7.09.2020
Arzneipflanze des Jahres 2020

Lavendel: Was das blaue Wunder aus dem Süden kann

Lavendel ist bei Menschen und Bienen beliebt und bringt südländisches Flair in die Gärten. Doch die Duftpflanze kann noch mehr: Die Arzneipflanze des Jahres "Lavandula officinalis" hilft gegen Stress, Unruhe und Schlaflosigkeit.
Lavendel Provence Arzneipflanze des Jahres 2020 Symbol

Die Lavendelfelder in der südfranzösischen Provence sind weltberühmt. Auch in Deutschland ist die blaulila blühende, stark duftende Pflanzen nicht nur in Gärten, sondern auch in Parkanlagen beliebt - etwa im Garten der Religionen in Karlsruhe oder dem Klostergarten in Bad Herrenalb.

Die Blüten werden seit Jahrhunderten nicht nur als Parfüm oder Mottenschutz im Kleiderschrank verwendet, sondern auch als Arzneimittel. Deshalb wählte der Interdisziplinäre Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde (Würzburg) das blaue Kraut zur Arzneipflanze des Jahres 2020.

Entdeckt durch die Klostermedizin wird der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia oder officinalis) seit Jahrhunderten als Heilmittel zur Beruhigung und Entspannung genutzt. Dies sei in den letzten Jahren durch mehrere klinische Studien auch wissenschaftlich bestätigt worden, sagte die promovierte Biologin und Heilpraktikerin Elke Puchtler (Erlangen) im Gespräch mit Sonntagsblatt.de.

Lavendel ist die Arzneipflanze des Jahres 2020

Besonders wirksam ist Lavendel gegen Stress, Unruhe und Schlaflosigkeit. Hier helfen Kapseln mit Lavendelöl am besten. Die mildeste Wirkung wird durch einen Lavendelblüten-Tee erzielt. Der Name leitet sich vom lateinischen "lavare" ab, was reinigen oder waschen bedeutet. Auch Bäder oder Massagen mit dem ätherischen Öl seien hilfreich, erläuterte Puchtler, die auch Mitglied des Studienkreises ist.

Die medizinische Verwendung reicht sogar bis in die Antike zurück, allerdings stand damals noch der Schopflavendel (Lavandula stoechas) im Vordergrund. Der griechische Arzt Pedanios Dioskurides beschrieb im ersten Jahrhundert nach Christus die Herstellung von Lavendelessig und Lavendelwein, um damit Brustleiden zu lindern und die Verdauung anzuregen.

Neben dem Echten Lavendel war im Mittelalter noch eine andere Art, der Speik-Lavendel (Lavandula latifolia), von Bedeutung. Schon Hildegard von Bingen erkannte Mitte des 12. Jahrhunderts, dass der starke Duft gegen Läuse und Ungeziefer hilft. Bei Schmerzen in Leber und Lunge empfahl die Benediktinerin, Speik-Lavendel mit Wein zu kochen und lauwarm zu trinken.

Arzneipflanze des Jahres 2020: Lavendel wird versuchsweise auch in Deutschland angebaut

Ab dem 15. Jahrhundert wurden dann destillierte Pflanzenwässer verwendet. Paracelsus nutze Lavendelwasser zur Schmerzlinderung und bei Nervenleiden. Bei schweren Krankheiten, Seuchen oder nach unliebsamen Besuchern wurden Räume durch das Verbrennen von Lavendel desinfiziert. Ab dem 16. Jahrhundert entwickelte sich der Lavendel in England und Frankreich dann zu einer beliebten Gartenpflanze. Auch als Parfüm wurde der Lavendel genutzt.

Die aromatische riechende Pflanze, bei der nicht nur die Blütenkelche, sondern auch die Blätter und Zweige Öl enthalten, wird bis zu einem Meter hoch. Wie Minze und Salbei gehört der Lavendel zur Pflanzenfamilie der Lippenblütler und findet auch in der Küche Verwendung, etwa in Salatdressings, in Quiches oder als Lavendel-Honig-Sahneeis. Rund 50 Rezepte hat Puchtler in ihrem Buch "Lavendelschätze. Von Pflanzen, Düften und Menschen" zusammengetragen.

Nicht nur in der Provence, auch in Deutschland wird schon vereinzelt versuchsweise Lavendel angebaut, etwa in der rheinland-pfälzischen Verbandsgemeinde Konz oder den Mosel-Weinbergen in Lehmen. Wegen des Klimawandels könnte die Pflanze noch beliebter werden und auch hierzulande kommerziell angebaut werden, so Puchtler: "Deutschland könnte eine Provence der Zukunft werden".

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