26.08.2017
Wohnungsbau

Wohnraum für Menschen mit kleinerem Geldbeutel ist selten. Das ändern, will Hannes Erhardt, Geschäftsführer des Evangelischen Siedlungswerks Bayern (ESW). Im März 2018 werden 92 Wohnungen im »SonnenTurm« in Fürth bezugsfertig, einem Hochhaus im ehemaligen sozialen Brennpunkt, den das ESW für 19 Millionen Euro saniert hat.
Hannes Erhardt und Robert Flock, Geschäftsführer des Evangelischen Siedlungswerks Bayern (ESW) bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2017 des Unternehmens in Fürth.
Hannes Erhardt und Robert Flock, Geschäftsführer des Evangelischen Siedlungswerks Bayern (ESW) kürzlich bei der Vorstellung der Jahresbilanz des Unternehmens in Fürth.

Das Evangelische Siedlungswerk ist geprägt vom kirchlichen Auftrag, erklärt ESW-Geschäftsführer Hannes Erhardt. In Nürnberg und Augsburg baut die Gesellschaft Wohnungen und Wohngemeinschaften für junge Leute, die nicht studieren.

Nach einigen unvorhersehbaren Hürden in der Bauausführung werde der SonnenTurm, der Höhe- und gleichzeitig vorläufige Schlusspunkt im Finkenpark, im März 2018 bezugsfertig, so die ESW in einer Pressemitteilung. Am Ende gebe es dort helle, lichtdurchflutete Wohnungen mit Balkonen über die gesamte Wohnungsbreite, eine Kindertagesstätte direkt im Haus mit Mehrzweckraum im Untergeschoss, ein Quartiersbüro und ein soziales Wohnprojekt der Lebenshilfe.

In Fürth ist der Bau von preiswerten Einfamilienhäusern angedacht, die sich auch Familien leisten können, die Anspruch auf geförderten Wohnraum haben.

Für Leute mit kleinem Einkommen

Vor dem SonnenTurm befindet sich der Marktplatz als Ort zum Treffen und Verweilen, der übergeht in eine verkehrsberuhigte Zone. Die ersten Besichtigungen der Musterwohnungen beginnen nun im August. Nachdem das Projekt SonnenTurm dann abgeschlossen ist, gehe es in Fürth aber erst richtig los. Etwa ab Herbst 2018 beginne man mit den ersten Baumaßnahmen in der Würzburger Straße. Rund 200 neue Mietwohnungen und eine Kindertagesstätte werden dort entstehen. Vorgesehen seien auch geförderte Mietwohnungen, ein Wohnkonzept für elternlose Jugendliche ist integriert. Aktuell wird ein Architektenwettbewerb für dieses Bauprojekt durchgeführt.

Darüber hinaus werde es eine Neuauflage des Projekts Familiennest, bekannt aus Nürnberg, geben. Das Konzept dahinter: innerstädtischer, bezahlbarer Wohnraum für junge Familien mit kleinem Geldbeutel. Insgesamt fließen somit in Fürth von 2013 bis 2020 rund 88 Millionen Euro in Projekte wie Reihenhäuser, Wohnungen, Spielplätze und Kitas. Die Mieten in ESW-Wohnungen liegen in Nürnberg bei durchschnittlich sieben Euro pro Quadratmeter, in München bei 8,55 Euro.

Auch in Nürnberg wird gebaut

Innerstädtischer kostengünstiger Wohnraum für junge Menschen sei ein Ziel, dass das ESW auch in Nürnberg verfolgt. In der Scheurlstraße unweit des Nürnberger Hauptbahnhofs entstehen gerade rund 50 kleine Apartments speziell für die Bedürfnisse junger Menschen, etwa in Ausbildung, die mit wenig Budget in der Stadt leben. Die Ein-Zimmer-Wohnungen seien teilmöbliert und verfügen über ein eigenes Bad und eine eigene Küche.

Der Mangel an Wohnungen und Unterkünften könnte nach der Bundestagswahl auch wieder die Unterbringung von ankommenden Flüchtlingen schwer machen, befürchtet Erhardt. Derzeit sehe die Politik keinen Bedarf mehr, ein Grundkontingent bereitzuhalten. 

 

EVANGELISCHES SIEDLUNGSWERK

Das Evangelische Siedlungswerk (ESW) ist nach eigenen Angaben das größte evangelische Wohnungsunternehmen in Deutschland. Hauptgesellschafter ist die bayerische evangelische Landeskirche. Derzeit sind 7680 Wohnungen im Bestand der ESW, davon 2474 im Besitz des Hauptgesellschafters, der evangelischen Landeskirche.

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Sonntagsblatt