18.10.2019
Abschiedsgottesdienst

Rosenheimer Dekanin Hanna Wirth geht in den Ruhestand

Zehn Jahre lang war Hanna Wirth Dekanin von Rosenheim. Am 20. Oktober wird sie mit einem Festgottesdienst um 15 Uhr in der Rosenheimer Erlöserkirche verabschiedet.
Dekanin Hanna Wirth
Dekanin Hanna Wirth verlässt Rosenheim nach zehn Jahren.

Die Arche auf der Gartenschau, der Gottesdienst auf dem Gautrachtenfest, die Visitationen in den 15 evangelischen Gemeinden des Dekanats Rosenheim: Viele Highlights – und eine positive Grundstimmung hat die Rosenheimer Dekanin Hanna Wirth in ihren zehn Amtsjahren erlebt. Zum 31. Oktober geht die 65-Jährige in den Ruhestand.

Wirth blickt auf eine nicht selbstverständliche Berufslaufbahn zurück: 1983 hatte sich die Pfarrerin für 15 Jahre beurlauben lassen, um Zeit für die bald sechsköpfige Familie zu haben. Nach dem Wiedereinstieg im Jahr 2000 ging alles ganz schnell: 2004 übernahm sie nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes die erste Pfarrstelle in Waldkraiburg; nur fünf Jahre später trat sie als Dekanin in Rosenheim an. Ein leises Staunen liegt noch immer in Hanna Wirths Stimme: "Damit hatte ich nicht gerechnet."

Expertin für Kommunikation

Doch für das Dekanat Rosenheim war die Wahl ein Glücksfall, denn Wirth brachte eine Menge frischer Expertise mit: Während ihrer Beurlaubung hatte die vierfache Mutter verschiedene Ehrenämter in der Waldkraiburger Stadtgesellschaft übernommen. "Das war eine ausgesprochen hilfreiche Zeit", sagt sie heute über ihre Tätigkeit im Vorstand der Volkshochschule, im Arbeitskreis Kommunalpolitik und im Stadtmarketing. Denn der Blick von außen festigte ein paar Überzeugungen: zum Beispiel, dass Außendarstellung wichtig ist und Menschen sich ansprechen lassen für christliche Themen, "wenn wir eine Sprache finden, die sie verstehen".

Vor diesem Hintergrund war die Kommunikationsinitiative der Landeskirche, mit der sie im Jahr 2000 wieder ins Berufsleben einstieg, für Wirth "ein Geschenk des Himmels". Dass sich Kirche plötzlich mit Schrifttypen und Logos beschäftigte, sorgte damals mancherorts für Spott und Gegenwind.

Gemeinden als Teil der Gesellschaft

Hanna Wirth zuckt nur die Schultern: Heute sind einheitliches Briefpapier und Visitenkarten Standard. Die Kampagne habe viele "raus aus der Gemütlichkeit der eigenen Kirchengemeinde" getrieben und klargemacht, dass Kirchengemeinden Teil der Landeskirche sind, und die wiederum Teil der Gesellschaft. "Es ist nicht das Problem der Menschen, wenn sie uns nicht finden – es ist unser Problem", ist Wirth überzeugt.

Im Prinzip hat damals begonnen, was heute im Prozess "Profil und Konzentration" weitergeführt wird. Hanna Wirth ist PuK-Fan: Kirche sei für Menschen nicht mehr selbstverständlich, doch die Sehnsucht nach Begleitung sei groß.

Sie wünscht sich deshalb ein "grundsätzliches Umdenken", wenn es um die Aufgaben von Pfarrerinnen und Pfarrern geht: "Ein Pfarrer ist an alle Menschen gesandt, nicht nur an die eigenen Gemeindeglieder. Seine Aufgaben sind Gottesdienste halten, das Evangelium von der Liebe Gottes verkünden und Menschen seelsorgerlich begleiten." Die Pflege von Kreisen und Gemeindegruppen hingegen könnten – gut ausgebildet und angeleitet – Ehrenamtliche übernehmen.

Schwerpunkt Notfallseelsorge

Einen besonderen Schwerpunkt legt Wirth auf Seelsorge-Angebote in Haftanstalten, Altenheimen, Krankenhäusern. "All diese Menschen können nicht zu uns kommen", sagt sie. Wer in der "kategorialen Seelsorge" kürze, "macht einen Fehler". Die halbe Notfallseelsorger-Stelle war der Dekanin deshalb besonders wichtig. Damit sollte auch der Verdichtung von Arbeit entgegengewirkt werden: "Wir haben 170 Notfalleinsätze im Jahr, also jeden zweiten Tag", zählt sie auf. Gemeindepfarrer könnten das nicht alleine stemmen.

Damit ist die 65-Jährige bei einem ihrer wichtigsten Anliegen als Chefin: "notfalls mit Strenge darauf zu achten, dass sich die Kolleginnen und Kollegen nicht die Gesundheit ruinieren". Das betrifft den Urlaub genauso wie Möglichkeiten zur Entlastung – zum Beispiel durch die enge Kooperation mit der Verwaltungsstelle. "Es gibt an vielen Stellen kleine Aufbrüche, und die Leute haben großartige Ideen", sagt Hanna Wirth anerkennend.

Ein Jahr zum Durchatmen

Ein großer Aufbruch steht nun für die Dekanin an: Ende Oktober zieht Hanna Wirth von Rosenheim nach Dorfen, obwohl sie dort weder Familie noch Freunde hat. "Dorfen ist ein hübsches Städtchen und liegt strategisch günstig", sagt Wirth. Sie freue sich, ihre vier Kinder und zwei Enkel, die Geschwister in Baden-Württemberg und die alten Patentanten häufiger zu besuchen und mal "ein paar Tage länger" zu bleiben. Im Kalender stehen keine Termine, nur Interessen: lesen, Ausstellungen besuchen, stricken und auf ihren vier Blockflöten "mal wieder ein Stück richtig erarbeiten". Ein Jahr zum Durchatmen – "und dann schaue ich, wo ich mich einbringe", sagt Hanna Wirth mit einem Lächeln.

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