Fast vier Wochen war ich mit vier Freunden mit dem Zug in Europa unterwegs. Wir haben uns für ein DiscoverEU-Ticket beworben und uns natürlich unglaublich über das kostenlose Ticket gefreut. Ab diesem Moment begann die Planung unserer ersten großen Europareise. Was zunächst nach einer unkomplizierten Reise mit dem Zug klang, stellte sich bei der Vorbereitung als etwas schwieriger heraus. Rund um das DiscoverEU-Ticket gibt es einige Regeln und Besonderheiten, die jeder kennen sollte.

DiscoverEU ist ein Programm der Europäischen Union, bei dem 18-Jährige einen kostenlosen Travel-Pass erhalten, mit dem sie Europa mit dem Zug erkunden können. Man bewirbt sich online und kann, wenn man ausgewählt wird, für einen bestimmten Zeitraum durch mehrere europäische Länder reisen. Das Programm ist Teil des EU-Mobilitätsprogramms Erasmus+.

Unsere Reise war fantastisch und voller spannender Erlebnisse. Im Nachhinein hätte uns einiges an Stress erspart, wenn wir bestimmte Dinge vorher gewusst hätten. Deshalb möchte ich meine Erfahrungen teilen und zeigen, worauf man bei der Planung einer DiscoverEU-Reise besonders achten sollte.

 

1. Gemeinsam mit Freunden bewerben

Für uns war die gemeinsame Bewerbung der Schlüssel zu unserer Reise. Wenn du mit Freunden reisen möchtest, empfehle ich deshalb, euch als Gruppe zu bewerben.

Wird eine Person aus einer Gruppe ausgewählt, erhalten auch die anderen Gruppenmitglieder ein DiscoverEU-Ticket. So konnten wir schließlich alle gemeinsam reisen. Wichtig ist allerdings: Auch wenn ihr euch als Gruppe bewerbt, müsst ihr nicht zwangsläufig gemeinsam reisen.

Für uns war die Gruppenbewerbung besonders praktisch, weil wir dadurch sicherstellen konnten, dass unsere gesamte Freundesgruppe die Reise gemeinsam antreten konnte.

 

2. Die sieben Reisetage lassen sich nicht verschieben

Ein Detail, das man bei der Planung unbedingt kennen sollte: Sobald dein DiscoverEU-Pass aktiviert ist, lassen sich die sieben verfügbaren Reisetage nicht mehr verschieben oder umbuchen. Du kannst sie lediglich löschen und anschließend neu planen.

Das wäre uns beinahe zum Verhängnis geworden. Die Hinweise in der DiscoverEU-App fanden wir an dieser Stelle nicht besonders eindeutig. Deshalb würde ich empfehlen, die Reisetage erst dann festzulegen, wenn die gesamte Route fertig durchgeplant wurde.

Die Züge selbst kannst du an einem bereits festgelegten Reisetag weiterhin umbuchen. Der Reisetag als solcher bleibt jedoch bestehen.

 

3. Bei Inbound und Outbound genau hinschauen

Auch bei den sogenannten Inbound- und Outbound-Reisen lohnt es sich, genau hinzusehen. Insgesamt stehen dir nur sieben Reisetage zur Verfügung. Die Fahrt zur Einreise beziehungsweise zur Ausreise aus deinem Heimatland ist kein zusätzlicher Reisetag.

Das bedeutet: Auch wenn eine Reise über die Grenze länger dauert, wird sie nicht automatisch zu einem zusätzlichen Reisetag. Gerade bei der Planung der ersten und letzten Strecke solltest du deshalb darauf achten, wie die Inbound- und Outbound-Regelung funktioniert.

 

4. Alternative Verkehrsmittel einplanen

Da wir unsere sieben Reisetage bereits festgelegt hatten, wollten wir trotzdem möglichst viele Orte sehen. Deshalb haben wir für kürzere Strecken teilweise andere öffentliche Verkehrsmittel genutzt und einzelne Verbindungen zusätzlich gebucht.

Gerade bei kurzen Strecken ist es sinnvoll, einen Regionalzug, Reisebus oder ein anderes öffentliches Verkehrsmittel zu nutzen, anstatt dafür einen DiscoverEU-Reisetag einzusetzen. So konnten wir deutlich mehr Orte in unsere Route aufnehmen, als es ausschließlich mit unseren sieben Reisetagen möglich gewesen wäre. 

Bei der Planung sollte man deshalb nicht versuchen, jede einzelne Strecke mit dem DiscoverEU-Pass zurückzulegen. Manchmal ist eine zusätzliche, günstige Fahrt die bessere Lösung, um einen weiteren Ort besuchen zu können.

 

5. Sitzplatzreservierungen nicht vergessen

Ein weiterer Punkt, den wir bei der Planung zunächst unterschätzt haben, sind Sitzplatzreservierungen. Für bestimmte Züge benötigst du zusätzlich zu deinem DiscoverEU-Pass eine Reservierung. Das betrifft insbesondere einige Verbindungen in Ländern wie Italien und Frankreich sowie viele Hochgeschwindigkeitszüge in Europa.

