Jubiläum
Am Ökumenischen Pfingstreffen in Augsburg nahmen 1971 gut 8.000 Menschen teil. Es gilt als Vorläufer des ersten Ökumenischen Kirchentags, der jedoch noch mehr als drei Jahrzehnte auf sich warten ließ. Eine Teilnehmerin erinnert sich.
Abschlussgottesdienst des Ökumenischen Pfingsttreffens im Augsburger Rosenaustadion: An Forderungen nach mehr Gemeinsamkeit fehlte es nicht. Die Umsetzung ließ aber auf sich warten.

Den Abschlussgottesdienst vor 50 Jahren im Augsburger Rosenaustadion hat Schwester Claudiana noch gut im Gedächtnis. "Es war egal, ob jemand katholisch oder evangelisch war: Es gab eine spürbare Gemeinschaft", erzählt die Ordensfrau. An dieses Gefühl erinnere sie sich bis heute: "Für mich war es wie ein Pfingstwunder."

Die Franziskanerin aus dem Augsburger Kloster Maria Stern war eine von rund 18.000 Teilnehmern am Gottesdienst zum Ausklang des Ökumenischen Pfingsttreffens in Augsburg. Vom 3. bis 5. Juni 1971 waren mehr als 8.000 Dauerteilnehmer zu dieser ersten kirchentagsähnlichen Veranstaltung katholischer und evangelischer Christen in Deutschland zusammengekommen. Zuvor hatten sie stets getrennte Kirchentage gefeiert. Das Ökumenische Pfingsttreffen gilt daher als Vorläufer der heutigen Ökumenischen Kirchentage.

Warum das Ökumenische Pfingsttreffen 1971 in Augsburg stattfand

Organisiert hatten das Treffen damals wie heute das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und der Deutsche Evangelische Kirchentag. Als Veranstaltungsort war zunächst Frankfurt im Gespräch. Dass die Wahl auf Augsburg fiel, hat mit der Geschichte der Stadt zu tun: 1555 wurde hier der Augsburger Religionsfriede geschlossen. Er legte damals die Bedingungen für ein friedliches Zusammenleben von Protestanten und Katholiken fest.

Vielleicht wollten die Organisatoren des Pfingsttreffens aber mit der Standortwahl auch möglichen Konflikten aus dem Weg gehen. Weil Frankfurt für Demonstrationen größerer Gruppen geeigneter sei, habe man das "stille, abgelegene Augsburg" als Tagungsort gewählt, mutmaßte die Wochenzeitung "Die Zeit" damals.

Schwester Claudiana Huber im Garten des Franziskanerinnen-Klosters Maria Stern in Augsburg: "Für mich war das Treffen wie ein Pfingstwunder", sagt sie.

Von den Diskussionen rund um das Treffen habe sie wenig mitbekommen, sagt Schwester Claudiana. Zusammen mit anderen Ordensfrauen hatte die damals 26-Jährige im Vorfeld des Pfingsttreffens Gebete und Gottesdienste vorbereitet. Evangelische und katholische Schwestern aus verschiedenen Orden arbeiteten dabei zusammen. "Das war für mich etwas Einmaliges", sagt sie. "Wir hatten uns vorher ja kaum auf der Straße gegrüßt." Nun stellten sie fest, dass sie kaum etwas voneinander trennt.

"Wir haben gemerkt: Wir leben, beten und glauben dasselbe."

Bei einigen Veranstaltungen des Pfingsttreffens wurde dagegen auch das Trennende deutlich. Etwa bei einem Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Wolfgang: Katholischer und evangelischer Pfarrer wollten dort gemeinsam Brot und Wein ausgeben. Nachdem der katholische Bischof und der evangelische Landeskirchenrat sich gegen diese "Interkommunion" wandten, sahen die Pfarrer davon ab. Die Gottesdienstbesucher empfingen das Abendmahl zu beiden Seiten des Altars - gleichzeitig, jedoch getrennt nach evangelisch und katholisch.

Viele Teilnehmer hätten damals das Treffen gerne möglichst bald wiederholt, schrieb der "Evangelische Pressedienst" zum 25. Jahrestag. Nach Augsburg jedoch kam "das große Schweigen": Es dauerte mehr als drei Jahrzehnte bis dem Augsburger Pfingsttreffen im Jahr 2003 in Berlin der erste Ökumenische Kirchentag nachfolgte. Zwei weitere gab es bislang. Das zweite ökumenische Treffen fand 2010 in München statt, das dritte gab es Mitte Mai dieses Jahres - wegen der Corona-Pandemie in digitaler Form.

Von Augsburg ist ein Impuls für die Ökumene ausgegangen

Schwester Claudiana glaubt: Von Augsburg sei damals durchaus ein Impuls für die Ökumene ausgegangen. Das zeige sich auch an den Vorbereitungstreffen der Ordensfrauen vor 50 Jahren. Aus ihnen entstand ein ökumenischer Schwesternkreis, der bis heute besteht. Wegen Corona pausieren die Treffen derzeit. Aber danach wollen sich die Schwestern unterschiedlicher Konfessionen wieder regelmäßig sehen, um zusammen zu beten, die Bibel zu lesen, Gottesdienste zu feiern. Ein gemeinsames Abendmahl gebe es dabei nicht, sagt Schwester Claudiana. Aber das sei auch nicht nötig: "Der Herr ist dann spürbar in unserer Mitte - mehr braucht es nicht."

Weitere Artikel zum Thema:

„Sonntags“ – Der kompakte Überblick

Starten Sie mit unserem Newsletter in die Woche.

 
Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.*

Sonntagsblatt