Kirchenmusik
Erfüllende Chorproben seien im Laienbereich nur ohne Abstand möglich, sagt der evangelische Rosenheimer Dekanatskantor Johannes Eppelein. Und dank neuem Coronakonzept darf der für Laienmusik und Amateurtheater nun wegfallen - unter Achtung von 3G.
Johannes Eppelein, Dekanatskantor des evangelischen Dekanats Rosenheim

Nur im Singen ohne Abstand können sich die Einzelstimmen zu einem Klang verbinden, der größer ist als die Summe der Einzelstimmen, sagt Chorleiter Johannes Eppelein. Der evangelische Dekanatskantor aus Rosenheim in Oberbayern berichtet im Interview von einer sehr erfüllenden ersten Chorprobe mit neuen Corona-Regeln. Seit dieser Woche sind Maske und Abstand im Laienmusik und -theaterbereich nicht mehr zwingend nötig, solange alle geimpft, getestet oder genesen sind (3G-Regel).

Herr Eppelein, wie war die erste Chorprobe zurück im Probensaal und ohne Abstände?

Johannes Eppelein: Es herrschte große Euphorie! Prompt kamen wieder 45 Teilnehmer, allen war sofort klar, was uns so lange gefehlt hat: Effektive und erfüllende Chorprobenarbeit ist vor allem im Laienbereich nur ohne Abstände möglich. Nur im Singen ohne Abstand können sich die Einzelstimmen zu einem Klang verbinden, der größer ist als die Summe der Einzelstimmen.

Was halten Sie von den 3G-Regeln für einen Chor?

Eppelein: Ich denke, die 3G-Regel wird funktionieren und sich hoffentlich durchsetzen. Bei mir gab es kein Unverständnis bezüglich der neuen Modalitäten. Es war höchste Zeit, dass wir als Geimpfte, Getestete oder Genesene wieder normal proben dürfen. Und die erfüllende Erfahrung der ersten Probe macht alle Umständlichkeit wett. Außerdem würde ich sagen, wir hatten schon umständlichere Zeiten. Das Sicherheitsgefühl ist sicherlich unterschiedlich, aber ich denke, dass alle einigermaßen beruhigt sind, dass alle im Probenraum einen 3G-Nachweis haben. So lässt es sich befreit ein- und ausatmen - und vor allem singen!

Wie sahen die Proben zuletzt aus?

Eppelein: Vor Corona war unser Chor 70 bis 80 Mitglieder stark. Bei den ersten Proben nach der ersten Welle kam ein harter Kern von 25 bis 35 Menschen. Aus diesen generierten wir auch die "Singteams", die im Gottesdienst in Kleingruppen zeitweilig verbotenen Gemeindegesang ersetzten. Ab der dritten Probe kamen immer weniger Menschen, weil sich die Ernüchterung einstellte: Singen im Freien auf Abstand macht vielen keinen Spaß, weil man sich kaum hört und nicht detailliert proben kann. Es ist mehr eine Animationsveranstaltung mit Gesang als eine Chorprobe.

Auch bei den ersten Proben in der Kirche gab es zunächst eine kleine Aufbruchsstimmung. Aber dann ließ auch hier die Teilnahme wieder nach, weil das Proben sehr erschwert war, etwa durch Überakustik. Und auch Ansagen und Korrekturen kamen mitunter nicht in der letzten Reihe an.

Sind Sie jetzt nicht nur Chorleiter, sondern auch 3G-Kontrolleur?

Eppelein: In der Chorprobe lasse ich mir per Unterschrift den 3G-Status bestätigen und verzichte auf eine Kontrolle: Vertrauen gegen Vertrauen. Ab 15 Minuten vor Probenbeginn halte ich einige Schnelltests vor, Restbestände unserer Kirchengemeinde. Wenn ich meine Liste von gestern überfliege, gibt es von den 45 Personen aber keinen einzigen Freigetesteten: Alle sind geimpft oder genesen. Wie es sich bei den Mitgliedern verhält, die noch nicht wieder zur Probe kommen, kann ich nicht einschätzen. Ich vermute aber, dass noch viele zurückkommen. Auftritte sind nun ja wieder in greifbare Nähe gekommen.

Haben Sie es auch mit Impfgegnern zu tun?

Eppelein: Impfgegner oder Querdenker gibt es in meinem Chor auch, sie sind aber Einzelfälle, die wohl weiter der Probe fernbleiben werden.

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