Die Frau ist ein Missgriff der Natur (...) körperlich und geistig minderwertig (...) eine Art verstümmelter, verfehlter, misslungener Mann." Kein Wunder, dass eine Kirche, die so über Frauen dachte wie ihr berühmter Theologe Thomas von Aquin (um 1225-1274), weibliche Formen von Gottesliebe und Gotteslehre weitgehend ignorierte. Die Frau galt als schwach, dumm und in der Erbfolge Evas als Verführerin zur Sünde schlechthin. Bildung für Frauen war so gut wie unbekannt.
Trotzdem gab es im Mittelalter Frauen, die in ihrem Glauben kühne Gebäude errichteten und als Mystikerinnen, Prophetinnen und Theologinnen in Erscheinung traten. Sie konzentrierten sich in Gebet und Meditation auf die liebende Vereinigung mit Christus oder Gott. Die ekstatischen Zustände, die sie dabei erlebten, schilderten sie in einer sinnlichen, manchmal sogar erotischen Bildsprache. "O Herr, minne mich gewaltig, oft und lange", schreibt Mechthild von Magdeburg. Ein Leben als Liebesbeziehung mit Gott – das war das Ideal der Mystikerinnen. Zusätzlich zu dieser spirituellen Hingabe prägten Askese und tätige Nächstenliebe ihre Frömmigkeit.
Weiterlesen als Premium-Mitglied
Werde Premium-Mitglied bei sonntags+ und profitiere von noch mehr Vorteilen. Du bekommst als Premium-Mitglied Zugang zu exklusiven Artikeln und zu exklusiven Veranstaltungen und Events.
Sonntags+ ist die Community für unabhängigen, werbefreien Journalismus mit einer evangelischen Perspektive.
Du bist bereits Premium-Mitglied?
Zum Login