Der Männergottesdienst in der Münchberger Stadtkirche Peter und Paul stand unter dem Motto „Im Schweiße deines Angesichts – Das ist es mir wert!“ und sollte sich ganz bewusst mit der Frage beschäftigen, wofür Männer heute eigentlich Kraft, Zeit und eben manchmal auch Schweiß investieren.

Deutlicher Männerüberschuss

Oertel ist mit der Resonanz zufrieden. Rund 80 Besucherinnen und Besucher kamen, diesmal sogar mit einem deutlichen Männerüberschuss, was in einem normalen Sonntagsgottesdienst bekanntlich nicht unbedingt der Regelfall ist. Einige Männer seien sogar von außerhalb gekommen, andere habe er schon lange nicht mehr in einem Gottesdienst gesehen.

Ganz ohne Frauen ging es natürlich trotzdem nicht, und Oertel vermutet mit einem Augenzwinkern, manche seien vielleicht gekommen, um zu schauen, „ob der Pfarrer den Männern oder ihren Männern die Leviten liest“ – ganz so einfach machte er es sich in seiner Predigt dann allerdings nicht.

Arbeit, Einsatz und Verantwortung

Es ging ihm nicht darum, Männern zu erklären, wie sie zu sein haben, sondern um die Frage, was Arbeit, Einsatz und Verantwortung eigentlich bedeuten können. Der Satz „Im Schweiße deines Angesichts“ werde häufig vor allem mit Mühsal verbunden, doch Oertel erinnerte daran, dass selbst das Paradies in der biblischen Erzählung kein Schlaraffenland gewesen sei, in dem der Mensch entspannt unter einem Baum liegt und darauf wartet, dass das Abendessen vorbeikommt.

Auch dort werde gearbeitet, gestaltet und Verantwortung übernommen, und auch Gott selbst wird in der Schöpfungsgeschichte als einer beschrieben, der etwas schafft. Diesen Gedanken übertrug der Dekan auf die Gegenwart: Menschen engagieren sich heute in Vereinen, Kirchengemeinden, Feuerwehren, sozialen Einrichtungen oder anderen Bereichen ehrenamtlich, ohne dafür Geld zu bekommen – sie tun es, weil ihnen die Sache wichtig ist.

Genau darin steckt für ihn eine Antwort auf die Frage des Gottesdienstes: Wofür ist es mir wert, mich anzustrengen? Die Mischung aus Humor und ernsteren Gedanken scheint jedenfalls funktioniert zu haben. Oertel hatte in seine Predigt bewusst Passagen eingebaut, die für Schmunzeln sorgten, gleichzeitig aber auch Themen angesprochen, die über den Gottesdienst hinausreichen sollten, und einige Besucher sagten ihm hinterher, dass sie die Predigt zum Nachdenken gebracht habe.

Kein Schild an der Kirchentür

Auch sonst sollte der Gottesdienst eben nicht einfach nur ein ganz normaler Sonntagsgottesdienst sein, bei dem man vorher das Schild „für Männer“ an die Kirchentür hängt und hofft, dass es schon irgendwie funktioniert. Es gab besondere liturgische Elemente, ein Glaubensbekenntnis von Hanns Dieter Hüsch sowie Gebete und Texte, die von einem Team mitgestaltet wurden und sich bewusst an der Lebenswelt von Männern orientierten.

Für Oertel ist genau das entscheidend, denn er hat den Eindruck, dass Männer sich von klassischen kirchlichen Angeboten teilweise weniger angesprochen fühlen. Wenn Kirche aber für die ganze Gemeinde da sein wolle, müsse sie sich eben auch überlegen, wen sie mit ihren bisherigen Formen erreicht und wen vielleicht nicht. Dass beim Männergottesdienst nun Männer dabei waren, die sonst eher selten kommen, wertet er deshalb als Bestätigung des Konzepts.

Bier, Leberkäse und gute Gespräche

Und möglicherweise hilft dabei auch, dass nach dem Amen noch nicht Schluss ist: Im Anschluss gab es Frühschoppen in der Kirche, mit Bier, alkoholfreiem Bier und Leberkäse. Spätestens an dieser Stelle wird das Konzept dann ziemlich klassisch männlich, wobei Oertel selbst daraus auch gar kein großes Geheimnis macht.

Die Mischung sei gut angekommen, man blieb zusammen, kam miteinander ins Gespräch, und manche Besucher fragten direkt, wann denn der nächste Männergottesdienst stattfinde. Vegetarische Experimente stehen dabei offenbar nicht ganz oben auf Oertels Prioritätenliste: Bier und Leberkäse hätten sich bewährt, wobei er durchaus festgestellt habe, dass alkoholfreies Bier inzwischen regelmäßig gefragt sei. Auch Männer entwickeln sich also weiter, wenn auch offenbar in überschaubaren Schritten.

Eine kleine Tradition mit Ausblick

Der Männergottesdienst ist in Münchberg mittlerweile ohnehin keine einmalige Aktion mehr, Oertel spricht selbst schon von einer kleinen Tradition. Einmal im Jahr soll es einen solchen Gottesdienst geben, zusätzlich organisiert er mit dem Männerkreis im Frühjahr und im Herbst gemeinsame Ausflüge.

Für den nächsten Männergottesdienst würde Oertel trotzdem ein paar Dinge ändern. Vor allem mehr Werbung will er machen, und die Sommerferien würde er künftig eher meiden – September oder Oktober hält er für den besseren Zeitraum. An der grundsätzlichen Idee will er dagegen festhalten, denn der Gottesdienst habe gezeigt, dass Männer durchaus für kirchliche Angebote zu erreichen sind, wenn Thema, Sprache und Form stimmen und wenn es um Fragen geht, die tatsächlich etwas mit ihrem Leben zu tun haben.