10.01.2021
Muslimische Studentenorganisationen

Studierende organisieren sich: An mehreren Hochschulen in Bayern gibt es muslimische Studentenorganisationen

Evangelische Studierendengemeinden und Katholische Hochschulgemeinden kennt fast jeder, der irgendwann einmal studiert hat - an immer mehr Hochschulstandorten in Bayern gibt es inzwischen auch muslimische Studentengruppen.
Hörsaal Universität Hochschule Symbol

In Hochschulstädten gehören sie seit Jahrzehnten zum Standard: die Evangelischen Studierendengemeinden (esg) und Katholischen Hochschulgemeinden (KHG). An sieben Hochschulstandorten in Bayern gibt es nun muslimische Studierenden-Organisationen - in Bamberg, Erlangen, Landshut, München, Passau, Rosenheim und seit einigen Monaten auch in Würzburg.

Trotz unterschiedlicher Organisationsformen haben sie alle ein gemeinsames Ziel: die Interessenvertretung muslimischer Belange und den kulturell-religiösen Austausch in Hochschule und Gesellschaft.

Muslimische Studierenden-Organisationen

An den Universitäten und Hochschulen sind etwa die Islamische Hochschulvereinigung (IHV) oder Muslimische Hochschulgruppen (MHG) aktiv. Beide Gruppierungen sind politisch und finanziell unabhängig und gehören keinem Verband an.

Vernetzungsarbeit findet über den Rat muslimischer Studierender und Akademiker (RAMSA) statt, der auf Bundesebene auch engen Kontakt mit den Evangelischen Studierenden- und Katholischen Hochschulgruppen hält. Darüber hinaus gibt es noch die DITIB students, die dem türkisch-islamischen Dachverband angehören.

Aufgaben und Ziele der Gruppen

Die Gruppen wollen eine Gemeinschaft für muslimische Studierende bieten, in der - wie bei esg und KHG auch - Studium, Freizeit und Religion Thema sind. Im Gegensatz zu esg und KHG, deren Organisation konfessionell aufgebaut ist, aber ökumenisch offen gelebt wird, vereinen die muslimischen Gruppierungen oft von vorneherein alle Strömungen und Rechtsschulen. So können Mitglieder sich einer der vier sunnitischen Rechtsschulen oder den zwei schiitischen Rechtsschulen zugehörig fühlen.

Viele Gruppen organisieren Einführungsveranstaltungen für Erstsemester, um ihnen die neue Hochschule und die Stadt zu zeigen. Fragen nach der örtlichen Moschee oder "Wo geht's zum nächsten Halal-Supermarkt?" können so niederschwellig geklärt werden. Darüber hinaus hilft man ausländischen Studierenden bei der Wohnungssuche oder bietet Arabisch-Tandemkurse an. Aber genauso gerne gehen die Studierenden gemeinsam wandern, treffen sich zum Bowling oder machen Film- und Spieleabende.

Im religiösen Kontext gibt es ebenfalls ein hohes Engagement.

Bei regelmäßigen Treffen diskutiert man über Aussagen von Propheten oder Gelehrten und fragt, inwieweit das Bedeutung für den eigenen Alltag oder gesellschaftliche Ereignisse hat. Oder es werden Vorträge zu "Schöpfungsgeschichte" oder "Umweltethik und Islam" organisiert, um aktuelle Themen in Wissenschaft und Gesellschaft aufzugreifen. In diesem Bereich findet auch die meiste Zusammenarbeit mit ESG und KHG statt.

Gemeinsame Veranstaltungen

Fast zum Standardrepertoire an vielen Hochschulstandorten gehört etwa das interreligiöse Fastenbrechen während des Ramadans. Zusammen mit evangelischen und katholischen Studierenden begehen die jungen muslimischen Erwachsenen das gemeinschaftliche Essen zu Einbruch der Dunkelheit.

Dabei erzählen sie über die ethisch-religiösen Grundlagen des Fastens, dessen christliches Gegenüber in der Passions- oder Adventszeit zu finden ist. Manche Hochschulgruppen bieten auch Führungen in lokalen Moscheen an, um über ihre Religion zu informieren.

Seitens der christlichen Studierendengemeinden kommt es im Gegenzug häufig zu Exkursionen in Kirchen vor Ort. Gemeinsame Veranstaltungen behandeln das Thema "Beten", "Muslima-Sein" oder auch "Engagement stärken. Haltung Zeigen". Ziel dieser interreligiösen Aktivitäten ist es, die islamische Religion und muslimische Kultur darzustellen.

Durch das Erkennen von Gemeinsamkeiten und Unterschiede können Vorurteile gegenüber Muslimen abgebaut werden, heißt es. Dieses interreligiöses Engagement dient aus christlicher Perspektive dazu, etwas gegen antimuslimischen Rassismus in der Gesellschaft zu tun.

Die ehrenamtlich geführten muslimischen Gruppierungen kommen ohne hauptamtliches Personal aus, das an evangelischen und katholischen Hochschulgemeinden eingesetzt ist.

Deshalb gehört zur Arbeit der Muslimischen Hochschulgemeinden auch zwangsläufig, Sponsoren für Veranstaltungen zu akquirieren. Zukunftsweisend ist dabei das Department Islamisch-Religiöse Studien (FAU Erlangen), dessen Mitarbeitenden gemeinsam mit den Studierenden vor Ort Vorträge und Exkursionen organisieren.

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