Epidemien
Seuchen belasten seit Jahrtausenden die Menschheit. Dass sie seit dem 19. Jahrhundert immer besser eingedämmt werden können, ist auch das Verdienst eines Münchners: Max von Pettenkofer.
Hände werden mit Seife gewaschen

"Der Schrecken und die Not, die durch Infektionskrankheiten verursacht wurden, führten schon in der frühen Antike zu ersten schriftlichen Dokumentationen", berichtet Reinhard Güll in einer vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg veröffentlichten Publikation.

Hygiene und Impfung gegen Seuchen

Zumindest aus den Industrieländern konnten durch Fortschritte im medizinischen Bereich und eine stark verbesserte Hygiene ab dem 19. Jahrhundert die bis dahin schrecklichen Epidemien weitgehend verbannt werden, schreibt der Experte. Er führt dabei unter anderem Edward Jenner an, der 1796 in Großbritannien die erste erfolgreiche Pockenschutzimpfung durchführte, außerdem Rudolf Virchow, Robert Koch, Emil von Behring - und Max von Pettenkofer (1818-1909).

Insbesondere Pettenkofers Forschung und Thesen zu Seuchen klingen äußerst aktuell, denn er postulierte bereits, was jetzt auch Güll aus statistischer Erfahrung unterstreicht: "Das Zentrum der Bekämpfung ist Hygiene."

Trinkwasser und Kanalisation

Der aus einem armen Elternhaus stammende, aber hoch gebildete Münchner Chemiker Pettenkofer gilt als erster Hygieniker Deutschlands. Er war in München, Würzburg und Gießen tätig. Ab 1847 wirkte er an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität als Professor und gab unter anderem Vorlesungen zur "Öffentlichen Gesundheitspflege". Auch konkret engagierte er sich, unter anderem für eine "hygienische Sanierung" Münchens mit Trinkwasserversorgung und einem leistungsfähigen Abwassersystem. In Konflikt kam er mit Robert Koch, dessen Erkenntnisse zur Choleraforschung er nicht akzeptierte. Pettenkofer pochte nämlich darauf, dass nicht nur der von Koch entdeckte Choleraerreger, sondern auch schlechte Umweltbedingungen die Seuche antreiben. Die Bakterien allein reichten nicht aus, um eine Erkrankung auszulösen, war seine Auffassung.

Pettenkofer, zu dessen Lebzeiten Cholera eine prägende Seuche war, wandte sich in seinen Veröffentlichungen gegen Einschränkungen des öffentlichen Lebens, wenn eine Seuche bereits landesweit Fuß gefasst habe. Er schrieb, dass der freie Verkehr ein so großes Gut sei, dass man ihn nicht einem Seuchengeschehen unterordnen dürfe.

Pest und Cholera

Reinhard Güll stellt anhand überlieferter Daten fest, dass kaum etwas die Menschen im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte neben den einschneidenden Kriegen stärker beeinträchtigt hat als Seuchen wie Pest, Cholera, Tuberkulose oder Influenza. Seuchen forderten sogar mehr Todesopfer als Kriege und verschonten niemanden.

Seuchen schreiben Weltgeschichte

Der Statistikexperte belegt das durch die Jahrtausende: Bereits um 1550 vor Christi Geburt wurde in Ägypten auf einem Papyrustext eine mit Husten, Schmerzen und Siechtum einhergehende Krankheit beschrieben. Es war vermutlich die Tuberkulose. Der jüdische König Asarja wurde um 750 v. Chr. vom Aussatz befallen, worauf man ihn bis zu seinem Lebensende vor die Stadtmauern verbannte. Er hatte wohl die Lepra. Und 323 v. Chr. erlag Alexander der Große auf dem Höhepunkt seiner Macht mit 33 Jahren einer plötzlichen Fiebererkrankung, höchstwahrscheinlich der Malaria. Eine Pockenwelle ist vom Jahr 166 aus Rom überliefert. "Die Virusepidemie entvölkerte und destabilisierte in den folgenden zwei Jahrzehnten das Römische Reich. Sogar Kaiser Mark Aurel erlag wahrscheinlich dieser Krankheit", berichtet Güll.

Neue Gefahren: Ebola, Aids, Covid-19

Viele der "alten" Infektionskrankheiten seien mittlerweile beherrschbar. Doch immer wieder tauchen neue Erreger auf. Güll nennt das 1976 erstmals beschriebene Ebolafieber, das 1981 zunächst als Pilzbefall der Lunge beschriebene Aids, oder das 2002 in der chinesischen Provinz Guangdong aufgetretene Lungenleiden SARS (Schweres Akutes Respiratorische Syndrom). Und jetzt eben Covid-19.

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