11.01.2019
Hilfe im Alter

Innere Mission München setzt weiter auf ausländisches Pflegepersonal

Ohne Pflegerinnen und Pfleger aus dem Ausland wäre die Versorgung bei der "Hilfe im Alter" der Inneren Mission München nicht mehr machbar. Das bietet große Chancen, aber auch besondere Aufgaben für den Arbeitgeber.
von links nach rechts: Gerhard Prölß, Geschäftsführer von "Hilfe im Alter", Günther Bauer, Vorstand der Inneren Mission München und Dirk Spohd, Prokurist bei "Hilfe im Alter"
Von links: Gerhard Prölß, Geschäftsführer von "Hilfe im Alter", Günther Bauer, Vorstand der Inneren Mission München und Dirk Spohd, Prokurist bei "Hilfe im Alter"

In der Altenhilfe setzt die Innere Mission München (IMM) weiter stark auf ausländische Pflegekräfte. Dabei bestehe eine große Herausforderung darin, ausländische Mitarbeiter an das diakonische Profil der Einrichtungen heranzuführen, sagte Abteilungsleiter Gerhard Prölß in München. Wichtige Fragen seien etwa der Umgang mit Sterbenden und die Gleichwertigkeit von Frau und Mann.

Inzwischen hat mehr als jeder Zweite der rund 1.200 Altenhilfe-Mitarbeiter im Münchner Raum (56 Prozent) keine deutsche Staatsangehörigkeit, wie Dirk Spodh, Heimleiter aus Eichenau, berichtete. Die meisten ausländischen Pflegekräfte stammten derzeit aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Vietnam und von den Philippinen. Mindestens 95 Prozent der Heimbewohner gehörten einer Kirche an, sagte Prölß. Die IMM setzt darum spezielle "Anker"-Pflegekräfte ein, die christliche Angebote machten. Die Bewohner reagierten "sehr positiv" auf die ausländischen Fachkräfte.

Trotz Einhalten des geforderten B2-Sprachniveaus haben laut Spoth viele der ausländischen Fachkräfte anfangs "große sprachliche Schwierigkeiten". Auch an den kulturellen Unterschieden müsse gearbeitet werden: Viele vietnamesische Pflegerinnen etwa sagten nicht so offen wie ihre deutschen Kolleginnen, wenn sie etwas belaste.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Der neuen generalistischen Pflegeausbildung, die mit dem neuen Pflegeberufegesetz 2020 startet, blickt Prölß optimistisch entgegen. Darin werden die bisher separaten Ausbildungen zu Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpfleger zusammengeführt. Der Nachteil ist Prölß zufolge, dass die Auszubildenden "von allem ein bisschen etwas" lernen und sich nicht mehr leicht an Unternehmen binden lassen. Allerdings sei die Generalistik auch vorteilhaft, wenn angehende Pfleger mit dem Schwerpunkt Altenhilfe künftig auch einige Zeit im Krankenhaus ausgebildet würden und später mehr Berufsmöglichkeiten hätten.

Die IMM hat Prölß zufolge bereits Verträge mit ihren künftigen Kooperationspartnern für die Ausbildung, etwa Krankenhäusern, abgeschlossen. Sorge bereitet ihm, dass die Kostenverteilung noch nicht vollständig geklärt sei. IMM-Vorstand Günther Bauer wies darauf hin, dass Kranken- und Altenpflege unterschiedliche Ansätze verfolgten: Akut- im Gegensatz zu Langzeitpflege. Bei letzterer spielten menschliche Beziehungen eine viel größere Rolle, was andere Anforderungen mit sich bringe.

Wachsender Pflegebedarf

Bauer zufolge kommt die stationäre Pflege dem wachsenden Bedarf nicht hinterher. Er kritisierte, dass "trotz komplexer Pflegelagen" der Anteil der stationären Pflege zulasten pflegender Angehöriger sinke: 2017 sei laut Bundesstatistik die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland auf 3,4 Millionen gestiegen. Davon würden 76 Prozent (Vorjahre: 70 Prozent) ambulant gepflegt und davon mehr als die Hälfte ohne die Hilfe ambulanter Pflegedienste. Dies gehe immer noch vor allem zulasten der Frauen, sagte Bauer.

Damit weitere Einrichtungen aufgebaut und für Pflegebedürftige bezahlbar gehalten werden können, forderte der IMM-Vorstand die Politik auf, die Träger bei den Grundstückskosten zu entlasten. Zudem plädierte er für eine Novellierung der Pflegeversicherung. Diese solle künftig analog zur gesetzlichen Krankenversicherung alle Leistungskosten abdecken und nicht mehr nur Zuschüsse zahlen.

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