2.01.2021
Gastbeitrag Digitalisierung

Datenschutzbeauftragter Müller: Ist Datenschutz der neue Umweltschutz?

Marco Müller ist Datenschutzbeauftragte der bayerischen Landeskirche. In seinem Gastbeitrag geht er der Geschichte des Datenschutzes nach - und gibt konkrete Tipps für den Schutz des eigenen Rechners.
Datenschutz bedeutet Schutz

Betrachten wir die Geschichte des modernen Umweltschutzes in den Anfängen: 1971 wurde Greenpeace gegründet und in den Freiburger Thesen Anfang der 1970er Jahre hieß es: "Umweltschutz soll Vorrang vor Gewinnstreben und persönlichem Nutzen haben." Aber warum? Die Folgen von Umweltschutz und -zerstörung sind selten am eigenen Leib zu spüren. Man müsse sich also zum Schutz anderer einschränken.

Dementsprechend hat sich die gesellschaftliche Akzeptanz des Themas nur langsam entwickelt. Erst in den letzten Jahren –  seit zunehmend mehr Menschen bewusst wird, dass ein "weiter so" existenzbedrohend sein könnte – kommt es zu einem gesamtgesellschaftlichen Umdenken.

Geschichte des Datenschutzes

Eine ähnliche Entwicklung hat der Umgang mit dem Datenschutz zu verzeichnen. Hier wirkt sich die Digitalisierung – und damit die schnellere Verarbeitung und Übertragung von Daten und Informationen – wie ein Katalysator auf die gesellschaftliche Sensibilisierung für das Thema aus. Die Datenschutz-Novelle wurde im Mai 2018 verabschiedet, und es sind weiterhin wenige Vorreiter, die das Thema vorantreiben.

Immerhin ist zwei Jahre später die Akzeptanz und Bereitschaft, das Thema Datenschutz für den eigenen Verantwortungsbereich anzugehen, stark gewachsen. Das Risiko unkontrollierbarer Datensammlungen und die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz sind offenkundig. Wirksame Kontrollen bei gleichzeitig freiem Informationsaustausch gewinnen an Bedeutung.

Evangelische Kirche hat eigenes Datenschutzgesetz

Die Evangelische Kirche in Deutschland unterliegt nicht der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Die EKD hat, genau wie die katholische Kirche in Deutschland, ein eigenes Datenschutzrecht: das Datenschutzgesetz der EKD (DSG-EKD). Zur Überwachung des Datenschutzes im kirchlichen Bereich hat die EKD eine eigene unabhängige Aufsichtsbehörde eingerichtet.

In der bayerischen Landeskirche wurde in der Gemeindeabteilung des Landeskirchenamtes das Projekt Datenschutz (PDSCH) ins Leben gerufen. Im Zuge dieses Projekts wurde für jeden der zehn Verwaltungsverbände der ELKB ein Datenschutzbeauftragter oder eine Datenschutzbeauftragte gefunden.

Die Datenschutzbeauftragten geben folgende Empfehlungen:

Bei der Stärkung des Datenschutzes bewirken kleine initiale Schritte eine signifikante Verbesserung des Niveaus.

  • Verpflichten Sie alle Haupt- und Ehrenamtlichen auf das Datengeheimnis
  • Verwenden Sie sichere Passwörter
  •  Geben Sie persönliche Login-Daten oder Passwörter nicht an andere Personen weiter
  • Verwahren Sie Akten / Notizen mit sensiblen Notizen im Büro in verschließbaren Schränken
  • Erstellen Sie das "kleinen IT-Sicherheitskonzept" und beginnen Sie mit der Umsetzung
  • Planen Sie eine Fortbildung für Ihre Mitarbeiter zum Thema Datenschutz mit dem zuständigen Datenschutzbeauftragten
  • verpflichten Sie externe Dienstleister auf den Datenschutz (AV-Verträge)

Für allgemeine Fragen zum Thema Datenschutz und zur Beratung bei der Umsetzung der aufgeführten Punkte steht Ihnen der zuständige Datenschutzbeauftragte gerne zur Verfügung.

Die Corona-Zeit wirkt sich genauso als Katalysator auf die Digitalisierung aus, wie die Digitalisierung als Katalysator auf den Datenschutz auswirkt. Auch wird uns das Thema Datenschutz nicht mehr loslassen und in den nächsten Jahren an Geschwindigkeit aufnehmen. Gehen wir es gemeinsam an!

 

Marco Müller ist Koordinator für den Datenschutz im Gemeindebereich, in der Landeskirchenstelle und in den Kirchensteuerämtern der Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern. Nähere Informationen zum Projekt und zu Ihrem direkten Ansprechpartner gibt es im Intranet der ELKB (www.elkb.de) unter dem Stichwort "Datenschutz" oder in der Verwaltungseinrichtung der Gemeinden.

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