16.12.2012
Kirche und Umwelt

Mehr als heiße Luft

Dass sie bloß heiße Luft produzieren, kann man den evangelischen Kirchenoberhäuptern weder auf der Straße noch auf der Kanzel vorwerfen. Gerade im Vergleich mit Managern, Politikern und anderen Kirchenoberhäuptern liegen die bayerischen Protestanten beim Dienstwagencheck in Sachen CO2-Einsparung weit vorn. Dennoch ist auch ihre CO2-Bilanz verbesserungswürdig.

Die Mehrheit der bayerischen Bischöfe und Kirchenvertreter fährt nach wie vor zu große, zu klimabelastende und zu spritfressende Dienstwägen. So lautet das Fazit der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Bei ihrem bundesweiten Dienstwagencheck schafft es keiner der bayerischen Glaubensrepräsentanten, mithilfe eines CO2-Ausstoßes von weniger als 131 Gramm pro Kilometer eine »grüne Karte« für glaubwürdiges Klimabewusstsein zu ergattern. Während die katholischen Vertreter mit wenigen Ausnahmen aus Bamberg und Würzburg sogar allesamt »rote Karten« für zu hohe CO2-Emissionen und Intransparenz erhalten, kommen die evangelischen Regionalbischöfe sowie Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm immerhin mit »gelben Karten« für »positive Ansätze« davon.

»Ein möglichst geringer CO2-Ausstoß ist und bleibt Ziel unserer Fahrzeugbeschaffung«, erklärt der evangelische Pressesprecher Johannes Minkus. Aus diesem Grund habe Bedford-Strohm auch den 7er-BMW seines Vorgängers durch ein kleineres Modell mit geringerem Schadstoffausstoß ersetzt. Doch auch die Praktikabilität spiele eine wichtige Rolle bei der Auswahl: In einer großen Landeskirche wie Bayern müssten die Bischöfe weite Strecken im Auto zurücklegen. »Für diesen Zweck kommen nur Fahrzeuge in Betracht, in denen man mehrere Stunden fahren und gleichzeitig arbeiten kann«, sagt Minkus.

Die aktuelle Fahrzeugmarke, BMW, habe die Landeskirche aus wirtschaftlichen Gründen gewählt: »Der Hersteller gewährt uns erhebliche Rabatte.«

Bundesweit erhielten 23 Kirchenoberhäupter rote Karten. Am klimaschonendsten bewegt sich der sächsische Bischof Jochen Bohl in einem Hybrid-Mercedes mit einem CO2-Ausstoß von 109 g/km fort. Die Autos der bayerischen evangelischen Bischöfe liegen mit 139 g/km über dem EU-Zielwert von 130. Eine rote Karte gab es bei mehr als 156 g/km oder der Weigerung, Angaben zu machen.

Insgesamt sieht DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch die Entwicklung bei den Kirchen positiv: Durchschnittlich sei der CO2-ausstoß seit 2011 um 18 Gramm auf 152 gesunken. »Das haben wir bisher bei keiner anderen Gruppe wie Politikern, Unternehmen oder Behörden.« Überrascht sei er jedoch vom katholischen Spitzenpersonal: Im Gegensatz zu den evangelischen Kollegen hätten sie nicht nur einen höheren durchschnittlichen CO2-Ausstoß (katholisch: 150g/km, evangelisch: 135g/km), sondern seien auch wesentlich weniger auskunftsfreudig gewesen.

Die evangelische Landeskirche im Dienstwagen-Check

LANDESBISCHOF HEINRICH BEDFORD-STROHM belegt mit seinem BMW 530d (Diesel) mit einem CO2-Ausstoß von 139 g/km den achten Platz unter den deutschen Landesbischöfen. Obwohl er damit im vorderen Viertel liegt, erhielt er eine gelbe Karte, weil der Ausstoß über dem EU-Zielwert für 2012, 130 g/km, liegt.

DIE REGIONALBISCHÖFE Michael Grabow, Stefan Ark Nitsche, Elisabeth Hann von Weyhern, Hans-Martin Weiss und Christian Schmidt fahren jeweils ebenfalls einen BMW 530d mit 139 g/km CO2-Ausstoß. Auch sie bekamen gelbe Karten.

DIE REGIONALBISCHÖFINNEN Susanne Breit-Keßler und Dorothea Greiner schnitten geringfügig schlechter ab als ihre Kollegen: Die Münchner Bischöfin Breit-Keßler fährt einen BMW 535d, der 142 g/km CO2 ausstößt. Die Bayreuther Bischöfin Greiner bildet mit ihrem BMW 530d xDrive, der 146 g/km CO2 ausstößt, das bayerisch-evangelische Schlusslicht. Doch auch sie erhält eine gelbe Karte und ist einige Gramm vom Grenzwert für die rote Karte, der bei 157 liegt, entfernt. Geschuldet ist ihr Fahrzeug mit Vierradantrieb der Tatsache, dass in Oberfranken häufiger mit Schnee zu rechnen ist als im restlichen Bayern.

DEN REFERENTEN IM LANDESKIRCHENAMT stehen insgesamt vier 3er-BMWs zur Verfügung. Jeder davon kommt auf eine jährliche Fahrleistung von 60 000 Kilometer.

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Sonntagsblatt