2.04.2017
Diakonie

Sozialpsychiatrische Dienst hilft in Augsburg seit 40 Jahren

Im Mai 1977 startete der Sozialpsychiatrische Dienst des Diakonischen Werks Augsburg mit einer Stelle. Heute hat er 14 Mitarbeiter. Auch die Probleme der Betroffenen haben sich im Laufe der Zeit verändert, erzählt Fachvorstand Ilona Luttmann.
Ilona Luttmann
»Wir stellen fest, dass verstärkt Menschen mit Depressionen Hilfe suchen«: Ilona Luttmann ist als Vorstand des Diakonischen Werks Augsburg für die Sozialpsychiatrie zuständig.

Ilona Luttmann hat sich durch alle Jahresberichte gelesen: Wenn der Sozialpsychiatrische Dienst (SPDi) der Augsburger Diakonie mit einem Festakt sein 40-jähriges Jubiläum feiert, wird sie die Geschichte des Diensts noch einmal Revue passieren lassen. Luttmann ist als Fachvorstand des Diakonischen Werks auch zuständig für die Sozialpsychiatrie.

Frau Luttmann, welche Rolle hatte der Sozialpsychiatrische Dienst bei seiner Gründung vor 40 Jahren?

Er ist ins Leben gerufen worden, weil man wegkommen wollte von den großen stationären Einrichtungen, in denen psychisch kranke Menschen damals vor allem untergebracht wurden. Die Betroffenen sollten am Alltag teilhaben und gleichzeitig fachlich betreut werden. Das war am Anfang nicht einfach, weil es wenige Fachkräfte gab – in Augsburg war es nur eine. Im Laufe der Jahre hat sich aber aus dem SPDi ein ganzes Bündel sozialpsychiatrischer Angebote entwickelt.

 

Welche sind das?

Dazu zählt unter anderem das Betreute Wohnen, bei dem Menschen mit psychischen Problemen fachlich begleitet werden. Es gibt das Thomas-Breit-Zentrum, das psychisch kranken jungen Erwachsenen hilft, wieder in den Alltag zurückzufinden. Und es gibt die Tagesstätten für psychische Gesundheit als Anlaufstelle für psychisch Kranke. Der sozialpsychiatrische Dienst war letztlich die Keimzelle all dieser sozialpsychiatrischen Angebote.

 

Welche Aufgaben hat der SPDi heute?

Er ist noch immer eine der ersten Anlaufstellen für Menschen mit psychischen Problemen. Die Mitarbeiter dort beraten Betroffene und deren Angehörige in Krisensituationen. Sie vermitteln sie in eine Therapie oder begleiten sie nach einer Erkrankung. Es gibt aber auch Gruppenangebote, bei denen Betroffene und Angehörige lernen, mit ihrer Krankheit umzugehen, darüber zu sprechen und sich auszutauschen.

 

Wer nimmt die Hilfe in Anspruch?

Zum SPDi kommen Menschen mit den unterschiedlichsten psychischen Erkrankungen, im 2015 waren es mehr als 1000. In den vergangenen Jahren stellen wir fest, dass verstärkt Menschen mit Depressionen Hilfe suchen. Allerdings stecken hinter den Depressionen auch oft andere Krankheitsbilder wie Persönlichkeitsstörungen.

Da merkt man eine Veränderung, die sicher auch mit der Zunahme von Unsicherheit im Alltag der Menschen zu tun hat, mit höheren Anforderungen am Arbeitsplatz und mit familiären Problemen. Die Mehrzahl der Klienten im SPDi ist zwischen 40 und 60 Jahre alt. Es gibt auch jüngere, aber die verteilen sich auf zusätzliche Angebote.

 

Inwieweit gelingt Ihnen bei Ihrer Arbeit die Inklusion psychisch kranker Menschen, also die Teilhabe der Betroffenen an der Gesellschaft?

Wir versuchen, diese Teilhabe mit verschiedenen Ansätzen zu erreichen. Aber im Alltag stehen der Inklusion oft Hindernisse entgegen. Ein Beispiel: Wir haben in der Hermann-Sohnle-Siedlung in Augsburg ein Inklusionsprojekt. Junge Menschen mit psychischen Problemen wohnen dort im Thomas-Breit-Zentrum.

Nebenan leben betreute Senioren. Es gibt verschiedene Projekte, wo die Jungen die Älteren unterstützen. Allerdings muss die Finanzierung für die Arbeit mit den jungen Menschen strikt getrennt sein von der Finanzierung für die Seniorenarbeit. An dieser Struktur kann durchaus so manches Projekt scheitern – und damit auch der inklusive Ansatz.

 

Inklusion ist also oft gar nicht machbar?

Leider nur eingeschränkt: Oft stehen ihr gesellschaftliche Strukturen entgegen. Dennoch versuchen wir in der Arbeit mit psychisch kranken Menschen Nischen zu finden, wo es zumindest in Ansätzen gelingen kann. Etwa wenn ein Betroffener ein Praktikum in einem Betrieb machen oder ein spezielles Angebot in einem Verein nutzen kann.

 

Welche Rolle spielt der SPDi in diesem Zusammenhang?

Er ist in vielen Fällen der erste Anlaufpunkt für Menschen mit psychischen Problemen. Als solcher wird er auch künftig ein wesentliches Element in der sozialpsychiatrischen Landschaft sein.

KONTAKT

Sie benötigen Hilfe in einer Krisensituation, wollen sich beraten lassen oder sorgen sich um einen Angehörigen oder Freund - Wer Kontakt mit dem Sozialpsychiatrischer Dienst Augsburg aufnehmen möchte, kann unter der folgenden Telefonnummer einen Termin vereinbaren: 08 21/450 19 - 33 11. Nähere Infomationen zu dem Angebot finden Sie hier.

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