Kirche und Klima
Während in Glasgow der Klimapakt verabschiedet wurde, läutete die Dekanatssynode in Regensburg den Anfang vom Abschied des fossilen Zeitalters im kirchlichen Bereich ein. In einem Grundsatzpapier wurde die Entscheidung, bis 2035 alle kirchlichen Gebäude im Dekanat klimaneutral zu wirtschaften, festgehalten.

Das evangelische Dekanat in Regensburg ist einer der Vorreiter in der bayerischen Landeskirche: Bis 2035 soll in kirchlichen Gebäuden und Einrichtungen im Dekanatsbezirk klimaneutral gewirtschaftet werden. Das beschloss die Dekanatssynode, das regionale evangelische Kirchenparlament, auf ihrer jüngsten Sitzung und machte damit den Weg frei für eine grüne Null. Eine Roadmap für die Umsetzung soll demnächst folgen.

Maßnahmen der Grundsatzpapiere

In dem Grundsatzpapier sollen kirchliche Einrichtungen, Werke und Dienste verpflichtet werden, "in Schöpfungsverantwortung" und "im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens" dazu beizutragen, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen und das 1,5-Grad-Ziel anzustreben, "um die drohende Klimakatastrophe abzuwenden und zukunftstaugliche Wege einzuschlagen", wie es in dem Beschlusspapier heißt.

Ziel ist es, bis zum Jahr 2030 im Gebäudebereich den CO2-Ausstoß aus fossilen Quellen "mindestens zu halbieren" und bis 2035 "in allen Bereichen klimaneutral" zu werden. Letzteres bezieht sich auf den Einkauf, die Beschaffung und Mobilität.

Hauptverursacher des CO2-Ausstoßes der Kirche

Bis dato erzeugten Öl- und Gasheizungen noch 89 Prozent des CO2-Ausstoßes der Kirche, erläuterte Dekanats-Umweltbeauftragter Roland Thürmel. Ein Umstieg auf erneuerbare Energieträger bei Heizsystemen sei dringend erforderlich. "Der Heizungstausch rechnet sich vom ersten Tag an", sagte er, wie das Beispiel des Gemeindehauses Arche in Nittendorf (Kreis Regensburg) zeige. In zehn Jahren habe die Ölheizung 100 Tonnen CO2 in die Luft geblasen. Vor Kurzem kam der Umstieg auf eine Wärmepumpe samt Fotovoltaik-Anlage, so dass nun die Grüne Null erzielt sei, berichtete der Dekanatsentwickler.

Gemeinden, die noch vor einer Umrüstung stehen, scheuen oft die hohen Investitionskosten. Synodale aus solchen Gemeinden stellten denn auch den straffen Zeitplan infrage: In acht Jahren müsste die Hälfte der alten Heizungen umgestellt sein. Carsten Lenk vom Evangelischen Bildungswerk hielt dagegen: "Das Klimaschutzkonzept muss visionär sein. Die ehrgeizigen Ziele sollten nicht von einem falschen Realismus klein geredet werden." Deutlich steigende Energiepreise würden zudem kaum eine andere Wahl lassen.

Weitere Maßnahmen des Positionspapieres

Das Positionspapier kündigt auch das Ende fossiler Subventionen an. Investitionskosten beim Umstieg auf alternative Energien sollen dagegen gefördert werden. "Nie gab es so eine hohe Förderung beim Heizungstausch", sagte Esther Ferstl, die Klimaschutzmanagerin der Landeskirche. Sie berät auch Kirchengemeinden beim Umstieg.

Kirchengemeinden, Werke und Dienste sind aufgefordert, sich in einem "Grünen Datenkonto" zu registrieren, um darin die Verbrauchsdaten zu erfassen, damit eine CO2-Bilanz des Dekanats erstellt werden könne. Die Gemeinden könnten so "datenbasiert ins Handeln kommen", sagte Thürmel. Am Ende stimmten alle Teilnehmer, bei einer Enthaltung, den Beschlüssen zu. "Wir wollten eine mutige Aufbruchstimmung erzeugen", sagte Thürmel.

Das evangelische Dekanat Regensburg mit seinen 24 Kirchengemeinden und gut 72.000 Gemeindemitgliedern ist flächenmäßig das größte Dekanat in Bayern. Es erstreckt sich von Hemau im Westen bis Hengersberg im Osten und von Maxhütte im Norden bis Abensberg und Osterhofen im Süden.

Weitere Artikel zum Thema:

„Sonntags“ – Der kompakte Überblick

Starten Sie mit unserem Newsletter in die Woche.

 
Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.*