Freiwilligendienste
Sie sind im Krankenhaus unterwegs, im Kindergarten, in Bildungszentren oder Medienbetrieben: Drei junge Leute erzählen, was sie in ihrem "Freiwilligen Sozialen Jahr" machen und was es ihnen bringt.
Die beiden Freiwilligen Gloria und Hanno

Im Theater, in Bibliotheken, in Schulen, in Bildungszentren können junge Leute im Rahmen eines Freiwilligendienstes zwölf Monate in den Arbeitsalltag eintauchen. Für viele Jugendliche stellt ein Freiwilligendienst nach dem Schulabschluss eine Orientierungsphase dar - wie für Gloria (18), Meike (18) und Hanno (18), die in Kultur und Bildung unterwegs sind.

Nach dem Abschluss Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln

"Praktische Erfahrungen sammeln und zwischen Schule und Studium einfach was anderes machen", will Gloria in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) bei ROCK YOUR LIFE!, einer gemeinnützigen Organisation, die sich für mehr Bildungsgerechtigkeit einsetzt.

"Hauptsächlich habe ich mich für meine Einsatzstelle entschieden, weil ich damit weiter im Orchester spielen konnte", sagt Hanno, der ein Jahr als Freiwilliger in der städtischen Sing- und Musikschule München arbeitet.

"Ich wusste nach dem Abi nicht, was ich studieren sollte", erzählt Meike, die ihren Freiwilligendienst beim Evangelischen Presseverband (EPV) für Bayern absolviert. "Schreiben und Sprache hat mir schon immer viel Spaß gemacht, deswegen habe ich mich entschieden, da einfach mal reinzuschauen."

Gloria setzt sich mit ihrem FSJ für mehr Bildungsgerechtigkeit ein

Als Freiwillige unterstützt Gloria die Organisation ROCK YOUR LIFE!, indem sie sich um verschiedene Social Media-Kanäle kümmert und daneben bei Aufgaben in der Buchhaltung und der Vermittlung von Trainern hilft.

ROCK YOUR LIFE! hilft bildungsschwächeren Schülern, indem sie diese an Studenten vermittelt und somit Mentorenpaare bildet. Mindestens ein Jahr lang erhalten die Schüler in diesem Rahmen Unterstützung auf ihrem Bildungsweg. In speziellen Schulungen vermitteln Trainer den Studenten notwendige Kompetenzen, die ihnen bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit helfen sollen.

Wegen Corona arbeitet Gloria derzeit an vier Tagen in der Woche von zuhause aus, doch das sei kein Problem, erzählt sie: "Meine Einsatzstelle ist sehr digitalisiert, da habe ich das große Glück, dass die Kommunikation auch online gut läuft".

Meike arbeitet für die Online-Redaktion des Sonntagsblatts

Auch Meike, die im Evangelischen Presseverband in der Onlineredaktion der Wochenzeitung "Sonntagsblatt" ihr FSJ macht, befindet sich seit Oktober im Homeoffice.

Ihre Aufgaben, zu denen die Betreuung von Social Media-Kampagnen, das Bearbeiten von Online-Beiträgen oder die Mitarbeit bei der Organisation eines Fotowettbewerbs gehören, kann sie ebenso von zuhause aus erledigen.

Hannos FSJ in der Musikschule ist durch Corona eingeschränkt

Hanno hat mit seinem FSJ in der Musikschule in Hinsicht auf die Corona-Pandemie weniger Glück. "Die Musikschulen haben jetzt schon seit Mitte Dezember zu, deswegen haben wir seitdem eher wenig zu tun", berichtet er.

Seitdem die Schulen geschlossen haben, durfte er noch ein paar Mal in der Musikschule Büroarbeiten erledigen, doch den eigentlichen Aufgaben in der Konzertplanung und im Orchestermanagement, für die er sich mit der FSJ-Stelle beworben hat, kann er derzeit nicht nachgehen.

