Evangelische Kirchen in Bayern
Die evangelische Barfüßerkirche in Augsburg stammt aus dem 13. Jahrhundert. Jetzt muss sie saniert werden. Der Kanal, auf dem ein Teil des traditionsreichen Kirchenensembles steht, ist marode. Auf die Gemeinde kommen hohe Kosten zu.
Die Barfüßerkirche ist eine der ältesten Kirchen Augsburg. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert. Damals gründeten Franziskaner in Augsburg eine Niederlassung.

Ob Gesine Beck im kommenden Jahr vorübergehend aus ihrer Dienstwohnung ausziehen muss – das ist noch offen. Es hänge vom Verlauf der Sanierungsarbeiten ab, sagt die Pfarrerin der Augsburger Barfüßerkirche. Sicher sei aber, dass das Pfarramt geräumt werden müsse – und wohl auch noch andere Gebäudeteile. In jedem Fall "kommt da eine große und umfangreiche Baumaßnahme auf uns zu", so Beck.

Dass das traditionsreiche evangelische Gotteshaus saniert werden muss, hängt mit seinem Standort zusammen. Teile des Kirchenensembles wie das Pfarrgebäude und der Kreuzgang sind über einem historischen Kanal in der Altstadt gebaut. Das Wasser hat die Kanalwände im Laufe der Jahrhunderte so beschädigt, dass darunter die Statik des Baus leidet. Festgestellt wurde das schon 2019. Seitdem laufen rund um die Kirche Untersuchungen, wie der Kanal entlastet werden kann.

Evangelische Barfüßerkirche Augsburg: Sanierung soll wohl 2022 beginnen

Sie dürften noch bis weit ins nächste Jahr andauern. "Solange können wir zumindest noch das Jubiläumsjahr ›800 Jahre Franziskaner in Augsburg‹ feiern", sagt Beck. Die Franziskaner hatten sich 1221 von Italien kommend in Augsburg niedergelassen. Gut 20 Jahre später errichteten sie in der Augsburger Unterstadt den Vorläufer der heutigen Barfüßerkirche (siehe Kasten). Die Ankunft der Mönche feiert die Gemeinde derzeit mit einem ökumenischen Festjahr, in dessen Zentrum die Barfüßerkirche steht. Das Gotteshaus könne man aber trotz der Untersuchungen weiter nutzen: "Die Stabilität ist vorhanden", sagt Beck.

Die Pfarrerin hofft, dass auch nach Beginn der Sanierung die Kirche weiter offen bleiben kann. Wann genau die Arbeiten beginnen und wie lange sie dauern werden, sei jedoch noch unklar. Das hänge vom Ergebnis der Untersuchungen und dem Sanierungsplan der Experten ab.

Barfüßer-Gemeinde will einen Förderverein gründen

Dabei kommen voraussichtlich hohe Kosten auf die Kirchengemeinde zu. Denn für die Sanierung des Kanals ist der Eigentümer des darauf errichteten Gebäudes zuständig, erläutert Gesine Beck. "Insgesamt rechnen wir mit einem Millionenbetrag für die Sanierung", sagt die Pfarrerin. Sie hofft dabei unter anderem auf Zuschüsse von der evangelischen Landeskirche. Die Gemeinde werde aber auch einen hohen Eigenanteil stemmen müssen.

Um das Geld zusammen zu bekommen, will Beck an mehreren Stellen um Finanzmittel werben. "Wir können das nicht alleine finanzieren", sagt die Pfarrerin. Sie sei bereits im Gespräch mit möglichen Mitgliedern eines Fördervereins. Ein solcher Verein könne das Thema in die Öffentlichkeit bringen – und mit Aktionen um Spenden werben. Die Barfüßerkirche sei nicht nur historisch bedeutend sondern auch "eine spirituelle Oase mitten in der Stadt, sagt Beck: "Ein Förderverein kann das deutlich machen und damit Solidarität erzeugen".

Tauf- und Konfirmationskirche Brechts

Die Barfüßerkirche ist eine der ältesten Kirchen Augsburgs. Ihr Vorläufer wurde 1243 von Franziskanern gebaut. Später entstand eine dreischiffigen Basilika – eine der größten Kirchen in Augsburg. Im Jahr 1536 wurde die Kirche zur ersten evangelischen Pfarrkirche der Stadt. Bei einem Besuch 1777 spielte Wolfgang Amadeus Mozart auf der Prunkorgel der Kirche. Der Augsburger Dichter Bertolt Brecht wurde dort getauft und konfirmiert. In der Bombennacht 1944 wurde die Kirche zerstört. Danach wurde nur ein Teil wieder aufgebaut.

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