18.05.2018
Jugend & Senioren

Ansbacher Schüler der Luitpoldschule haben Religionsunterricht im Seniorenheim

"Mensch ärgere dich nicht" oder Basketball im Sitzen: Schülerinnen und Schüler der Luitpoldschule in Ansbach besuchen alle zwei Wochen die Bewohner des Seniorenwohnparks Vitalis - in ihrem Religionsunterricht. Wie das Projekt zustande kam und bei Jugendlichen und Senioren ankommt
Schüler zur Seniorenbetreuung
Erst mal nur die Leichtgewichte: Ballons zum Aktivieren, Schüler zur Seniorenbetreuung.

Zehntklässler aus der Luitpoldschule in Ansbach gehen regelmäßig in den Seniorenwohnpark Vitalis. Sie zocken einen Nachmittag lang zusammen mit Senioren auf der Konsole, spielen "Mensch ärgere dich nicht" oder Basketball im Sitzen. Angeregt hat das die evangelische Religionslehrerin Anja Stadelmann. "Ich habe am Anfang des Schuljahrs gefragt, was die Schüler interessiert, bevor es dann für sie ins Berufsleben geht", erzählt sie. "Die Schüler haben gesagt, sie möchten etwas Praktisches zum Thema Nächstenliebe machen."

Gesagt, getan: So kam es zur Zusammenarbeit mit dem Seniorenwohnheim mit seinen 60 Einzel- und 20 Doppelzimmern. Insgesamt zwölf Schüler von Stadelmann machen mit, im Wochenwechsel mit der "Gegenschicht" eines Kollegen mit 18 Schülern. Die zwei Stunden Einsatz sind stundenplantechnisch gesehen evangelischer Religions- beziehungsweise Ethikunterricht.

Luitpoldschule Ansbach will Besuche weiterführen

Im Mehrzweckraum der Einrichtung sitzen die Schüler am Montagnachmittag um einen Tisch herum und entspannen sich noch kurz bei Getränken und Keksen, bevor es um zwei Uhr losgeht. Dann teilen sich die jungen Männer und Frauen in Gruppen auf: Spiele, Pantomime, Kegeln auf der Konsole und Basketball. Immer mehr Senioren kommen nach und nach in den lichtdurchfluteten Raum, Pflegekräfte schieben Rollstühle in einen Sitzkreis. Katechetin Anja Stadelmann verteilt Notenblätter und greift zu ihrer Gitarre. Ausgesucht hat sie ein Lied,  das jeder kennt: "Die Gedanken sind frei" aus dem 19. Jahrhundert. Alle zusammen stimmen das Volkslied an, wenn auch anfangs recht schüchtern.

Der 17-jährige Andreas Karl ist im Team Basketball im Mehrzweckraum, dort steht auch ein übergroßer Bildschirm. "Wir machen Korbwerfen mit den älteren Menschen, die noch ein bisschen Motorik haben", sagt der Schüler. Er selbst freut sich vor allem darüber, wie viel Spaß die kleine Sporteinheit den Senioren bereite. Zwei Männer im Rollstuhl versuchen, bunte Bälle in das Netz zu werfen, und ärgern sich, wenn der Wurf daneben geht.

Projekt ist Gewinn für Schüler und Senioren

Im zweiten Stock geht es ruhiger zu: Wilhelmine Heitner sitzt mit drei Schülerinnen um einen Tisch und sucht nach einer blauen Uno-Karte: "Ich liebe die jungen Leute." Ihr Urteil über das Schülerprojekt: "Ja, nice!" Das Slang-Wort drückt Begeisterung aus und geht ihr mittlerweile leicht über die Lippen. – Das Projekt sei ein Gewinn für die Senioren und für die Schüler, immer wieder bestätigten die Zehntklässler das im Unterricht, erklärt Anja Stadelmann. Die Schüler bekommen einen Blick für andere Menschen und mehr Aufmerksamkeit. Das zieht weitere Kreise: Viertklässler haben sich bei Stadelmann gemeldet, die einen regelmäßigen Vorlese-Nachmittag übernehmen möchten. "Diese Kooperation soll auf Dauer gelebt werden", sagt Stadelmann. Und: Sie soll unabhängig von den jeweiligen Lehrern weiterlaufen.

Für die Senioren eine tolle Sache, denn anders als früher tauschen sich Alt und Jung nicht mehr regelmäßig aus. Das weiß Christiane Jendrzej, die sich im Seniorenwohnheim um Freizeitangebote und zusätzliche Betreuung kümmert: "Die Menschen leben mehr für sich, das Berufsleben ist anders geworden. Jeder muss genug verdienen, um über die Runden zu kommen."

Das Projekt der Luitpoldschule ist ein erster Schritt, damit junge Menschen und Senioren in ihrer Freizeit wieder öfter aufeinandertreffen. Die Luitpold-Kids beschäftigten sich in den letzten Wochen auch theoretisch mit ihren Alten. Sie bereiteten einen Tag mit Spielen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor.

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