1.04.2018
Modellprojekt

Kempten will Taufe wieder attraktiver machen

Kempten ist eine von zwei Modellregionen in Bayern. Die evangelische Landeskirche lässt dort Strategien ausarbeiten, um den Rückgang der Taufzahlen aufzuhalten.
Erwachsene lassen sich im Jordan in Israel taufen
Gemeinsame Taufe von Erwachsenen im Jordan in Israel: Auch im Dekanat Kempten soll es bald etwas Ähnliches geben – eine gemeinsame Taufe im Alpsee bei Immenstadt oder an der Iller.

Taufen ist nicht mehr "in": In der evangelischen Landeskirche in Bayern (ELKB) gingen in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Taufen dramatisch von 30 000 auf 22 000 zurück. Auch im Dekanat Kempten ist dieser Trend nicht zu leugnen. Statt 749 Taufen im Jahr 2002 waren es 2016 nur noch 602. Dagegen macht die Landeskirche mobil. Im Herbst 2015 hat sie zwei Modellregionen benannt, die zusammen mit einer Agentur Strategien entwickeln sollen, um das Taufgeheimnis wieder attraktiver zu machen: das Dekanat Freising und das Dekanat Kempten.

Großes Tauffest am Alpsee in Immenstadt

In Kempten gibt es inzwischen auch einige Ideen, um die Attraktivität des Sakraments wieder zu steigern: ein gemeinsames Tauffest von vielen Täuflingen, zum Beispiel an der Iller oder in Immenstadt am Alpsee, das sogenannte Geburtsläuten oder auch eine Art Willkommensgruß zur Geburt. Zuletzt beschäftigte sich die Kemptener Dekanatssynode mit dem Taufanliegen. Motto: "Wozu heute noch taufen? – Unser Taufprojekt im DB Kempten". Ohne Taufe werde "der Kontaktverlust zur Kirche und der Verlust einer christlichen Sozialisation enorm beschleunigt", sagt Dekan Jörg Dittmar. "Unser Ziel daher: Wir wollen wieder mit am Tisch sitzen, wenn Menschen sich fragen: ›Soll unser Kind getauft werden, möchte ich selbst die Taufe für mich?‹"

Gottes Versprechen in der Taufe heißt: Ich bin bei dir! Ich gehe mit Dir durch dick und dünn, durchs Leben und durchs Sterben. Selbst wer aus der Kirche austritt, bleibt Christ. Denn die Taufe ist ein Sakrament, kein Vertrag

Dekan Jörg Dittmar

Federführend initiiert wurde das Modellprojekt von Kirchenrat Jörg Hammerbacher, früher als Pfarrer in der evangelischen Christuskirche in Kempten St. Mang tätig. Heute ist Hammerbacher Referent für Gemeindeentwicklung im Landeskirchenamt der ELKB. Nach einer Umfrage in den beiden Dekanaten gründeten die Kemptener inzwischen eine "Tauf-AG". Das Team besteht aus acht Pfarrerinnen und Pfarrern sowie Dekan Jörg Dittmar. Die Arbeitsgemeinschaft trifft sich drei bis vier Mal pro Jahr. "Uns ist wichtig, dass die Ideen gut umsetzbar sind, effizient und finanzierbar", fasst es Pfarrerin Jutta Martin zusammen, die beim Team dabei ist.

Man habe festgestellt, dass "aus einer vertagten Taufe häufig überhaupt keine mehr" werde, erläutert Martin. Die Ursachen für den Rückgang der Taufbereitschaft sind dabei vielfältig: Manche scheuen die Kosten für ein großes Fest. Andere, etwa Alleinerziehende, haben niemanden, mit dem sie das Tauffest begehen könnten. Wieder andere sind unsicher, weil sie als Eltern unterschiedlichen Konfessionen angehören – oder gar nicht mehr in der Kirche sind. Auch der Zeitfaktor spielt eine Rolle: Viele junge Eltern wissen mit der Geburt oft gar nicht, wo ihnen der Kopf steht. Abgesehen davon erfährt man nicht sofort immer in der Gemeinde, wenn ein Kind geboren wird.

Werbung in Schulen, Kitas und Hebammenpraxen

In manchen Gemeinden, wie beispielsweise St. Matthäus in Kempten, gibt es durch Zuzug sehr viele junge Familien und damit auch verhältnismäßig viele Taufen. In Kemptens Stadtmitte dagegen, wo viele ältere Menschen leben, sind es deutlich weniger. Insgesamt ist die Zahl aber rückläufig. So gab es 2016 im Dekanat Kempten 574 Kindertaufen. Zudem ließen sich 28 Erwachsene taufen. 2002 waren es hingegen noch 682 Kinder- und 67 Erwachsenentaufen.

Dekan Jörg Dittmar sieht allerdings noch viele Chancen, die man nutzen kann, um im Dekanat für die Taufe zu werben – ob mit Flyern in Hebammenpraxen, mit Geschichten in kirchlichen Kindertagesstätten oder mit Gesprächen in der Schule. Mit der Idee für ein gemeinsames Tauffest im Dekanat gibt es auch die Überlegung, ob ein kleiner Taufkursus für Eltern und/oder Paten attraktiv sein könnte.  Ausgearbeitet werden muss auch noch das Willkommensläuten, denn mancherorts liegt die evangelische Kirche zu weit ab, als dass dies Wirkung haben könnte. Und auch der Gedanke für ein "Willkommenspaket" auf der Neugeborenstation im Krankenhaus ist Thema in der Tauf-AG.

Gemeinsames Tauffest

Am Alpsee bei Immenstadt ist am Samstag, 7. Juli, ab 10.30 Uhr ein großes Tauffest geplant. Alle Kirchen im Oberallgäu laden dazu ein. Infos in den Gemeinden und beim Dekanat Kempten.

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