Impfen
Die Impfstoffe gegen das Coronavirus wecken Hoffnungen und Ängste zugleich: Die einen sind zuversichtlich, dass sie mit dem Mittel immun werden und die Gesellschaft wieder zurückfindet zu ihrem gewohnten Gang. Andere trauen dem Serum nicht.
Fläschchen mit Impfstoff (Symbolbild)

Die neuen Corona-Impfstoffe wurden in Rekordzeit entwickelt. Werden sie wirklich wirken? Sind sie sicher? Permanent klingelt bei der Deutschen Gesundheitshilfe in Frankfurt am Main derzeit das Telefon und Patienten melden sich mit solchen Fragen.

Eine eindeutige, rundum beruhigende Antwort kann der Geschäftsführer des Vereins, Patrick Heinz, nicht geben. Doch er rät Anrufern, Vertrauen zu haben in die Politik und die Impfstoffhersteller.

"Denn bestimmt will niemand, dass es durch die Impfung zu Schäden kommt", sagt er.

Nicht mehr unter Quarantäne gestellt zu werden, weil man "positiv" ist, endlich keine Angst mehr haben zu müssen, dass man krank wird oder als Virusträger andere krankmachen kann: Die mit dem Impfstoff verbundenen Hoffnungen sind riesig. Gleichzeitig ist die Impfbereitschaft allerdings im Sinkflug begriffen.

Impfung gegen das Coronavirus

Das geht aus Daten des Gemeinschaftsprojekts "Covid-19 Snapshot Monitoring" der Uni Erfurt hervor. Hätten sich im April noch 79 Prozent der Befragten impfen lassen, waren es am 15. September nur noch 56 Prozent. Inzwischen liegt der Wert unter der 50-Prozent-Marke. Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen erst in dieser Woche Wissenschaftler aus Heidelberg.

Sicherheit hat bei der Entwicklung von Impfstoffen einen extrem hohen Stellenwert. In Deutschland ist das im hessischen Langen ansässige Paul-Ehrlich-Institut zuständig für die Zulassung von Impfstoffen. Zum Thema "Sicherheit" erreichte das Institut vor der Impfstoffzulassung laut Pressesprecherin Susanne Stöcker "unzählige Anfragen". Das Institut reagierte darauf, indem es seine Corona-FAQs um Fragen zur Sicherheit ergänzte.

Drohen Nebenwirkungen?

Trotz massiver Aufklärung besteht die Angst, dass die Impfung ein Pyrrhus-Sieg über das Virus werden könnte? Nämlich dann, wenn gravierende Nebenwirkungen auftreten. Der Münchner Kinderarzt Steffen Rabe teilt diese Ängste. "Kein Corona-Impfstoff hat das reguläre Zulassungsverfahren durchlaufen", sagt der Initiator des 2006 gegründeten Vereins "Ärzte für individuelle Impfentscheidung" mit nach eigener Angabe derzeit 1.300 Ärzten als Mitgliedern.

Impfstoffen könne man in Deutschland trauen, erklärt hingegen das bayerische Gesundheitsministerium: "Schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen nach Impfungen sind sehr selten." Die Anwendung der neuen Corona-Impfstoffe würden "engmaschig überwacht und bewertet, um auch sehr seltene Nebenwirkungen zu erfassen", heißt es.

Trotz solcher beruhigender Worte scheint Skepsis die Oberhand zu gewinnen. Besorgte Patienten schlagen in Apotheken und Arztpraxen auf.

"Wir Hausärztinnen und Hausärzte merken seit Wochen in unseren Praxen, wie groß die Verunsicherung ist", berichtet Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands.

Durch "gute Argumente" werde versucht, die Impfbereitschaft zu fördern. Zu diesen Argumenten gehört laut Weigeldt, dass die bisherige Studienlage zeigt: "Der neue Impfstoff ist sicher, und er schützt in einem hohen Maße vor Erkrankung."

Weigeldt betont, dass sich jeder Patient gegen eine Corona-Impfung entscheiden darf. Auch Impfgegner würden selbstverständlich von den Hausärzten behandelt, sollten sie sich mit dem Virus infizieren. Niemandem dürften die Therapie oder das Beatmungsgerät versagt werden, weil er oder sie sich nicht impfen ließ. "

An einer Entsolidarisierung der Gesellschaft, wie sie derzeit von einzelnen Virologen und sogar Mitgliedern des Deutschen Ethikrats medial propagiert wird, beteiligen wir Hausärztinnen und Hausärzte uns nicht", unterstreicht der Bremer Mediziner.

Weil Skepsis und Unsicherheit einer hohen Impfbeteiligung aktuell im Wege stehen, scheint der Ruf nach einer Impfpflicht lauter zu werden. Das sieht die Deutsche Gesundheitshilfe kritisch, so Geschäftsführer Patrick Heinz: "Zumindest nach heutigem Stand brauchen wir dies nicht." Schließlich tangiert eine Impflicht das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit.

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