29.10.2020
Freiwilligenblog KompassKultur

KompassKultur: Wie unser erstes Bildungsseminar unter Corona-Bedingungen ablief

Im Rahmen des Freiwilligendienstes Kultur und Bildung sind mehrere Bildungsseminare vorgesehen. Eigentlich sollten die Freiwilligen dazu für fünf Tage gemeinsam fortfahren, doch die steigenden Corona-Zahlen durchkreuzten diesen Plan. Magdalena Schägger gibt im aktuellen Blog-Eintrag einen Einblick, wie ein Bildungsseminar unter Corona-Bedingungen ablaufen kann.

Die Planung

Geplant war, dass wir für unser erstes Seminar nach Siegsdorf im Berchtesgadener Land fahren. Dort sollte unsere Seminargruppe, bestehend aus rund 40 Freiwilligen, für fünf Tage in einer Jugendherberge unterkommen.

Mit Blick auf die rasant steigenden Corona-Zahlen herrschte jedoch zuvor Unsicherheit unter uns Freiwilligen: "Müssen wir einen Corona-Test machen bevor wir ins Berchtesgadener Land einreisen?", wurde in der WhatsApp-Gruppe diskutiert. Und bald darauf: "Kann das Seminar überhaupt stattfinden?"

Corona-bedingte Planänderung

In der Woche vor unserer eigentlichen Abreise kam dann schließlich die Nachricht: Planänderung – wir bleiben vor Ort, treffen uns in kleineren Gruppen zu drei Seminartagen, ohne Übernachtung.

Spätestens als der Landkreis Berchtesgadener Land eine Woche später in den Lockdown musste, war klar, dass damit die richtige Entscheidung getroffen worden war. 

Unsere eigentliche Seminargruppe wurde nun in zwei kleinere Gruppen geteilt. Nach einer gemeinsamen Online-Infoveranstaltung am Montagabend starteten diese beiden Gruppen zeitlich versetzt und räumlich getrennt in ihre Seminartage.

Für die einen ging es am Dienstag in Dachau los, die zweite Gruppe, zu der meine Freiwilligen-Kollegin Meike und ich gehörten, begann am Mittwoch in München. Alle durchliefen wir jedoch dasselbe Programm.  

Unser Seminar-Programm 

Tag 1: Am ersten Tag stand zunächst das Kennenlernen im Mittelpunkt – nachdem bereits unsere Auftaktveranstaltung nicht planmäßig in Präsenz stattfinden konnte, sahen sich viele der Freiwilligen an diesem Tag zum ersten Mal. Auch unsere Betreuer, die uns das Jahr über begleiten, trafen wir nun persönlich.

Mit "Name – Einsatzstelle – Aufgaben in der Arbeit" stellten wir uns vor und lernten somit nicht nur uns gegenseitig, sondern auch die verschieden Einsatzstellen kennen.

Nachmittags wurden wir in zwei Gruppen geteilt, die sich getrennt voneinander mit den beiden Programm-Punkten "Was ist Kultur" und "Infos zum Freiwilligendienst" beschäftigten. Im Anschluss daran sprachen wir alle zusammen in der großen Runde über "Awareness – Bewusstsein".

Im Rahmen einer lebhaften Diskussion setzten wir uns dabei beispielsweise mit gesellschaftlichen Vorurteilen und Stereotypen auseinander. 

Tag 2: Ein ganztägiger Workshop zum Projektmanagement erwartete uns am zweiten Tag. Auch hier aufgeteilt, bekamen wir vormittags die Möglichkeit, uns mit unseren Interessen und Stärken auseinanderzusetzen.

Nachmittags ging es dann an die konkrete Projektplanung. Denn jeder Freiwilligen darf im Laufe seines Freiwilligendienstes ein Projekt planen und durchführen. Gemeinsam sammelten wir Projektideen für die verschiedenen Einsatzstellen und überlegten uns, wie diese umgesetzt werden können. 

Tag 3: Am dritten Tag wurde uns Raum für die Diskussion gesellschaftlicher Themen geboten. In der gemeinsamen Diskussion wurden Probleme wie beispielsweise Ausgrenzung, Diskriminierung und Chancenungleichheit hinterfragt.

Nachmittags durften wir uns in Organisationsgruppen zusammen finden, innerhalb welcher wir unser Freiwilliges Jahr mitgestalten können. So ist beispielsweise eine Gruppe für die Planung von gemeinsamen Aktivitäten zuständig, eine andere für die Organisation von Awareness-Gesprächsrunden. 

Seminar unter Hygienevorschriften

Neben der Aufteilung in Gruppen galten die üblichen Hygienevorschriften. Unser Stuhlkreis war zum Beispiel derart weit gezerrt - Nici, unsere Seminarleiterin, hatte uns versichert, die 1,5-Meter-Abstände der Stühle wären mit dem Maßband abgemessen - dass er sich über den ganzen Seminarraum erstreckte.

Da war es manchmal gar nicht so leicht, die Person am anderen Ende des Raumes zu verstehen. Mindestabstand sei Dank mussten wir unsere Masken am Platz nicht tragen, was die Kommunikation wiederum um einiges erleichterte. Sobald man den Platz jedoch verließ, hieß es: Mund-Nase-Bedeckung auf.

Regelmäßig wurde stoß gelüftet, von Zeit zu Zeit der große Desinfektionsspender aufgesucht. Für alle Fälle lagen Ersatzmasken bereit. 

Mein Fazit

Es hat mich total gefreut, dass wir uns trotz der aktuellen Entwicklungen in Person treffen konnten.

Klar, es lief alles ein bisschen anders als erwartet ab – aber immerhin hatten wir die Möglichkeit uns persönlich kennenzulernen und auszutauschen. Sich direkt gegenüberzustehen ist einfach etwas anderes, als alleine in seinem Zimmer gegen die vielen, kleinen Zoom-Kacheln auf dem Bildschirm zu sprechen. 
 

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