Königin der Instrumente
Rund 5200 Mitglieder hat die evangelische Kirchengemeinde in Herzogenaurach, eine erst elf Jahre alte Stadtkirche und bald auch endlich die Orgel, die sich Kantor Gerald Fink von Anfang an gewünscht hat. Und die Ideen gehen der Gemeinde nicht aus, wie man dem Ziel ein Stück näher kommt und damit ein Langzeitprojekt endlich abschließt.
Pfarrer Oliver Schürrle und Kantor Gerald Fink in der evangelischen Kirche Herzogenaurach.

Der Grundstein der 1933 gebauten Christuskirche, die den ersten protestantischen Kirchenort in der für seine beiden großen Sportartikelhersteller Adidas und Puma bekannten Kleinstadt eröffnete, ist immer noch gut sichtbar im Innenraum der Stadtkirche, die um die viel kleinere Kirche einfach herumgebaut wurde. "Mein Schwiegervater hat den noch gesetzt", erklärt Gerald Fink stolz. In diesem Jahr feiert er sein 30-jähriges Jubiläum als Kantor in Herzogenaurach. Erst im September 2022 wird er dann Gottesdienste und Konzerte an dem Instrument spielen, das ihm von Anfang an für die Kirche vorschwebte.

Evangelische Kirche Herzogenaurach: Orgel in die Kirche eingepasst

Im August 2020 hatte Pfarrer Oliver Schürrle seine Unterschrift unter den Orgelbauvertrag mit der aus dem gleichnamigen Ort bei Thüringen stammenden Firma Waltershausen gesetzt. Sie wird seit Januar gebaut und dann die Steinmeyer-Orgel aus dem Jahr 1976 ersetzen, die für die 2010 eingeweihte Stadtkirche "frisiert" wurde, wie man bei einem Moped sagen würde. Die Orgelbaufirma Töpfer aus Albertshofen (Landkreis Kitzingen) hatte unter anderem die Aufschnitte und Pfeifenreihen erweitert und den Winddruck erhöht. "Sie ist klanglich aber nicht wirklich geeignet für unsere Ansprüche", meint Fink mit Blick auf die im Chorraum stehende Orgel, in die auch die breiter dimensioniertere und moderne Nachfolgerin Platz nehmen wird, während der Altar zentral in der Kirchenmitte steht. Auch Architekt Eberhard Wimmer und das Baureferat des Landeskirchenamtes wurden mit ins Boot geholt, um die neue Orgel mit ihren geplanten 33 Registern gut in das Gesamtbild einzupassen.

In den kommenden Monaten will die Kirchengemeinde das bisherige Instrument verkaufen. Rund 30.000 Euro erhofft Pfarrer Schürrle als Preis erzielen zu können. Angesichts von Gesamtkosten von 576 000 Euro laut Angebotspreis nur eine kleine Teilsumme. Aber Schürrle und Fink sind zuversichtlich: Bereits im Dezember 2016 hatte sich in Herzogenaurach der Orgelbauverein gegründet, der seitdem Spenden sammelt und immer wieder neue Ideen entwickelt, den Eigenanteil der Gemeinde mit zu erwirtschaften. Rund 100.000 Euro hat der Verein in den knapp fünf Jahren bereits gesammelt. Mithilfe von Orgelpfeifenpatenschaften sollen noch einige Euro mehr rein kommen.

Auch die ION soll kommen

Etwa ein Viertel der Kosten übernimmt die politische Gemeinde, die bereits die Orgelneubauten der beiden katholischen Stadtgemeinden entsprechend unterstützt hat. "Im Rathaus steht man hinter uns und vor allem hinter der Musik", bekräftigt Schürrle. Die evangelische Stadtkirche soll dann auch ein Austragungsort für Konzerte der Nürnberger ION werden.

Doch die neue Orgel sei nicht einfach ein zusätzliches Luxusprojekt, das zum Gesamtkomplex der modernen Kirche mit ihren integrierten Gemeinderäumen nun einfach noch oben drauf komme. "Der Bedarf ist wirklich vorhanden. Wir haben von der Kantorei über Posaunen- und Gospelchor bis zur Band eine rege und abwechslungsreiche Musikerlandschaft in unserer Gemeinde", meint Fink. Nicht zuletzt sei die Orgel mit ihrem reichhaltigen dynamischen Farbenspiel das ideale Instrument auch für pandemische Zeiten, in denen Konzert- oder Gottesdienstbegleitung stark von den jeweiligen Regeln abhängig ist.

Die Herzogenauracher Kirche steht in dieser Form nunmehr seit elf Jahren.

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