17.03.2021
Corona

Bayerns Lehrerverbände unzufrieden mit Corona-Schulpolitik

Die bayerischen Lehrerverbände kritisieren die derzeitige Schulpolitik. In welchen Punkten sie Verbesserungsbedarf sehen.

Die bayerischen Lehrerverbände haben am Dienstag nach den Ankündigungen der Staatsregierung ihren Unmut bekundet.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte nach der Sitzung des Kabinetts eine Testpflicht für die Schulen nach den Osterferien angekündigt, sobald die Sieben-Tages-Inzidenz über 100 liege.

Der Bayerische Realschullehrerverband (brlv) teilte dazu mit, dass Tests zwar wichtig seien, diese aber von externen Organisationen außerhalb der Klassenzimmer vorgenommen werden müssten. "Klassenzimmer sind keine Testzentren", sagte brlv Vorsitzender Jürgen Böhm. Dies würde Lehrer und Schüler gefährden.

Bayerischer Philologenverband: An vielen Schulen sind keine Selbsttests vorhanden

Auch der Bayerische Philologenverband (bpv) reagierte mit Unverständnis auf die Ankündigungen von Ministerpräsident Söder und Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Der bpv-Vorsitzende Michael Schwägerl sagte, Söder und Piazolo hätten den Eindruck erweckt, "dass seit dieser Woche an den Schulen flächendeckende und regelmäßige Tests stattfinden".

Dies könne sein Verband "nicht bestätigen". Die Rückmeldungen aus den Schulen zeigten vielmehr, dass in vielen Schulen "keine Selbsttests vorhanden" seien, monierte der Verbandschef.

Söder plädiert für breitere Verwendung von Gurgeltests an Schulen

Söder sagte außerdem, es müsse engmaschiger getestet werden. Aktuell ließen sich in Bayern 40 Prozent der Lehrkräfte aber nur etwa zehn Prozent der Schüler testen.

Vor allem die in Österreich verwendeten Gurgeltests könnten in Schulen breite Verwendung finden, sagte Söder nach der Kabinettssitzung. Zudem sollen die vierten Klassen künftig wie Abschlussklassen behandelt werden, wenn es um die Regelungen zu Distanz-, Wechsel- oder Präsenzunterricht gehe.

Der BLLV verurteilt Entscheidung, Viertklässler zu Abschlussschülern zu erklären

Simone Fleischmann, die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, kritisierte, dass die Staatsregierung "auf Biegen und Brechen am Bayerischen Schulsystem festhält" und dabei die Gesundheit der Lehrer und Kinder gefährde.

Dass nun die Viertklässler "unabhängig von Inzidenzen" mal eben so zu Abschlussschülern erklärt würden, sei eine Bankrotterklärung. Neun- und Zehnjährige während steigender Inzidenzen unbeirrt in die Schule schicken zu wollen, sei absolut nicht nachvollziehbar: "Der BLLV verurteilt diese Entscheidung." In Bayern zähle nicht Bildung und Erziehung, "sondern der Übertritt" von der Grundschule zu weiterführenden Schulen.

Fleischmann fordert Impfangebote für Grundschullehrer 

BLLV-Chefin Fleischmann sagte, ehe die Grundschullehrer nach den Osterferien wieder in die Schulen kommen sollen, "muss jeder von ihnen ausnahmslos ein Impfangebot erhalten haben".

Alle Experten seien sich einig, dass die Infektionsgefahr gerade bei Kindern und Jugendlichen durch die Corona-Mutationen immens gestiegen ist, daraus müssen man Konsequenzen ziehen. 

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