Eigentlich wäre im Rahmen des FSJs auch die Begleitung der Konzertreisen nach Husum, Helsinki und Gödöllö in Ungarn vorgesehen, inwieweit das möglich sein wird, ist aber nicht klar. "Das finde ich schon traurig, weil die Konzerte und vor allem die Konzertreisen schon mit das schönste am Orchester waren", erzählt Hanno.

Einblick in das "System Musikschule"

Dennoch hat er in den vergangenen Monaten auch etwas in seinem FSJ gelernt. Durch seine organisatorische Arbeit konnte Hanno Einblicke in das "System Musikschule" erhalten.

"Die städtische Musikschule ist eine der größten Deutschlands, da merkt man erst mal, was das für ein Organisationsaufwand ist, alleine sich um die vielen Sachgegenstände zu kümmern." Auch habe er nun eine Vorstellung davon, wie das Arbeiten in einer städtischen Institution funktioniere.

Meike: "Man kann wirklich eintauchen ins Berufsleben"

Meike berichtet, sie habe in ihrer Einsatzstelle gelernt, wie man Social Media-Kampagnen aufzieht und unter Zeitdruck arbeitet. Bislang kannte sie außerdem immer nur das Endprodukt verschiedener Medien, nun erfahre sie mehr über deren Entstehungsprozess: "Man kann wirklich eintauchen ins Berufsleben."

Gloria ergeht es da ähnlich: "Ich hab jetzt mehr Verständnis, wie viel so eine 40-Stunden-Arbeitswoche ist." Außerdem lerne sie gerade, wie sie ihre Aufgaben in der Arbeit zu priorisieren hat. Auch Programme wie Word oder Excel begegnen ihr in ihrer Arbeit: "da konnte ich gar nichts und jetzt wird es immer besser", erzählt sie.

Dass sie im Evangelischen Presseverband in verschiedene Abteilungen hineinschnuppern kann, findet Meike an ihrer Einsatzstelle besonders gut. "Wir haben viele verschiedene Medien in einem Haus, so kann man gleich unterschiedliche Bereiche des Journalismus kennenlernen." Neben ihren Aufgaben in der Onlineredaktion könne sie so auch zum Beispiel Einblicke in die Arbeit von Fernsehen und Radio erhalten.

ROCK YOUR LIFE setzt sich für die Bildung benachteiligter Schüler ein

Gloria gefällt an ihrer Einsatzstelle, dass sie dort Verantwortung übernehmen darf: "Ziemlich cool ist, dass man die Freiheit bekommt, viel zu entscheiden." Außerdem findet sie es toll, wie sinnvoll ihre Arbeit ist. Der soziale Zweck ist dabei das, was ihre Einsatzstelle so besonders mache. Ihr gefällt, "dass jedem Schüler persönlich geholfen wird" und die Arbeit der Organisation Wirkung zeige.

Sie verweist auf eine Studie des ifo-Instituts vom Februar, welche den Erfolg der Organisation bestätige. Demnach verbessere das Mentoring die Arbeitsmarktchancen von stark benachteiligten Jugendlichen. Besonders die Schulnoten in Mathematik, die Geduld und Sozialkompetenz der betroffenen Schüler würden sich durch das Angebot der Organisation positiv entwickeln.

Die drei Freiwilligen berichten von einem angenehmen Arbeitsklima

Eine Sache, die alle drei zu schätzen wissen, ist das angenehme Arbeitsklima in ihren Einsatzstellen. Das gute Verhältnis zwischen Freiwilligen und den Chefs, mache seine Einsatzstelle besonders, berichtet Hanno.

Meike erzählt von der Arbeit in einem "netten engagierten Team", Gloria findet es gut, dass "die Mitarbeiter einen auf Augenhöhe behandeln." Auf die Frage, ob sie sich wieder für ein FSJ bewerben würden, antworten alle drei mit: "Ja!"

Themenspecial Freiwilligenjahr

Was kann ich in einem Freiwilligenjahr machen? Was unterscheidet das Freiwillige Soziale Jahr vom Freiwilligen Kulturellen Jahr? Zwei Freiwillige berichten in ihrem Blog über ihre Erfahrungen mit dem Freiwilligenjahr und geben Tipps und Empfehlungen.

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