14.01.2020
Fridays for Future

Kohlebergwerk in Australien: Klimaaktivisten werfen Siemens "historische Fehlentscheidung" vor

Siemens will sich mit einer Signalanlage an einem Mega-Kohlebergwerk in Australien beteiligen. Auch nach scharfen Protesten von Umweltschützern hält das Unternehmen daran fest. "Fridays for Future" ist empört - und geht montags auf die Straße.
Klimastreik Schüler Hamburg #FridaysForFuture

Mit Enttäuschung und Entsetzen haben Umweltaktivisten auf das Festhalten von Siemens an der Beteiligung am Bau eines Mega-Kohlebergwerks in Australien reagiert. Die "Fridays for Future"-Bewegung sprach von einer "historischen Fehlentscheidung". Sie rief am Montag zu Spontan-Demonstrationen gegen das Unternehmen auf. Siemens will eine Zugsignalanlage für das Projekt der internationalen Adani Group liefern, das eines der weltweit größten Kohlebergwerke werden soll.

Vorstandschef Joe Kaeser habe sich damit gegen das Pariser Abkommen, gegen zukünftige Generationen und gegen die Klimaschutz-Reputation von Siemens entschieden

Das erklärte "Fridays for Future"-Aktivistin Luisa Neubauer auf Twitter.

"Es geht hier nicht um irgendeinen Auftrag", betonte die Mitorganisatorin der wöchentlichen Klimaproteste. Es gehe um das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, "um Zukunft und Verantwortung".

Nach heftigen Protesten von Klimaschützern hatte Siemens die 23-jährige Neubauer noch am Freitag zu einem Gespräch eingeladen und zugesichert, die Beteiligung an dem Mega-Projekt noch einmal zu prüfen. Am Sonntagabend erklärte Vorstandschef Kaeser dann nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung über Twitter, man habe alle Optionen bewertet und sei zu dem Schluss gekommen, dass Siemens seine vertraglichen Verpflichtungen erfüllen müsse. Das Unternehmen wolle ein verlässlicher Lieferant für seine Kunden sein und die Zukunft seiner weltweit 385.000 Beschäftigten sichern. Kaeser räumte allerdings ein, Siemens hätte in Bezug auf das australische Projekt "klüger" sein sollen.

Den Vorschlag Neubauers, einen Experten aus der Wissenschaft in ein Aufsichtsgremium zur Nachhaltigkeit zu holen, wies er zurück.

Er hatte den Posten zuvor der jungen Aktivistin angeboten, die diesen aber ablehnte und stattdessen anregte, den Sitz einem Vertreter oder einer Vertreterin von "Scientists for Future" zu geben. Dies sei nicht die Lösung, erklärte Kaeser. Bei der Sicherung der Zukunft des Planeten gehe es nicht nur um Experten, sondern um Führungsstärke.

"Fridays for Future" kritisiert, dass nach Fertigstellung der Mine jährlich zusätzlich 705 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen würden. Durch den Bau würden zudem Land und Kulturstätten australischer Ureinwohner zerstört. Zum Transport der Kohle nach Asien würden außerdem voraussichtlich jährlich mehr als 500 Kohletanker durch das Gebiet des Great Barrier Reef fahren, was zu weiteren Beschädigungen des ohnehin schon stark leidenden Unesco-Weltnaturerbes führe. Siemens soll den Angaben nach die Signalanlage für die zum Abtransport der abgebauten Kohle benötigte Bahn liefern.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker stellte die Aussage Kaesers infrage, die Ureinwohner hätten dem Projekt zugestimmt. "Die Wangan und Jagalingou haben sich bis zur finanziellen Erschöpfung juristisch gegen diese Kohlemine gewehrt", betonte die Referentin für indigene Völker, Yvonne Bangert, am Montag in Göttingen. Von einer Zustimmung, die der UN-Deklaration über die Rechte indigener Völker genüge, sei nichts bekannt.

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