1.07.2020
Landeskirche begrüßt Lockerungen

Für Gottesdienste in Bayern gelten neue Corona-Regeln

Die bayerische Staatsregierung lässt trotz Corona-Beschränkungen in Gottesdiensten mehr Normalität zu. Den Kirchengemeinden komme wieder mehr eigene Verantwortung zu, heißt es. Sonntagsblatt.de gibt Ihnen eine Übersicht, welcher Rahmen nun möglich ist.

Die bayerische Staatsregierung hat am 19. Juni eine Verordnung erlassen, nach der für Gottesdienste ab Montag, 22. Juni, folgende neue Regeln in Bezug auf die Corona-Schutzmaßnahmen gelten.

1) Die Maskenpflicht bei Gottesdiensten ist aus Sicht der bayerischen Landesregierung sofort aufgehoben: Gläubige müssen nur noch beim Betreten und Verlassen der Kirchen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die bayerische Landeskirche empfiehlt jedoch, den Schutz auch während des Gottesdienstes bei eventuellem Gesang zu tragen.

2) Die 60-Minuten-Beschränkung für Gottesdienste gilt nicht mehr. 

3) Der Mindestabstand zwischen den Gottesdienstteilnehmern wird von zwei auf 1,5 Meter verringert.

4) Es gibt keine konkrete staatliche Regelung für das Singen in Gottesdiensten, doch die Empfehlung, dass aufgrund des potenziell gefährlichen Aerosolausstoßes "kein großes Singen" stattfinde und "mit Vorsicht und Umsicht" agiert werde.

Neue Corona-Regeln für Gottesdienste

Der Infektionsschutz habe weiterhin oberste Priorität, sagte der Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann (CSU) dem Sonntagsblatt in Bezug auf die neuen Regeln. Die Pandemie sei noch nicht vorbei, und "es sollen nicht aus Gottesdiensten Infektionen hervorgehen oder dort neue Herde entstehen".

Herrmann sagte, es sei auch der "Wunsch aus den Kirchen" nach den Lockerungen gekommen. Unter den Gottesdienstbesuchern gebe es beide Reaktionen:

"Die einen sagen, habt's euch nicht so, lockert das endlich - und die anderen sagen, seid ihr verrückt geworden."

Es gelte, beide Seiten vernünftig auszugleichen. Bisher machten die Bürger "super" mit bei den Maßnahmen, zudem befinde sich die Staatsregierung weiterhin in einem "sehr guten Austausch" mit den Kirchen.

Wie die von der Staatsregierung kommunizierten Lockerungen vor Ort tatsächlich umgesetzt werden, liegt in den Händen der jeweiligen Kirchengemeinde.

Empfehlung der Landeskirche zu Community-Masken

"Wir freuen uns über die Lockerungen, aber wollen vor allem beim Singen weiterhin sehr vorsichtig sein", sagte der Sprecher der bayerischen evangelischen Landeskirche, Johannes Minkus.

Darum werde die Empfehlung der Kirchenleitung sein, beim Singen weiterhin die Masken zu tragen. Die Studien hätten klar gezeigt, dass dabei wesentlich mehr Aerosole ausgestoßen werden als beim Sprechen. Am Platz könne der Mund-Nasen-Schutz ansonsten jedoch abgenommen werden.

Minkus zufolge gab es in den Kirchengemeinden vereinzelten Unmut, aber "zum ganz überwiegenden Teil" seien die Auflagen von den Gottesdienstbesuchern akzeptiert worden.

Statement von Bedford-Strohm zu Gottesdienst-Beschränkungen

"Die bisherigen Einschränkungen haben uns viel Geduld abverlangt", sagte der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm.

Er sei dankbar, dass die allermeisten Gemeindeglieder bisher die Regeln mitgetragen haben. "Ich wünsche mir, dass wir miteinander auch unter erleichterten Bedingungen vorsichtig und rücksichtsvoll bleiben, denn das Virus ist weiterhin aktiv", so der Landesbischof.

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Evangelische Kirche in Bayern

Oberkirchenrat Stefan Reimers
Autor
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