Drinnen war die Kirche so voll wie an Weihnachten. Zum dritten Mal hatte ein überregionales Team autobegeisterter Christen zum Motor-und-Message-Gottesdienst eingeladen, einem modernen Gottesdienstformat für Menschen mit Benzin im Blut – ähnlich den etablierten Motorradgottesdiensten.
Erstmals Teil des regulären Sonntagsgottesdienstes
Initiator ist Pfarrer Wolfram Lehmann aus Hof. Erstmals war der Motor-und-Message-Gottesdienst als regulärer Sonntagsgottesdienst der Kirchengemeinde ausgerichtet, offen für autobegeisterte Menschen aus Ort und Region – Christen ebenso wie Menschen, die sonst einen Bogen um Kirche machen. Karsten Schaller, Referent für Kirche und Tourismus der evangelischen Kirche in Bayern, zeigte sich beeindruckt von der Vorbereitung: "Ihr habt alles so sorgfältig vorbereitet." Der Gemeinderaum war mit Modellautos dekoriert, dazu gab es Kaffee und Kuchen.
Vom Rockstar-Leben zum Glauben
Den Höhepunkt des Gottesdienstes bildete der Lebensbericht des finnischen Rockpastors Pontus J. Back, der mit seinem zum Wohnmobil umgebauten Tourbus angereist war. Jahrelang war er als Musiker in den Begleitbands bekannter Rockgruppen weltweit unterwegs, den Druck bewältigte er mit Alkohol und Drogen. "Meine Kinder sind ohne Vater aufgewachsen", beschrieb er sein damaliges Leben. Als Ärzte die Familie bereits auf sein Lebensende vorbereitet hatten, brachte eine Begegnung mit Jesus Christus die Wende. Er kam vom Alkohol los und fand auch innerlich zu seiner Familie zurück – inzwischen begleitet ihn einer seiner Söhne regelmäßig auf Tournee. Von seinen Erfahrungen singt er bis heute in seinen Liedern.
Auch außerhalb der Musik suchten die Beteiligten nach Anknüpfungspunkten zwischen Motorentechnik und Glauben. Ein motorbegeisterter Unternehmer verglich zu Beginn des Gottesdienstes die Leistungsfähigkeit klassischer Motoren mit der von Bakterien, die über eine Art Minimotor verfügten: viermal so energieeffizient, mit mehr als zehnfacher Drehzahl und einem im Vergleich zum Automotor abrupten, verzögerungsfreien Richtungswechsel – und das alles in Miniaturgröße.
Dass so etwas Zufall sein solle, sei so unwahrscheinlich, als würde ein Mechaniker die Einzelteile eines Autos in die Luft werfen in der Hoffnung, es setze sich beim Herunterfallen von selbst zusammen. Für ihn Grund genug, an eine schöpferische Kraft hinter allem zu glauben – ein Gedanke, der ihm auch als Unternehmer im Alltag Zuversicht gebe.
Segen zwischen den Fahrzeugen
Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst zudem von der gemeindeeigenen Band "Changes" sowie weiteren Ehrenamtlichen. Karsten Schaller stellte die Arbeit der Notfallseelsorge vor, für die während des Gottesdienstes gesammelt wurde.
Pfarrer Wolfram Lehmann selbst führte mit einer Predigt über den "unbekannten Gott" die unterschiedlichen Beiträge zusammen. Für Pfarrer Wolfgang Krautmacher, der aus dem Raum Frankfurt/Oder die weiteste Anreise hatte, stimmte am Ende das Verhältnis von Motorleidenschaft und geistlichem Inhalt: "Das Maß hat einfach gestimmt." Andere Besucher nannten den Gottesdienst "bewegend" oder "eine runde Sache".
Nach dem Gottesdienst ging es bei Kaffee und Kuchen weiter – mit einem besonderen Angebot: Karsten Schaller segnete Besucherinnen und Besucher mitten auf dem Parkplatz, zwischen den Fahrzeugen. Pontus J. Back saß derweil vor seinem Tourbus und begleitete die Begegnungen mit Liedern.