Menschenrechte
Zum siebten Mal findet die Menschenrechtswoche der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt Mitte Dezember statt. Wegen Corona muss die Veranstaltung erstmals digital abgehalten werden.
Würzburg Burg Marienberg
Die Burg Marienberg in Würzburg.

Wer an Menschenrechte denkt, dem fallen in der Regel drastische Verstöße wie Todesstrafe oder Folter ein - doch Menschenrechte werden auch außerhalb von Gefängnissen verletzt, zum Beispiel in Pflegeheimen.

Die inzwischen siebte Menschenrechtswoche der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) will darauf vom 7. bis 11. Dezember den Blick lenken, wie die Hochschule mitteilte. Die Veranstaltungsreihe ist international ausgerichtet und findet erstmals digital statt.

Am 10. Dezember 1948 gelang ein Quantensprung in der Entwicklungsgeschichte der Menschenrechte: An diesem Tag wurde die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" der Vereinten Nationen verkündet.

Doch bei der Verkündigung blieb es nicht. Der UN-Wirtschafts- und Sozialrat überprüft regelmäßig, inwieweit die Menschenrechte eingehalten werden. Vor zwei Jahren äußerte er große Besorgnis über die Situation älterer Menschen in Deutschland - vor allem in Pflegeheimen.

Altenpflege habe menschenrechtliche Relevanz

Durch den Pflegemangel stehe die Würde der Senioren auf dem Spiel, konstatierte der Wirtschafts- und Sozialrat. Dazu referiert Theresia Wintergerst, Professorin für Sozialwissenschaft an der FHWS, am 7. Dezember von 19 bis 20.30 Uhr. "Gerade die Pandemie zeigt uns, dass ein eklatanter Fachkräftemangel dazu führen kann, dass es zu unwürdigen Zuständen kommt", erklärt die Mitorganisatorin der Menschenrechtswoche.

Der Aufbau eines nachhaltigen Personalbestands in der Altenpflege habe deshalb menschenrechtliche Relevanz: "Werden zum Personalaufbau ausländische Pflegekräfte angeworben, muss dies unter fairen Bedingungen erfolgen."

Viele durch die Krise belastete Menschen müssten aktuell psychosozial begleitet und unterstützt werden. Dies stellt die Soziale Arbeit vor Herausforderungen. Darüber wird am 9. Dezember ab 17 Uhr bei einer Online-Podiumsdiskussion gesprochen.

Lernen aus der Krise

Gäste sind unter andrem Brita Richl, Leiterin eines Würzburger Frauenhauses, sowie Heike Richardt vom Allgemeinen Sozialdienst der Stadt Würzburg. "Trotz Pandemie sollen aber auch wichtige Fragen wie der Umgang mit Geflüchteten zum Beispiel an den EU-Außengrenzen nicht unter den Tisch fallen", erklärt Wintergerst. Dazu wird es am 10. Dezember ab 13 Uhr einen englischsprachigen Vortrag geben.

Gleich zum Auftakt der Menschenrechtswoche wird das umweltpolitische Topthema "Klimawandel" aufgegriffen. Nina Netzer von der Friedrich-Ebert-Stiftung spricht am 7. Dezember ab 13 Uhr darüber, ob die Corona-Krise eine Konkurrenz zur Klimakrise darstellt oder ob es ein Lernen aus der Krise geben kann.

Am 8. Dezember legt Marilyn Blamberg ab 10 Uhr dar, wie konfessionslose Fachkräfte diskriminiert werden. In ihrer Bachelorarbeit an der FHWS fand Blamberg heraus, dass viele Sozialarbeiter nur noch deshalb der Kirche angehören, weil sie sonst Probleme bei der Jobsuche hätten.

Für die Organisation der Menschenrechtswoche ist die Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der FHWS zuständig. Die Veranstaltung versteht sich als Appell an Studierende und Wissenschaftler. Diese sollen sich in ihren Entscheidungen an Menschen-rechtsbezogenen Aspekten orientieren und das eigene Handeln immer wieder kritisch hinterfragen.

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