4.12.2017
Auszeichnung

»Wir machen das mal anders« lautete in diesem Jahr das Motto des Ehrenamtspreises. Die Frühstückskirche ist einer der vier Preisträger. Alle zwei Monate lädt sie die Gemeinde zum Sonntagsfrühstück ein.
Frühstückskirche in der Kirchengemeinde St. Thomas in Augsburg
Jung und Alt an einem Tisch: Die Generationen finden beim gemeinsamen Frühstücksmahl zusammen. Das fehlt sonst oft, meint das Team der Frühstückskirche in St. Thomas.

So verführerisch und sinnlich darf Kirche auch mal sein: Der Duft von Kaffee und frisch gebackenen Waffeln umweht die Augsburger St.-Thomas-Kirche alle zwei Monate zur gewohnten Sonntagsgottesdienst-Zeit. Von diesem köstlichen Duft lassen sich bis zu 90 Besucher aus der Gemeinde anlocken: Alleinstehende genauso wie ganze Familien, Konfirmanden und Senioren. »Frühstückskirche« nennt ein Team aus Mitarbeitenden das Projekt, das die Gemeinde zum ausgiebigen Sonntagsfrühstück im Gemeindesaal einlädt. Es wurde jetzt als eine von vier Initiativen in Bayern mit dem Ehrenamtspreis der evangelischen Landeskirche ausgezeichnet.

Ein großes Buffet erwartet die Besucher um 9.30 Uhr. Es gibt Müsli, Obst, selbst gemachte Marmeladen, Schinken, Käse, Brezeln und Eier, aber auch Lachs, frisch gebackene Waffeln, Kuchen oder gebackenen Kürbis. Vieles davon ist fair gehandelt und regional erzeugt. Kirche, die verwöhnt und die Menschen zusammenbringt – das möchte das Team sein.

Den Familien Zeit schenken

Entstanden ist die Idee aus Frust über mangelnden Zuspruch bei Kinder- und Familiengottesdiensten. Auch die liebevoll vorbereiteten »Mehrgenerationen-Nachmittage« mit Spielen und Kuchen waren nur manchmal gut besucht. Karin Mante und Julia Fischer vom Vorbereitungs-Team ließen sich dann vor zwei Jahren auf einer Fortbildung des Amts für Gemeindedienst inspirieren: »Wir wollen Familien entlasten«, erklärt Mante ihren Anspruch: »Ihnen Zeit schenken, die sie miteinander genießen können.«

So planten sie zusammen mit Pfarrer Dietrich Tiggemann etwas Niederschwelliges am Vormittag, ein ausgiebiges, gemütliches Frühstück mit Gebet, Gesang, einer Geschichte oder einem kleinen Impuls. Im Nebenraum gibt es Basteln und Spiele für die Kinder. Derzeit entwickelt das Team noch weitere theologische Elemente für den Ablauf. Darauf legt Team-Mitglied Kathrin Wüffert auch großen Wert, denn ab nächstem Jahr soll der abendliche Gottesdienst an diesem Tag wegfallen. »Wir wollen aber keine Predigt ins Frühstück schmuggeln«, so die studierte Theologin.

Akribische Vorbereitung

Im Vordergrund steht weiterhin der gemeinsame Vormittag. »Wenn ich in den Gottesdienst gehe, höre ich zu, bete, singe – aber ich tue das allein und gehe danach heim«, beschreibt Elke Pflittner, eine der beiden Seniorinnen des zehnköpfigen Vorbereitungsteams, ihre Erfahrungen. »In der Frühstückskirche finde ich Gemeinschaft und lerne die Leute kennen.« Und Karin Mante ergänzt, man habe »endlich mal Zeit für ein Frühstück mit Nachbarn, für ein Gespräch«. Vielen sei dieses Gespräch wichtiger als das Essen.

Das Team bereitet die Vormittage akribisch vor. Das betrifft nicht nur Einkauf, Dekoration und Kulinarisches, sondern auch die Suche nach einem Thema, Tages-Gebet, kleiner Einführung zu Beginn und Segensbitte am Ende. Auch beim Kinderprogramm sind sie kreativ. Das lockt viele Familien mit kleineren Kindern oder wie Familie Lenke mit vier Kindern zwischen 8 und 18 Jahren. Mutter Marietta Lenke ist dankbar für das Angebot, denn »erstaunlicherweise wollen alle unsere Kinder immer mit zur Frühstückskirche. So sind wir mal so vollständig wie sonst nie an Sonntagen zusammen«. Der zehnjährige Frederik freut sich auf das Buffet genauso wie auf das Basteln mit anderen Kindern. Und seine größeren Brüder finden hier ihre gleichaltrigen Freunde, die sich sonst auch nur schwer für einen Sonntagmorgen-Gottesdienst begeistern lassen.

"Stärkung an Leib und Seele"

Das Konzept scheint aufzugehen. Deshalb unterstützt auch der Kirchenvorstand das Projekt und stimmte nun zu, den liturgischen Abendgottesdienst an diesen Sonntagen fallen zu lassen. Eine sonntägliche »Stärkung an Leib und Seele« sei dieser ungewöhnliche Morgen, so Kathrin Wüffert. Und eine Übertragung dessen, was Wüffert bei ihren Großeltern erlebt hat: »Auf dem Bauernhof meiner Großeltern gab es einen großen Tisch, an dem die Familie und auch Nachbarn zusammenkamen«, erinnert sie sich. »Für jeden gab es da eine Tasse Kaffee und stets ein Ohr, das zuhörte. Ich glaube, dass uns das heute fehlt: so eine Mitte.«

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