Impfskepsis
Michael Blume, Antisemitismusbeauftragter des Landes Baden-Württemberg, kritisiert die Impfskepsis von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Zudem warnt er vor einer weiteren Radikalisierung der Verschwörungsgläubigen – bis hin zu Terror.
Ein Arzt impft eine junge Frau
Ein Arzt impft eine junge Frau.

Der Antisemitismusbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, Michael Blume, hat den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), der seine Impfskepsis öffentlich gemacht hatte, aufgefordert, nicht weiter wissenschaftliche Erkenntnisse zu leugnen: "Ich würde Herrn Aiwanger dringend dazu aufrufen, dass er sich als stellvertretender Ministerpräsident entweder zur Wissenschaft bekennt – oder Konsequenzen für sich zieht. Ein öffentliches Amt sollte in Deutschland nicht mit Wissenschaftsleugnung vereinbar sein", sagte Blume dem Nachrichtenportal "watson" in einem Interview.

Antisemitismusbeauftragter sieht bei Verschwörungsgläubigen Terrorgefahr

Weiter befürchtet der Antisemitismusbeauftragte ein Abdriften von Verschwörungsgläubigen im Umfeld der Corona-Demonstrationen in den Extremismus: "Ich glaube leider, dass in den nächsten Jahren die Radikalisierung weitergeht. Dass wir Gewalt und möglicherweise auch Terror erleben werden."

Blume warf Teilen der Politik und der Sicherheitsbehörden vor, zu naiv auf die Bewegung hinter den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen zu blicken. "Ich erlebe immer noch, dass Politiker meinen: Ja, aber man kann doch vernünftig miteinander reden. Und ich muss dann erklären: Nein. Bei denjenigen, die tief im Verschwörungsglauben versinken, setzt die Vernunft aus. Dann hat man es mit Menschen zu tun, die Zuwendung und Freundlichkeit anderer als Schwäche empfinden – und sich dadurch sogar noch bestätigt fühlen", sagte Blume.

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