10.08.2020
Tod und Trauer

Wie sich Trauerclown "Kaala Knuffl" mit dem Sterben auseinandersetzt

Ein Clown auf einer Beerdigung: Das geht ja wohl gar nicht. Denk man zumindest im ersten Moment. Birgit Sauerschell aus Lichtenfels ist da anderer Meinung. Die Psychologin bringt zusammen, was auf den ersten Blick so gar nicht zusammengehört: Trauer und Poesie, Tränen und Humor, Tod und Leben.
Trauerclown "Kaala Knuffl" alias Birgit Sauerschell
Die schwere Decke der Trauer etwas anheben möchte Birgit Sauerschell alias "Kaala Knuffl" als Trauerclown.

Ein Clown, der auf einer Bank sitzt, während der Trauerzug auf dem Weg zum offenen Grab vorüberzieht, das ist nicht nur ein eindrucksvolles Bild, das kann auch etwas bewirken, glaubt Birgit Sauerschell.

Wenn dann noch jeder Trauernde einen weißen Luftballon in die Hand gedrückt bekommt und alle Anwesenden die Ballons anschließend in den Himmel steigen lassen, dann komme der eine oder andere schon ins Nachdenken. "Ein Clown kann eben Emotionen wecken", weiß Birgit Sauerschell.

Engagement als Klinikclown

Entstanden ist die Idee des Trauerclowns aus ihrem langjährigen Engagement als Klinikclown. Die 56-Jährige, die unter anderem viele Jahre lang in der Suchtberatung und in der Asylarbeit der Diakonie tätig war sowie als Psychologin bereits selbstständig gearbeitet hatte, besuchte 2007 aus einer Laune heraus ein halbes Jahr lang eine Clownsschule mit dem Namen "Die Kunst des Stolperns" in Freising.

"Just for fun", wie sie sagt, einfach als eine Art Selbsterfahrungstrip. Dort lernte sie nicht nur Jonglieren und Improvisieren, sondern kam auch mit den Klinikclowns in Berührung. Das sind Clowns, die auf Kinderstationen, aber auch in Alten- und Pflegeheimen auftreten, um zu trösten, um Hoffnung und Zuversicht zu spenden oder einfach den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Unterwegs in den Krankenhäusern von Coburg und Lichtenfels

Bis dahin war sie lediglich auf der einen oder anderen Familienfeier aufgetreten. Seitdem ist sie zusammen mit Kollegen regelmäßig unter anderem in den Krankenhäusern von Coburg und Lichtenfels sowie in verschiedenen Altenheimen im Bamberger Raum anzutreffen.

Man singt zusammen mit den alten Menschen Volkslieder und Schlager, stellt schillernde Seifenblasen für die Kleinsten her oder spielt auch mal auf der Geige. "Da ist manchmal auch ein schräger Ton dabei", sagt sie, aber das Leben sei halt auch nicht immer perfekt. Wie ernst die Klinikclownin ihre Aufgabe nimmt, zeigt ihre Teilnahme an Fortbildungen zweimal pro Jahr, wo sie nicht nur von hochkarätigen Clowns lernt, sondern auch therapeutischen Fragen nachgeht.

Ein Clown ist nicht nur lustig

Ein Workshop mit dem Titel "Der Clown und der Tod" brachte Birgit Sauerschell schließlich auf die Idee des trauernden Clowns. Der Clown sei schließlich nicht nur lustig, er sei vielmehr eine Figur, die alle möglichen Emotionen weckt. Die Bezeichnung Clown, so erläutert Birgit Sauerschell, komme übrigens von "colonus", was soviel heißt wie Bauer, Siedler oder Kolonist. Also jemand, der sicheres Terrain verlässt, Regeln durchbricht und immer auf der Suche nach dem Unbekannten ist. So könne es gelingen, sich seine eigene Welt zu erschaffen und Dinge in neuem Licht zu sehen.

So ist es für sie auch immer wichtig, dem Verstorbenen gerecht zu werden. Das kann in Form eines Musikstücks sein, eines Tanzes, einer kurzen Rede, im Freien oder im geschützten Raum, meist aber dezent im Hintergrund.
Schenkelklopfer sucht man bei Birgit Sauerschell alias "Kaala Knuffl" vergebens. Sowohl bei Hospizvereinen als auch bei Bestattern und sogar bei Pfarrern ist ihre Idee bislang auf Wohlwollen gestoßen, sofern ihr Auftreten nicht innerhalb der Liturgie stattfindet.

Tod, Trauer und Verlust

Vereinzelte Auftritte wie der zum 50-jährigen Bestehen der Lebenshilfe Kronach gehören dazu oder die Präsenz auf einschlägigen Messen. Auch die Funktion einer Trauerrednerin ohne Clownskostüm ist für sie denkbar.

Zu ihrem Programm gehört auch das Angebot einer Spielsequenz für Kinder im Vor- und Grundschulalter als Auseinandersetzung mit Tod, Trauer und Verlust. Gebucht werden kann sie von Kindergärten, Schulen, Einrichtungen für Menschen mit Förderbedarf und Gruppen, die einen ungewöhnlichen, einfühlsamen und bildhaften Einstieg in das Thema Tod und Trauer wünschen.

INFO

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite von Birgit Sauerschell unter www.kaala-knuffl.de

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