10 Jahre Bundesfreiwilligendienst
Am 1. Juli 2011 wurde der Bundesfreiwilligendienst eingeführt. Warum die Diakonie zum zehnjährigen Bestehen Reformen für den Einsatz von Ehrenamtlichen im sozialen, kulturellen und ökologischen Bereich gefordert hat.

Zum zehnten Jahrestag des Starts des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) haben kirchliche Wohlfahrtsverbände Reformen für den Einsatz von Ehrenamtlern angemahnt. Der BFD habe zwar die Freiwilligendienste bundesweit gestärkt, sei allerdings nach wie vor zu bürokratisch organisiert, heißt es in einer von der Diakonie und der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej) veröffentlichten Mitteilung. Seit dem Start 2011 haben rund 45.000 Freiwillige einen Dienst in der Diakonie oder der evangelischen Jugend absolviert.

Evangelische Freiwilligendienste sind im BFD größte Anbieter

Vor zehn Jahren wurden Wehrpflicht und Zivildienst ausgesetzt, zugleich wurde mit dem BFD ein neues Angebot für Menschen jeden Alters eingeführt. Die Evangelischen Freiwilligendienste sind im BFD der größte zivilgesellschaftliche Anbieter. Insgesamt zählten die BFD-Träger bisher rund 400.000 Ehrenamtler.

Kritik: Bundesfreiwilligendienst ist zu bürokratisch aufgebaut

Maria Loheide, Vorständin der Diakonie Deutschland, betonte, man müsse die richtigen Anreize und Rahmenbedingungen schaffen, damit eine Entscheidung für ein freiwilliges soziales Jahr möglich werde. Sie lobte, dass durch den BFD die bestehenden Jugendfreiwilligendienste um ein generationenoffenes Angebot ergänzt wurden.

Doch der BFD "folgt nach wie vor der verstaubten Verwaltungslogik des ehemaligen Zivildienstes und ist viel zu bürokratisch aufgebaut. Das macht es deutlich schwerer, kurzfristig und flexibel Freiwillige an Einsatzstellen zu vermitteln", betonte Loheide.

Träger sollen politische Seminartage anbieten dürfen

Auch die politische Bildung kann nach Ansicht des aej-Generalsekretärs Michael Peters deutlich optimiert werden. Anstelle der Verpflichtung, an fünftägigen bildungspolitischen Seminaren der Bildungszentren des Bundes teilzunehmen, sollten diese Seminare in die Bildungsarbeit der Träger integriert werden.

"Der verpflichtende Besuch einer staatlichen Institution für politische Bildung ist nicht mehr zeitgemäß", betonte Loheide. Seminartage sollten in Eigenregie der Träger angeboten werden. Das habe sich beim Freiwilligen Sozialen Jahr und Freiwilligen Ökologischen Jahr seit Jahrzehnten bewährt.

Hintergrund: Der Bundesfreiwilligendienst bei evangelischen Trägern

Insgesamt beginnen bei evangelischen Trägern pro Jahr rund 13.500 Menschen einen Freiwilligendienst (BFD, FSJ, FÖJ oder internationaler Freiwilligendienst). Rund ein Drittel dieser Freiwilligen macht einen Bundesfreiwilligendienst (BFD). Mit dem BFD gibt es seit zehn Jahren erstmals ein Angebot, das Menschen jeden Alters für das Ehrenamt offensteht.

Bundesfreiwilligendienste richten sich an Menschen jeden Alters

Beinahe jeder fünfte Bundesfreiwilligendienstleistende in der Evangelischen Trägergruppe ist über 27 Jahre alt, der Großteil davon zwischen 27 und 50 Jahren. Der BFD sei besonders für jene älteren Menschen interessant, die sich um- und neuorientieren möchten, zum Beispiel nach einer längeren Familienphase, wirbt die Diakonie.

Der BFD lehnt sich in der Ausgestaltung eng an die Jugendfreiwilligendienste an. Die Mehrzahl der Freiwilligen ist bei den gleichen Trägerorganisationen tätig, die auch das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) anbieten.

Die Träger sind unter anderem verantwortlich für die pädagogische Begleitung der Freiwilligen und die Fortbildung und Qualifizierung der Einsatzstellen. Sie wirken auch als vermittelnde Instanz bei Konflikten zwischen Freiwilligen und Einsatzstellen.

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