19.10.2017
Evangelische Schulstiftung

Es sind zwei der großen gesellschaftspolitischen Themen der Gegenwart: der Mangel an Pflegefachkräften und die Integration von Geflüchteten. Ein Projekt in Bamberg bringt beide Herausforderungen zusammen.
Das Bamberger Projekt »Wegbegleiter« mit seiner Koordinatorin Ulrike Sänger (links).
Bemerkenswert bunt: das Bamberger Projekt »Wegbegleiter« mit seiner Koordinatorin Ulrike Sänger (links).

 

Sie kommen aus Somalia, Äthiopien, Indien, Sierra Leone, Afghanistan und dem Iran. Mit Beginn dieses Schuljahres stellen sich auch zehn Migrantinnen und Migranten der Herausforderung und erlernen an der Evangelischen Berufsfachschule für Altenpflege der Diakonie Bamberg-Forchheim den Beruf des Pflegefachhelfers bzw. der Fachkraft in der Altenpflege.

Das Besondere an diesem Jahrgang ist aber nicht nur die bunte Vielfalt der Schüler: Eine indische Schwester, die schon seit rund sieben Jahren in Deutschland lebt, ist genauso dabei wie drei junge Männer, die 2015 angekommen sind und nun neben waschechten Franken die Schulbank drücken. Das Besondere an diesem Jahrgang ist vielmehr das Konzept, das die Schule erarbeitet hat: »›Wir sind ›Wegbegleiter‹. So haben wir unser Projekt genannt«, erzählt Ulrike Sänger, Projektkoordinatorin und Lehrerin an der Bamberger Schule.

Berufliche Perspektiven eröffnen

»Unser Ziel ist es, durch die gut begleitete Ausbildung Menschen mit Migrationshintergrund eine berufliche Perspektive zu eröffnen, die ihnen auch hilft, sich bei uns zu integrieren«, berichtet Sänger. »Gleichzeitig haben wir im Pflegebereich eine Fachkraft-Lücke, die wir mit unseren deutschen Schülern nicht füllen können. Mitarbeitende, die aus anderen Ländern kommen, aber bei uns gut ausgebildet wurden, könnten dem viel beschworenen Fachkräftemangel in der Pflege entgegenwirken.« Dieses Konzept befand die Evangelische Schulstiftung in der EKD so bemerkenswert, dass sie ab diesem Herbst bis Februar 2019 Personalstunden im Umfang einer halben Stelle finanziert.

Ulrike Sänger übernimmt für das Wegbegleiter-Projekt in diesen geförderten Stunden vor allem koordinatorische und organisatorische Aufgaben. Der Kontakt zu den Behörden wie dem Jobcenter, zu den Bildungs- und Sozialträgern oder den Paten, die die Geflüchteten teilweise bereits begleiten, wird aus- bzw. aufgebaut. »Wir vermitteln Termine und begleiten auch zu Erstgesprächen«, so Ulrike Sänger.

Intensive Unterstützung

Ein Schwerpunkt für das Team der Diakonie-Schule ist, die Schüler mit Migrationshintergrund beim praktischen Teil ihrer Ausbildung intensiv zu unterstützen. Lerncoaches besuchen ab diesem Schuljahr die Teilnehmer auch in den Einrichtungen, in denen sie Praxiserfahrungen sammeln: »Hier geht es darum, Fachbegriffe zu vertiefen und in der Praxis anzuwenden. Aber auch die Alltags- und Umgangssprache findet Berücksichtigung«, erklärt die Koordinatorin des Projekts.

Ziel dieser Wegbegleiter sei es, die Auszubildenden für den Job, aber auch im Alltag zu stärken. Für das Team der Diakonie-Berufsfachschule für Altenpflege ist das übrigens kein Neuland: Bereits seit einigen Jahren bieten sie allen ihren Schülern soziale Beratung an. Damit das Projekt »Wegbegleiter« auch für andere Träger erfolgreich anwendbar wird, begleitet die Humboldt-Universität Berlin mit Strategie und Evaluation die Bamberger Schule.

 

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