13.04.2017
Südkoreanischer Pfarrer in Neuendettelsau

Dr. Kim will die Diakonie exportieren

Für viele Menschen in Deutschland ist die Existenz christlicher Sozialwerke eine Selbstverständlichkeit. In Südkorea dagegen kennt man das nicht. Pfarrer Dong Jin Kim sammelt Anregungen für seine Heimat.
Don Jing Kim in Neuendettelsau
Don Jing Kim in Neuendettelsau

Auch in Südkorea gibt es eine evangelisch-lutherische Kirche: rund 6000 Gemeindeglieder in 50 Gemeinden mit etwa 60 Pfarrern. Einer davon ist Dong Jin Kim, der neben Theologie auch Diakoniewissenschaft studiert hat. Seit eineinhalb Jahren ist der promovierte Theologe mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern nun in Deutschland, um mehr über die praktische Diakoniearbeit hierzulande zu lernen. Sein Ziel: Nach der Rückkehr in seine Heimat will er ein kirchliches Altenheim aufbauen. Sein Traum wäre es, damit den Grundstein für ein großes Diakoniewerk wie in Neuendettelsau zu legen.

 

Was waren Ihre eindrücklichsten Erlebnisse bisher?

Dong Jin Kim: Die Vesperkirche in Nürnberg, die zeigte mir eine neue Welt – dass die Kirche sechs Wochen lang jeden Tag geöffnet ist und so viele Besucher und Helfer hat.

 

Sie kommen aus einem mehrheitlich nicht-christlichen Land. Wie ist es, dort als Christ zu leben?

Kim: Ich denke, dass es nicht wichtig ist, wie groß oder klein die Anzahl der Christen ist. Zu Beginn des Christentums in Korea gab es nicht viele Christen, nur ein oder zwei Prozent. Aber sie spielten eine wichtige Rolle für die koreanische Geschichte. Heutzutage beläuft sich die Zahl der Christen auf 28 Prozent. Aber sie spielen keine wichtige Rolle für die Gesellschaft. Laut einer Umfrage vertrauen nur 20 Prozent der Koreaner den koreanischen Kirchen.

 

Wie unterscheiden sich die Evangelischen in Deutschland und in Südkorea?

Kim: Die evangelischen Christen in Korea besuchen jeden Sonntag die Kirche. In Deutschland bedeutet ein regelmäßiger Kirchenbesuch, zwei oder vier Mal im Jahr in die Kirche zu gehen.

 

Wie sieht es mit der Liturgie aus? Man sagt den bayerischen Protestanten nach, fast schon katholisch zu sein...

Kim: Die Liturgie in Korea ähnelt der katholischen. Deshalb hat mich Deutschland nicht verwundert. Unser Gott wird vermutlich sowohl einen liturgischen Gottesdienst als auch einen ohne Liturgie mögen. Ich denke aber, dass Gott wahrscheinlich den liturgischen Gottesdienst mehr liebt. Aber ich kam nach Deutschland, um etwas über die Diakonie zu lernen. Deswegen forsche ich an der Augustana, hospitiere an verschiedenen Diakoniestellen. Manchmal halte ich auch Predigten in Mission EineWelt. Wir haben keine Diakoniewerke wie Neuendettelsau, doch langsam beginnt sich das zu ändern...

 

Es gibt Stimmen, die sagen, irgendwann wird Mitteleuropa wieder von Christen aus anderen Teilen der Welt missioniert. Was glauben Sie?

Kim: Das glaube ich nicht. Jedenfalls nicht von Südkorea aus. Ich bin optimistisch, was das Christentum in Deutschland und Mitteleuropa angeht. Ich interessiere mich für die berühmten Gestalten der Diakonie wie Wilhelm Löhe oder Johann Hinrich Wichern. Außerdem interessiert mich, wie sich Diakonie christlich begründen lässt. Darüber hinaus möchte ich gerne mehr über die Ausgestaltung der Diakonie wissen.

 

Was wird Ihnen am meisten aus Bayern und Franken fehlen, wenn Sie wieder zurück in Südkorea sind?

Kim: Brezeln? (lacht) Nein, das war nur ein Witz. Ich werde die Menschen vermissen, die ich in Deutschland kennengelernt habe.

 

Und was wird Ihre Familie vermissen?

Kim: Meinen beiden zwölf und 14 Jahre alten Mädchen wird vor allem das Leben als Jugendliche in Deutschland fehlen. In Südkorea müssen Kinder sehr viel lernen, haben sehr viel zu tun und viel mehr Stress. Hierzulande ist im täglichen Leben alles viel entspannter. Meine Kinder würden gerne noch viel länger bleiben.

ShareFacebookTwitterShare
Sonntagsblatt