Je nach Pass und Bedingungen stehen dir bestimmte kostenlose Sitzplatzreservierungen zur Verfügung. Werden darüber hinaus weitere Reservierungen benötigt, musst du diese selbst bezahlen.

Wir haben unterwegs erlebt, dass Reisende ohne erforderliche Reservierung nicht mitfahren durften. In manchen Fällen kann eine Reservierung zwar noch nachträglich geklärt werden, darauf würde ich mich jedoch nicht verlassen.

Eine Reservierung kann sich außerdem unabhängig von einer Verpflichtung lohnen. Gerade auf stark frequentierten Strecken waren die Züge während unserer Reise häufig sehr voll. Ein reservierter Sitzplatz sorgt daher nicht nur für die Einhaltung der jeweiligen Beförderungsbedingungen, sondern auch für eine entspanntere Reise.

 

6. Keine Panik bei einer vorübergehenden Deaktivierung

Während unserer Reise bekamen wir auf einer Berghütte in Slowenien plötzlich die beunruhigende Nachricht in der DiscoverEU-App: Wir sollten uns innerhalb von 24 Stunden in der App anmelden und unseren DiscoverEU-Pass öffnen, andernfalls würde er deaktiviert werden. Das war natürlich ziemlich ungünstig, denn mitten in den Bergen hatten wir keinen Empfang.

Was uns zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst war: Eine solche Deaktivierung bedeutet nicht, dass der Pass dauerhaft verloren ist. Sobald du wieder eine Internetverbindung hast und dich in der App anmeldest, kann der Pass wieder aktiviert werden.

Trotzdem würde ich empfehlen, solche Hinweise ernst zu nehmen und regelmäßig sicherzustellen, dass dein DiscoverEU-Pass in der App verfügbar ist. Gerade unterwegs sollte man außerdem darauf achten, dass das Smartphone ausreichend geladen ist.

 

7. Reiseziele bewusst auswählen

Bei der Planung unserer Route haben wir versucht, möglichst unterschiedliche Reiseziele miteinander zu verbinden. Im Nachhinein war das eine der besten Entscheidungen unserer Reise. Wenn man über mehrere Wochen unterwegs ist und ständig von einer Großstadt in die nächste reist, können sich die Eindrücke irgendwann ähneln. Der Wechsel zwischen Großstadt, Küste, Natur und Bergen hat unsere Reise dagegen abwechslungsreicher gemacht.

Unsere Route führte zunächst durch Italien mit Stationen in Turin, Mailand und Verona. Anschließend ging es in die Berge Sloweniens rund um den Triglav-Nationalpark und weiter nach Bled, wo wir einige ruhigere Tage am See verbrachten. Danach reisten wir nach Budapest und Wien, bevor wir Tschechien erkundeten. Dort besuchten wir unter anderem das mittelalterliche Český Krumlov, bevor unsere Reise schließlich in Prag endete.

Besonders in Erinnerung geblieben sind mir dabei nicht unbedingt die bekanntesten Sehenswürdigkeiten. Vielmehr waren es die kleineren und weniger bekannten Orte, die wir teilweise eher zufällig in unsere Route aufgenommen hatten. Dort kamen wir mit Menschen in Kontakt, die wir sonst wahrscheinlich nie kennengelernt hätten und zu denen teilweise bis heute Freundschaften bestehen.

Deshalb würde ich bei der Planung nicht nur die großen europäischen Hauptstädte berücksichtigen. Gerade die Abwechslung zwischen bekannten Sehenswürdigkeiten und weniger touristischen Orten kann eine DiscoverEU-Reise besonders machen.

 

8. Die richtigen Essentials einpacken

Zum Schluss gibt es noch einige Dinge, deren Bedeutung wir erst während der Reise erkannt haben.

Wir übernachteten häufig in Hotels oder Apartments, deren Küchen nicht vollständig ausgestattet waren. Deshalb ist es sinnvoll, eigenes Besteck und ein kleines Taschenmesser mitzunehmen. Auch eine Dose ist hilfreich, um Essen für längere Ausflüge mitzunehmen.

Bei der Kleidung solltest du dich außerdem nicht ausschließlich am Wetter am Reiseziel orientieren. Selbst wenn du im Sommer unterwegs bist, können die Temperaturen in Zügen deutlich niedriger sein. Eine leichte Jacke oder zusätzliche Kleidung für kühlere Tage sollte auf alle Fälle im Gepäck sein.

Bequeme Schuhe sind bei einer Europareise ebenfalls unverzichtbar. Wir waren täglich viele Kilometer zu Fuß unterwegs, und spätestens nach mehreren Tagen macht sich gutes Schuhwerk bemerkbar. Auch eine Regenjacke und einige Blasenpflaster gehören für mich inzwischen zur Grundausstattung.

Eine Powerbank würde ich ebenfalls empfehlen. Während unserer Reise mussten wir häufiger länger an Bahnhöfen warten als ursprünglich geplant. Gleichzeitig sollte der DiscoverEU-Pass jederzeit über das Smartphone abrufbar sein. Ein leerer Akku kann deshalb schnell zu einem unnötigen Problem werden.