18.04.2018
Benzingespräch und Spirit-Tour

Motorradgottesdienste zum Auftakt der Biker-Saison

Für viele Motorradfahrer gehört der Gottesdienst zum Saisonauftakt dazu: Sie bitten um Gottes Segen und denken an verunglückte Kameraden. Die Motorrad-AG der evangelischen Landeskirche in Bayern bietet der Biker-Community zahlreiche Angebote, wo nicht nur "Benzingespräche" im Zentrum stehen, sondern auch Lebensfragen.
Motorradgottesdienst Matthäuskirche.
Motorrad am Altar, Helme auf den Stufen, und dazu Rockmusik: Szene aus dem Motorradgottesdienst der Münchner Matthäuskirche.

Schraubersamstag, Sternfahrt, Spirit-Tour: Die "Arbeitsgemeinschaft Motorrad Evangelisch" der bayerischen Landeskirche lädt Biker auch im Sommer 2018 zu zahlreichen Veranstaltungen ein. Zum Münchner Saisonauftakt in der Bischofskirche St. Matthäus werden am 28. April rund 1.000 Teilnehmer erwartet. Pfarrer Norbert Roth fährt beim 31. Münchner Corso selbst mit – und erklärt im Interview, was Biker in der Kirche suchen.

Herr Roth, wie passen Motorrad und Kirche zu­sammen?

Roth: Ich glaube, beide sind Orte der Freiheit. Unabhängigkeit, der Wind um die Nase, die Idee von geistiger und körperlicher Mobilität, das hat was mit Glauben zu tun – und daher auch mit Kirche. Zu unserem Motorradgottesdienst in St. Matthäus kommen bis zu 1000 Menschen. Sie möchten ein Gebet dalassen und sich den Segen Gottes abholen, um behütet durch die Saison zu kommen.

Sind Motorradfahrer für die Kirche eine spezielle Gemeinschaft?

Roth: Bei Motorradgottesdiensten herrscht immer eine ganz besondere Atmosphäre. Die Biker gehen anders mit dem Kirchenraum um. Sie sind ehrfürchtig und wissen, dass Kirche keine Kneipe ist. Aber sie gehen sehr frei und unbefangen damit um. Sie kommen mit dem Corso vom Olympiastadion hier an, holen sich erst mal ein Spezi und eine Wurstsemmel zur Stärkung und sitzen damit dann in der Kirchenbank, bis es losgeht. Und natürlich ist der Stil eines Motorradgottesdiensts auch anders. Eine bekannte Münchner Rockband spielt Biker-Klassiker über Liebe und Freiheit wie "Country Roads", und alle singen mit. Man sitzt selbstverständlich in "Kutte" in der Kirchenbank – mit dem Lederkombi und den schweren Stiefeln. Auf den Altarstufen liegen die Motorradhelme, die Stimmung ist fröhlich, gelassen, und doch ernsthaft. Ich hab den Eindruck, dass der Segen das Wertvollste ist, was die Biker erwarten. Allen ist bewusst, wie zerbrechlich das Leben mit dem Hobby Motorradfahren sein kann. Fast alle haben im Bekanntenkreis schon Unfälle erlebt, die nicht gut ausgingen. Wir erinnern im Gottesdienst auch an diejenigen, die fehlen – da fließen auch Tränen.

Neben den Gottesdiensten bietet die "Arbeitsgemeinschaft Motorrad Evangelisch" in Bayern auch Schraubersamstage, Spirit-Touren und mehrtägige Biker-Events. Warum gehen Motorradfahrer mit der Kirche auf Tour?

Roth: Ich glaube, die Biker sind bei allem Hang zu Unabhängigkeit und Freiheit eine eingeschworene Truppe. Sie mögen es, genau diese Art von Gemeinschaft zu erleben – auch mit den Themen, die über Laufleistung und verchromtes Fachsimpeln hinausgehen. Motorradfahrer haben ein zeitintensives Hobby, mit dem sie sich stark identifizieren. Großartig, wenn man diese Leidenschaft mit Gleichgesinnten teilen kann. Und manche sagen auch: "Hier muss ich mich nicht entschuldigen, wenn ich mal über Sinn- und Glaubensfragen sprechen möchte." 

Motorrad & Kirche

Das komplette Jahresprogramm der Arbeitsgemeinschaft Motorrad Evangelisch finden Sie hier!

Alle Infos zum 31. Münchner Motorrad-Corso und dem Gottesdienst in St. Matthäus: www.emf-muenchen.de

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