München (epd). Ein Bündnis aus 18 Organisationen fordert von der CSU, in Brüssel mehr Verantwortung für gentechnikfreie Lebensmittelerzeugung zu übernehmen. Zudem müsse es Patentverbote auf Pflanzen und pflanzliche Produkte geben, hieß es vom Bund Naturschutz in Bayern (BN). Vertreter der Organisationen demonstrierten am Donnerstag vor der CSU-Parteizentrale in München.
Die Wahlfreiheit der Verbraucher müsse geschützt werden, sagte der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe: "Ob wir Gentechnik auf unserem Teller haben wollen, muss jeder selbst entscheiden können." Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Landesverband Bayern, Josef Schmid, sagte: "Wir wollen Europas Lebensmittelerzeugung nicht von wenigen multinationalen Gentechnik-Konzernen gestalten lassen."
EU-Gesetz zur Gentechnik "öffnet Tore weit"
Auf EU-Ebene wird an einem Gesetz gearbeitet, das laut BN "die Tore für Neue Gentechnik und Patente auf Pflanzen weit öffnen soll". Demnach soll es für die meisten Neuen-Gentechnik-Pflanzen keine Risikoprüfung, keinen Schutz vor Gentechnik-Verunreinigungen bei Saatgut- und Lebensmittelerzeugung und keine Kennzeichnungspflicht auf den Produkten mehr geben. Die vom EU-Parlament geforderten Patentverbote auf Neue-Gentechnik-Pflanzen seien bisher nicht umgesetzt worden.
"Neue Gentechnik" bezeichnet die neuen präzisen Verfahren zur Erbgutveränderung, darunter die Genschere. Mit dem Gesetz würde Europa seine Unabhängigkeit beim Saatgut aufgeben, so Geilhufe: Es würde die "gentechnikfreien konventionellen und ökologischen Märkte und Wettbewerbsvorteile zerstören, ebenso wie die Zukunft der Pflanzenzüchtung". CSU und Europäische Volkspartei (EVP) müssten sich bei der Abstimmung im EU-Parlament gegen den Gesetzesvorschlag stemmen.
Aus Bauernsicht brauche es eher "Vielfalt im Saatgut"
Aus bäuerlicher Praxissicht widersprach Schmid Behauptungen, dass Neue Gentechnik die Antwort auf die Klima- und Hungerkrisen sei. Um den Klimaherausforderungen zu begegnen, brauche es "Vielfalt im Saatgut und widerstandsfähige Anbausysteme auf unseren Äckern", sagte er. Hunger sei ein Verteilungsproblem: "Die Menschen brauchen Zugang zu regional anpassungs- und nachbaufähigem Saatgut - ohne Gentechnik und Patente."
Zum Bündnis gehören: Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Landesverband Bayern, Biokreis, Bioland Bayern, Bundesverband Deutscher Milchviehhalter Landesteam Bayern, BUND Naturschutz in Bayern, Demeter Landesverband Bayern, Greenpeace München, Interessengemeinschaft Nachbau, junge AbL Bayern, Kein Patent auf Saatgut!, Katholische Landvolkbewegung Landesverband Bayern, Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ), Naturfreunde Bayern, Naturland, Rapunzel Naturkost, Slow Food München, Tagwerk und Zivilcourage.