20.03.2019
Kirche

Zehn Jahre im Amt: Regionalbischöfin Dorothea Greiner über Projekte und Perspektiven

Seit dem 1. April 2009 steht Dorothea Greiner an der Spitze des Kirchenkreises Bayreuth. Mit dem Sonntagsblatt sprach sie über Entwicklungen, Herausforderungen und Zukunftschancen.
Regionalbischöfin Dorothea Greiner
Verkündigung als Lebensziel: Regionalbischöfin Dorothea Greiner.

Palmsonntag 2009: Live überträgt das Bayerische Fernsehen zum ersten Mal einen Gottesdienst zum Auftakt eines bischöflichen Amts aus Bayreuth. Weil die ehrwürdige "Bischofskirche" Heilig Dreifaltigkeit im Stadtzentrum wegen einer Generalsanierung geschlossen war, fand die Feier in der barocken Ordenskirche statt. Dass gerade die historischen Markgrafenkirchen in Oberfranken zu einem wichtigen Projekt ihrer Arbeit werden sollten, ahnte die frischgebackene Regionalbischöfin Dorothea Greiner noch nicht.

"Unser Kirchen sind Gestalt gewordene Botschaft", sagt sie heute. "Wir können sie zu Menschen sprechen lassen, die selbst nicht mehr in der Kirche sind, aber unsere Kirchenräume betreten." Und dank der besonderen Bildersprache, mit der die Bayreuther Markgrafen einst zahlreiche Sakralbauten schmücken ließen, kann sich die Region als Zentrum eines einzigartigen "evangelischen Barocks" fühlen.

Erste Oberkirchenrätin im bayerischen Landeskirchenrat

Diese – und alle anderen – Kirchen zu öffnen, um auch distanzierte Menschen über die Begegnung mit sakraler Kunst wieder ein Stück an den Glauben heranzuführen, sieht Dorothea Greiner als Chance und Aufgabe von Kirche in der Gegenwart. Dabei schließt sie ausdrücklich den Dialog mit zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern ein: Zum Themenjahr 2015 "Bild und Bibel" der Lutherdekade rief sie das ambitionierte kirchenkreisweite Großprojekt "12 [W]ORTE" ins Leben. "Künstler haben ihren eigenen Zugang zur Heiligen Schrift und können sie uns neu erschließen." Eine Gelegenheit, die auch durch die Musik eröffnet werde, wie etwa der "(Ober-)Fränkische Posaunentag" 2012 mit 1200 Mitwirkenden – unter ihnen auch Dorothea Greiner persönlich – eindrucksvoll zeigte.

Mit dem Amtsantritt als Regionalbischöfin kehrte die gebürtige Frankfurterin vor zehn Jahren zurück zu den Wurzeln ihrer "beruflichen Biografie". Gemeinsam mit ihrem Ehemann Gottfried Greiner absolvierte sie ihr Vikariat im Coburger Land und arbeitete später mit ihm als Studieninspektorin am Predigerseminar in Bayreuth, bevor beide in den Gemeindedienst ins oberbayerische Holzkirchen gingen. 1999 wurde die promovierte Theologin, die ihre Doktorarbeit zum Thema "Segen und Segnen" schrieb, als erste Oberkirchenrätin in den bayerischen Landeskirchenrat berufen, wo sie bis zum Wechsel nach Bayreuth für den Bereich Personal und Ausbildung zuständig war.

Mehr Zeit für Seelsorge

Die Begleitung der Pfarrerinnen und Pfarrer in den 337 Kirchengemeinden sowie in weiteren Diensten im Kirchenkreis ist ein Teil von Greiners bischöflichen Pflichten, dem sie sich mit viel Empathie widmet. Vor dem Hintergrund einer Statistik der vergangenen zehn Jahre – etwa 220 Gespräche zur Besetzung von Pfarrstellen und 72 Ordinationen – hat sie auch die künftigen Herausforderungen im Blick, von denen Oberfranken durch den demografischen Wandel besonders betroffen ist.

Denn die Zahlen sind ernüchternd. Wurden 1994 im Kirchenkreis Bayreuth noch knapp 554 000 Evangelische gezählt, waren es laut amtlichen Angaben zum Stichtag 1. Januar 2019 noch genau 425 148. Auf diese Entwicklung mit Augenmaß zu reagieren wird eine Aufgabe des neuen Landesstellenplans sein, der gegenwärtig in der Landeskirche ausgearbeitet wird. Absehbar sei schon jetzt, dass der Osten Oberfrankens von möglichen Pfarrstellenreduzierungen stärker betroffen sein werde als etwa die Region Bamberg-Forchheim, räumt Dorothea Greiner ein. Umso wichtiger sei es, Pfarrerinnen und Pfarrer im Gemeindedienst künftig von Verwaltungsaufgaben zu entlasten und ihnen mehr Zeit für die Seelsorge zu geben.

Kirche als Brückenbauer

Pläne für tief greifende Umbildungen, wie sie durch die Zusammenschlüsse der Dekanate Kronach und Ludwigsstadt sowie jüngst Bayreuth und Bad Berneck vollzogen wurden, gebe es freilich nicht, bekräftigt sie. "Ich war nie der Meinung, dass wir uns ›gesundschrumpfen‹ sollten." Vielmehr sollten alle Chancen genutzt werden, Menschen in Berührung mit dem Evangelium zu bringen. In vielen Gemeinden und Dekanaten geschehe dies erfolgreich, nicht zuletzt durch die Hilfe der vielen Ehrenamtlichen und die kreative Arbeit engagierter Initiativen und Einrichtungen.

Gerade in Zeiten, in denen die Gesellschaft "in Segmente zerfällt", muss Kirche nach Greiners Überzeugung ihre Rolle als Brückenbauer entschlossen wahrnehmen. Zu einer echten Herzensanlegenheit ist ihr die Arbeit für geflüchtete Menschen geworden, besonders für zum Christentum konvertierte Iraner, von denen sie selbst mehrere getauft hat. "Wir müssen deutlich machen: Christsein ist niemals deutsch oder national, sondern immer länderübergeifend. Es verbindet Menschen unterschiedlicher Kulturen, Hautfarben und Prägungen." Und letztlich bündelt sie ihr Selbstverständnis in wenigen Worten: "Christus verkündigen, das ist mein Lebensziel."

INFO

Am Donnerstag, 21. März, feiert Regionalbischöfin Greiner ihren 60. Geburtstag. Zum Gottesdienst in der Bayreuther Stadtkirche (Beginn 17 Uhr) ist die Öffentlichkeit eingeladen.

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