17.12.2020
Bischöfe in Nürnberg

Die Nürnberger Regionalbischöfe haben sich 14 Jahre lang das Amt geteilt - das ist einzigartig in den deutschen Kirchen

Ein gutes Team und verheiratet: Das können die beiden Nürnberger Regionalbischöfe von sich behaupten. Das Modell, ein kirchenleitendes Amt zu teilen, muss nun aber enden.

300 Theologen-Ehepaare teilen sich in der evangelischen Landeskirche in Bayern derzeit eine Stelle. Das tun auch Elisabeth Hann von Weyhern und Stefan Ark Nitsche. Sie haben keine Gemeinde, sondern leiten als Regionalbischöfe gemeinsam den Kirchenkreis Nürnberg.

Bisher ist das Paar ein einzigartiges Modell in den Kirchen in Deutschland. "Die Grundqualifikation, zusammen ein solches Amt auszuüben ist nicht, dass wir verheiratet sind", sagt Stefan Ark Nitsche, "sondern der wunderbare Zufall, dass wir beide teamfähig sind".

"Gemeinsam die Aufgabe wahrnehmen"

Die beiden Theologen haben schon als Planungsreferenten im Landeskirchenamt zwischen 2000 und 2006 für ihre Arbeit vereinbart, dass "nicht jeder seinen Bereich macht, sondern wir wirklich gemeinsam die Aufgabe wahrnehmen". "Wir sprechen ja ganz bewusst nicht von einer Teilung der Stelle, sondern einer gemeinsamen Wahrnehmung des Dienstes", sagen sie.

"Die Regionalbischöfe sind zuverlässig da, egal in welcher Person sie auftreten", beschreibt das Hann von Weyhern. Nitsche fügt an: "Es ist wie bei einem Verkehrsverbund. Die Passagiere interessiere es nicht, welches Kleinunternehmen innerhalb des Verbundes gerade dahinterstecke, sie wollten von A nach B transportiert werden."

Bedenken der Gemeinden haben sich nicht bewahrheitet

Auch Bedenken von Gemeinden, "dass in einem vermuteten Bermuda-Dreieck zwischen uns Themen untergehen", hätten sich nicht bewahrheitet, erzählt Nitsche. Denn konsequent haben die beiden ihre Grundregeln Nummer eins und Nummer zwei angewendet: "Was einer gesagt hat, hat auch die andere gesagt, was eine oder einer gehört hat, hat auch der andere gehört".

Sie hätten "einen gewissen sportlichen Ehrgeiz" gehabt, das umzusetzen, sagt Hann von Weyhern. "Wir sind wirklich ein Team gewesen, das das gerne miteinander macht!"

Mit einer gewissen Leichtigkeit konnten Nitsche und Hann von Weyhern ihren Dienst und das Privatleben verschränken. Dienstliche Gespräch wurden zwar auch in der Wohnung und nicht nur im Büro geführt, "aber wo Teppichboden liegt, da reden wir nicht über Dienstliches".

Stefan Ark Nitsche: "Ich habe so viel profitiert von diesem gemeinsamen Arbeiten"

Wie bei vielen Stellenteilern ergeben auch bei den Oberkirchenräten zwei halbe Stellen zusammengerechnet mehr als eine ganze Stelle, das geben Hann von Weyhern und Nitsche zu. Vor allem in Projekten wie dem großen Tauffest 2011 oder dem Dank an die Kirchenvorsteher mit Einladungen ins Freilicht-Theater in Langenzenn 2012 und 2017 haben sie sich zusammen eingesetzt. "Für mich wäre unvorstellbar, dass ich die 14 Jahre als Regionalbischof allein gemacht hätte. Ich habe so viel profitiert von diesem gemeinsamen Arbeiten", sagt Nitsche.

Modell Nitsche/Hann von Weyhern wird beendet

Nun wird das Modell Nitsche/Hann von Weyhern beendet. Er wechselt am 1. Januar offiziell in den Ruhestand. Seine Frau übernimmt die ganze Stelle, sagt aber, für sie sei das kein Automatismus. Durchaus hätte sie als Pfarrerin in der Landeskirche an anderer Stelle tätig sein können. Aber es habe sie gereizt, "das jetzt in alleiniger Verantwortung weiterzumachen".

Aber die Probleme der Kirchen, der Mitgliederschwund und Finanzsorgen lassen sich mit einem Entwicklungsprozess allein nicht abwenden. "Wir sind gewaltig in der Herausforderung, auch das sichtbar zu machen, was uns begeistert und trägt". Und das sei ein Angebot "nicht nur für uns, sondern für alle Menschen", sagt Nitsche. 

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