18.12.2017
Nahost

Nach der Schule für ein Jahr ins Ausland? Das ist heute schon fast üblich für junge Menschen. Die 20-jährige Münchnerin Mira Härtl macht lieber Dienst bei der israelischen Armee.
Mira Härtl aus München und ihre Hündin Abie auf der israelischen Luftwaffenbasis, auf der sie gemeinsam Dienst tun.
Knochenjob bei 45 Grad: Mira aus München und Abie aus Israel.

 

Gleißende Sonne, ein Nichts aus Sand und Felsen, Gelb- und Brauntönen: der Negev, die Wüste im Süden Israels. Auf der rechten Seite der Straße ist schon vor einigen Kilometern ein Stacheldrahtzaun aufgetaucht. Dann ein Wachturm, ein Tor.

Mira sitzt gleich hinter dem Eingang zu der israelischen Luftwaffenbasis im Schatten einer Bretterbude auf einem abgewetzten Sofa. Es könnte ein Jugendtreff sein, wären da nicht der Stacheldraht, die Uniformen und vor allem das Tohuwabohu, das von dem Hundezwinger gegenüber ausgeht. Rasendes Gebell und wütend gefletschte Zähne haben die Besucher dort ausgelöst. Als Mira zum Zwinger geht und ihre Hand ausstreckt, ist sofort Ruhe: Angesichts der kleinen, schlanken Frau mit dunklen Haaren ist die Belgische Schäferhündin plötzlich sanft wie ein Lamm.

Mira Härtl ist 20, Münchnerin und Stabsgefreite bei der Hundestaffel »Oketz« der israelischen Armee. Ihre Mutter wurde in Galiläa in der Nähe des Bergs Tabor geboren. Miras Eltern haben sich in einem Kibbuz kennengelernt und verliebt. Anfang der 1990er-Jahre zogen sie in die Heimat des Vaters – nach München.

In Israel auf den Hund gekommen

Dort ist Mira geboren, in München hat sie ihre Kindheit verbracht, aber das kleine Land im Nahen Osten ist ihre zweite Heimat. Ihre Ferien verbrachte sie regelmäßig beim israelischen Teil der Familie. Mit 15 beschloss sie, das Gymnasium in der Nähe von Tel Aviv zu Ende zu machen.

Und natürlich stand für sie – wie für alle jungen Israelis – bald das Thema Wehrdienst auf der Tagesordnung. Israel ist nicht nur von Freunden umgeben. Mit 18 beginnt dort die Wehrpflicht, junge Männer müssen drei Jahre zum Militär, junge Frauen zwei. Nur streng religiöse Juden sind vom Wehrdienst befreit.

 

 

Erst hatte Mira keine rechte Lust, Soldatin zu werden. »Aber meine Familie hier in Israel, die waren alle in der Armee, auch meine Oma und meine Tante, einige waren sogar Offiziere«, sagt sie. Am Ende ging sie dann doch zu den »Israeli Defense Forces«, auch wenn ihre Mutter sie lieber im sicheren München behalten hätte.

Mira wollte von Anfang an Hundetrainerin werden. Sie musste hart kämpfen, um den begehrten Job zu bekommen. Jetzt bildet sie sogar selbst Personensuchhunde aus. Mira ist eine von drei Hundeführern, die auf der Luftwaffenbasis für die Sicherheit zuständig sind. Jeder hat seinen eigenen Hund, ist aber auch für alle anderen verantwortlich.

Miras Schäferhündin heißt Abie. »Abie habe ich bekommen, als sie zehn Monate alt war«, erzählt Mira, »es war sehr anstrengend mit ihr.« Lachend fügt sie hinzu, man habe ihr die allerschwierigste Hündin im ganzen Kurs verpasst. Heute hat sie die Belgische Schäferhündin im Griff, aber anstrengend sei die noch immer.

Endlich Winter – aber bitte in Bayern

Wenn Mira nicht mit Abie trainiert oder Wache schiebt, muss sie die Hunde füttern, ausführen, die Käfige putzen: »Es ist ein bisschen wie ein Kindergarten. Die brauchen ihren Auslauf, ihre Spielzeuge, ein bisschen Liebe und ein bisschen Streicheleinheiten«, lacht sie. Es sei ein Knochenjob, aber sie macht ihn sichtbar gern.

Wenn verdächtige Personen am Tor auftauchen, wird Mira gerufen, oder wenn jemand versucht, durch den Zaun auf das Militärgelände zu kommen, packt sie die Hündin in den Jeep und fährt dorthin. Wirklich gefährliche Situationen hat sie während ihrer Zeit als Soldatin aber noch nicht erlebt. »Mulmige Situationen gab es, aber ich musste den Hund noch nie auf jemanden loslassen.«

Die Einsamkeit sei manchmal ein Problem für sie, sagt Mira. Vor allem, wenn sie mal für drei Tage freihat. Dann fehlt ihr die Familie. In der israelischen Armee ist Mira als »lone soldier« eingestuft, als jemand, der keine nächsten Angehörigen im Land hat. Viel Unterstützung habe sie von der Armee aber nicht erhalten.

Was ihr auch zu schaffen macht, ist das Klima im Negev: Im Sommer kann es tagsüber bis zu 50 Grad heiß werden, da jagt man nicht einmal mehr die Wachhunde vor die Tür. Und nachts könne es in der Wüste wirklich eiskalt werden, sagt Mira, vor allem im Winter. »Der Winter in Israel ist schrecklich, ich hätte lieber den Winter in Deutschland«, sagt sie.

Kann sie jetzt haben: Im Januar ist ihre Dienstzeit zu Ende. Dann geht es zurück nach Bayern. Sie freut sich, Familie und Freunde wiederzusehen. Was sie aus ihrer Armeezeit in Israel mitnimmt? Zum Beispiel, sich durchzusetzen, obwohl sie eigentlich kein Hoppla-jetzt-komm-ich-Typ ist. Über ihre Grenzen zu gehen. Und natürlich, dass sie jetzt eine Top-Ausbildung hat. Im Bereich Hunde und Sicherheit soll es für sie weitergehen. Vermutlich in Bayern.

 

ShareFacebookTwitterGoogle+Share
Sonntagsblatt