3.09.2018
Kinderbetreuung

Warum männliche Erzieher in Kitas nicht alltäglich sind

In den Kitas der Kemptener Diakonie fassen männliche Erzieher und Kinderpfleger langsam Fuß. Vier berichten von ihrem Alltag.
 Waldemar Schuchart, Manuel Haslach, Felix Knoedlseder (stehend v. li.) und Kristof Büsing arbeiten als Erzieher und Kinderpfleger.
"Wir machen nichts anders als unsere Kolleginnen": Waldemar Schuchart, Manuel Haslach, Felix Knoedlseder (stehend v. li.) und Kristof Büsing arbeiten als Erzieher und Kinderpfleger. Die Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen schätzen sie alle vier.

Und was ist dein Beruf?" – Diese Frage stellte ein kleines Mädchen Waldemar Schuchart, als im Morgenkreis der Kita Oberlinhaus der Diakonie Kempten Allgäu über Berufe gesprochen wurde. "Ich bin Erzieher und darf hier mit euch spielen, bis eure Eltern euch abholen", erklärte er geduldig. Ein Mann als Erzieher in der Kita: Das ist auch heute oft noch alles andere als selbstverständlich – selbst für die Kinder. Für Kristof Büsing, seit zwei Jahren Leiter der Kindertagesstätte Mikado der Diakonie Kempten Allgäu, ist dennoch das Selbstbewusstsein männlicher Erzieher und Kinderpfleger in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Das war 2004, als er in seinem Beruf begann, noch anders.

Die Eltern in der Kita Mikado jedenfalls schätzen es, dass zum 16-köpfigen Team der Kita auch drei Männer gehören: Kristof Büsing als Leiter, Felix Knoedlseder als Gruppenleiter und Manuel Haslach als Kinderpfleger. "Mit einem Mann an der Seite traut sich mein Kind eher mal auf einen Baum zu klettern, mal zu toben oder etwas ganz Neues zu wagen", erzählt eine Mutter.

Offenheit und Tranzparenz

"Männer bieten eine andere Form des Umgangs an als die Kolleginnen", so Büsing. Er nennt ein Beispiel: Als er 2015 in der Kindertagesstätte Mikado anfing, gab es einen kleinen Jungen, der sich schwertat, Kontakt zu Erwachsenen aufzubauen. Irgendwann kam der Junge auf Büsing zu und suchte dessen Nähe – zur großen Verwunderung der Kolleginnen, die von Anfang an nichts unversucht ließen, eben diese Kontaktaufnahme zu erreichen.

"Wir machen nichts anderes als unsere Kolleginnen", so die übereinstimmende Meinung der vier Diakonie-Erzieher. Alle Dinge, die für die Erziehenden schon immer in einer Kindertagesstätte angefallen sind, werden von Frauen und Männern gleichermaßen übernommen. Der Schlüssel zum Erfolg sind dabei vor allem Offenheit und Transparenz, gerade im Umgang mit Eltern, die sich auch erst einmal an Männer in der Kita gewöhnen mussten.

"Kein Tag ist wie der andere"

Doch die Männer sind im "Kita-Beruf" auf dem Vormarsch. "Ich wollte unbedingt mit Menschen arbeiten, aber weder mit Gleichaltrigen noch mit Älteren", erzählt der 18-jährige Manuel Haslach. Er machte ein Praktikum und fand es toll. "Als ich dann schließlich dabei war, war es in der ersten Zeit ganz schön heftig: Auf 22 Kinder gleichzeitig zu achten, das ist gar nicht so leicht."

Waldemar Schuchart ist stellvertretender Einrichtungsleiter im Oberlinhaus. Er hat das "Erzieher-Gen" von seiner Mutter geerbt, sagt er. Schuchart schätzt die täglich neuen Herausforderungen als Erzieher seit neun Jahren: "Kein Tag ist wie der andere."

Felix Knoedlseder holte früher immer seine zehn Jahre jüngere Schwester vom Kindergarten ab. Dort bot man ihm ein Praktikum an. "Die Arbeit hat mir von Anfang an gut gefallen. Es hat schon was, wenn man jeden Tag mit einem Lächeln beginnen kann." Außerdem bekomme man oft ein gutes Feedback. "Das war echt cool, hieß es etwa am Ende der Projektwoche "Manage frei".

Die vier Männer sind sich einig: Männer denken anders als Frauen. Doch das bereichere die Arbeit im Kita-Team. Gleichzeitig schätzen sie alle vier die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen: "Nur Männer – das wäre auch nix."

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