1.03.2017
Integrationsprojekt

Bamberger Integrationsprojekt BIP: Arbeit als Gesundungsfaktor

Ohne Leistungsdruck in den Arbeitsalltag: Ein Bamberger Bistro ist Teil eines integrativen Projekts für Menschen mit psychischen Handicaps.
Das Bistro-Team in der Volkshochschule Bamberg.
Mit sichtlichem Spaß dabei: das Bistro-Team in der Volkshochschule Bamberg.

»Und dann steht da plötzlich eine wunderbare, selbst gebackene Schwarzwälder Kirschtorte auf dem Tisch und alle Kollegen genießen den leckeren Kuchen und die gemeinsame Zeit.« Für Silke Strunk war das einer der kleinen Erfolgsmomente in ihrer Arbeit: Seit 2016 baut die Sozialpädagogin das Bamberger Integrations-Projekt BIP für die Diakonie Bamberg-Forchheim auf.

Hier können Menschen mit psychischen Handicaps im Rahmen eines Zuverdienst-Arbeitsplatzes berufliche Begleitung und sozialpädagogische Unterstützung im Alltag erfahren. In Bamberg bietet das Bistro in der Volkshochschule, das die Diakonie Bamberg-Forchheim vor einem Jahr übernommen hat, diesen geschützten Rahmen.

Fünf Mitarbeitende aus dem Gastronomiebereich oder Studierende, die sich mit Kellnern etwas dazuverdienen, und aktuell drei Klienten von Silke Strunk sind das gemischte Team, das nunmehr seit einem Jahr die Gäste des Bistros in der VHS mit Mittagsgerichten, Snacks und Kuchen versorgt.

Wie ein normaler Arbeitsalltag ohne Leistungsdruck

»Beim gemeinsamen Kochen, bei Service- und Reinigungsarbeiten erleben hier Menschen mit psychischen Erkrankungen ohne Leistungsdruck einen normalen Arbeitsalltag«, erzählt Silke Strunk. »Sie erfahren Wertschätzung, sind Kollegen, die zum Gelingen des Bistros ihren Beitrag leisten und auch Stück für Stück Verantwortung übernehmen. Die Arbeit wird zum Gesundungsfaktor.«

Das bestätigten auch immer wieder Studien in diesem Bereich, so die Sozialpädagogin. »Das Bistro hat für die Zuverdienst-Mitarbeiter dabei einen ganz besonderen Charme«, meint sie: Beim Backen und Kochen, im Kontakt mit den Kollegen und den Gästen entdeckten sie ihre eigenen Fähigkeiten und erfahren ein echtes soziales Miteinander. »Unser Ziel ist es, über das Zuverdienstprojekt Menschen wieder Schritt für Schritt zu stabilisieren, sodass sie neue Kraft für das weitere Berufsleben finden und ihren Alltag wieder leichter meistern können.«

Silke Strunk und das Gastro-Team arbeiten hier eng zusammen: Die erfahrene Sozialpädagogin klärt mit neuen Bewerbern in einem Vorgespräch die beruflichen Vorstellungen, Wünsche und die aktuelle gesundheitliche Situation. Ein erstes Probearbeiten gibt den Klienten dann einen Einblick in den Bistroalltag und ermöglicht ein Kennenlernen der Mitarbeitenden. »Die reguläre Arbeit beginnt meist mit wenigen Wochenstunden und kann im Laufe der Zeit mehr und mehr gesteigert werden«, berichtet Silke Strunk, die für die Diakonie Bamberg-Forchheim zudem noch im Sozialpsychiatrischen Verbund Haßberge tätig ist, der seit Jahrzehnten erfolgreich Menschen mit psychischen Erkrankungen begleitet.

Bei allen Höhen und Tiefen, durch die Silke Strunk die Zuverdienst-Mitarbeiter begleitet, sind es immer wieder die kleinen Momente, die das Team und sie motiviert und zusammenwachsen lässt: »Die Schwarzwälder Kirschtorte ist ein solcher Moment gewesen: Ein Klient hatte die Bistro-Kollegen damit überrascht. Für mich ein Signal, dass das Bistro ein guter Ort im Herzen von Bamberg ist, um Menschen zu zeigen, dass sie viel mehr besondere Fähigkeiten in sich tragen, als ihnen bewusst ist«, freut sich Silke Strunk.

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Sonntagsblatt