spielzeugs werden.

Nach wie vor herrschten gerade in asiatischen Spielzeugfabriken bei Entlohnung, Arbeitszeiten und Arbeitsschutz teils menschenverachtende Bedingungen. Für die Glaubwürdigkeit des geplanten Siegels soll der Verein paritätisch einerseits mit Unternehmen, andererseits mit Nonprofit-Organisationen besetzt werden. 

Vorstandsmitglied Thomas Eichhorn vom Puppenherstellers Zapf Creation warb bei der Informationsveranstaltung vor 20 Firmenvertretern für den neuen Verein. Das Ethik-Programm des Spielwarenweltverbandes, ICTI CARE, habe sich "in eine gewisse Sackgasse hineinmanövriert", sagte Eichhorn. Der Verband habe sich der Zusammenarbeit mit Nonprofit-Organisationen verschlossen.

Es sei für Unternehmen nur eine Frage der Zeit, dass sich "Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil" entpuppt.

Daher müssten Hersteller und Handel aus der Branche den Übergang selbst in die Hand nehmen. "Sonst werden wir gezwungen", zeigte sich Eichhorn mit Blick auf Konsumenten und Gesetzgeber sicher.

Mitinitiator Maik Pflaum vom Nürnberger Büro der Christlichen Initiative Romero (CIR) sieht noch einen weiteren Vorteil für Unternehmen. Die FTO könne auch "ein Baustein sein, um die gesuchten Fachkräfte zu finden. Das Firmenimage werde "ein immer wichtigerer Wettbewerbsvorteil".

Das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) macht sich derzeit auch für ein Lieferkettengesetz stark, das produzierende Firmen für die Bedingungen in deren Fabriken in die Pflicht nehmen will. Das BMZ fördert zwei Mitarbeiterstellen von FTO.

Vorbild für die FTO ist die Textilbranche mit ihrer Fair Wear Foundation.

Deren Kontrolle habe geholfen, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, berichtete Robert Hertel, Chef des Textilherstellers HempAge. In den 1990er Jahren habe er bei einem Besuch in einer südindischen Näherei tote Arbeiter in einer Fabrik gesehen, berichtete Hertel. Ihm sei gesagt worden, "das Putzteam räumt die schon weg". Mit dieser traumatischen Erfahrung ist er 2009 das zweite deutsche Mitglied der Fair Wear Foundation geworden.

Dieser Weg zahle sich am Ende aus, versprach Hertel den Spielzeugfirmen, wenn man sich der geforderten Transparenz stelle. Auf Messen würden die Nachbarstände immer staunen, was für eine Besucherschlange bei ihm stehe.

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