"Ich träume von einem Berlin für Alle" – mit diesem Spruch kandidierte die Wahlberliner Elif Eralp für Die Linke. Jetzt will die 45-Jährige Berlins Bürgermeisterin werden. Mit ihrem bisher besten Ergebnis hat die Linke die Berliner Abgeordnetenwahl gewonnen. Die Partei um die Spitzenkandidatin Eralp erreichte nach Angaben der Wahlleitung 25,7 Prozent der Stimmen. Die CDU kam nur auf 18,8 Prozent, die AfD hatte 16,3 Prozent, danach folgten Grüne (14,3 Prozent) und SPD (12,1 Prozent). Möglich ist nun eine Dreierkoalition aus Linken, Grünen und SPD. Die Linke kündigte an, auf einem Parteitag am Freitag über die Aufnahme von Sondierungsgesprächen zu entscheiden.
Doch wer ist Elif Eralp eigentlich?
Elif Eralp stammt aus München, wo sie 1981 zur Welt kam. Ihre Eltern – der Vater ist Arzt, die Mutter Krankenschwester - waren in der Türkei politisch aktiv und verließen nach dem Militärputsch 1980 das Land. Die Familie zog nach Dortmund und später nach Hamburg, wo Eralp zur Schule ging, anschließend Jura studierte und am Amtsgericht ihr Referendariat absolvierte.
2017 trat Eralp in die Partei "die Linke" ein, gründete eine Arbeitsgemeinschaft "Migrantische Linke/Links Kanax", mit der sie Themen von Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte hörbar machen wollte. Bald zog sie ins Berliner Abgeordnetenhaus ein. Zuvor hatte sie als Referentin für Rechtspolitik in der Linken-Bundestagsfraktion gearbeitet. Als Parlamentsneuling wurde Eralp 2021 an den damaligen Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen beteiligt. Sie setzte sich dort für eine Bundesratsinitiative für ein Wahlrecht für Ausländer ein.
Seit Mai 2025 ist Eralp stellvertretende Vorsitzende der Berliner Linken. Im Oktober wurde sie zur Spitzenkandidatin ihrer Partei bei der Berlin-Wahl 2026 nominiert. Sie ließ sich von Morris Katz coachen, der an der Kampagne von Zohran Mamdani in New York mitgewirkt hatte.
In ihren Publikationen fordert sie ein Recht auf Migration, einen konsequenten Kampf gegen Terrorismus oder eine Bekämpfung des "strukturellen Rassismus" bei der Berliner Polizei.
Kirche und Religion sind kein Thema
Kirche und Religion spielen zumindest offiziell für die Politikerin keine Rolle, auf ihrer Webseite ist davon nichts zu sehen. Eralp ist verheiratet und hat zwei Kinder. In den sozialen Medien berichtet sie gelegentlich, dass sie eine Wohnung sucht. Auch zeigt sie sich beim Besuch einer Einrichtung der Caritas. Doch ganz offensichtlich liegt ihr Fokus auf Themen rund um gesellschaftliche Inklusion, Solidarität und der Sichtbarkeit religiöser und kultureller Vielfalt, ohne dass sie selbst ihre eigene Religion öffentlich gemacht hat.
Wahlprogramm "Die Linke" zu Religion und Kirche
Im Regierungsprogramm der Partei ist ein Kapitel dem Thema "Antidiskriminierung, Religions- und Weltanschauungsfreiheit" gewidmet. Dort heißt es, dass die Religions- und Weltanschauungsfreiheit verteidigt werden soll: "Der Schutz und die Sichtbarkeit jüdischen, muslimischen, alevitischen und christlichen Lebens sind für uns zentral wie auch die Freiheit der Weltanschauungen." Niemand dürfe in Berlin wegen der persönlichen Herkunft, Religion oder Haltung bedroht oder diffamiert werden – "egal ob jemand ein Kreuz trägt, eine Kippa, Hebräisch spricht, arabische*r Berliner*in ist oder Atheist*in."
Die Linken wehren sich gegen eine "Privilegierung christlicher Kirchen", diese sei "nicht zu legitimieren". So müssten islamische Gemeinschaften ebenso wie Humanitsische Einrichtungen einen gleichberechtigten Platz einnehmen. Zudem brauche es religiös neutrale Seelsorger*innen in Krankenhäusern und Gefängnissen. Auch möchte die Partei einen Lehrstuhl zur Ausbildung von Lehrkräften für den alevitischen Religionsunterricht und alevitischen Geistlichen einrichten.
Verändern möchte die Partei auch die Institutionen. Insbesondere soll der öffentliche Dienst besser aufgestellt werden und die Mitarbeitenden etwa zum Thema Diversity besser geschult werden. Weiterhin sollen Dunkelfeldstudien zu Rassismus und Antisemitismus durchgeführt werden und Monitoringstellen finanziell abgesichert werden. Anhand eines "Demokratiefördergesetzes" soll die strukturelle und langfristige Förderung von NGOs und Migrant*innenorganisationen sowie Einrichtungen für Demokratie und Teilhabe gefördert werden.
Stark macht sich die Partei im Wahlprogramm auch für die Bekämpfung von Antisemitismus. Es soll ein Länderprogramm zur Stärkung und Teilhabe von Rom*nja und Sinti*zze eingerichtet werden. Auch sollen "antimuslimische", "antipalästinensische" oder "Anti-Schwarze Rassismus"-Projekte gefördert werden.
Antisemitismus-Vorwürfe
Doch insbesondere das Thema Antisemitismus sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Im August 2026 trat der Rapper Dahabflex bei einer Wahlkampfveranstaltung der Neuköllner Linken und skandierte "Death to the IDF" (Tod der israelischen Armee) und "Stop the Genocide". Eralp distanzierte sich deutlich von diesem Auftritt:
Aufrufe zur Gewalt und zur Tötung von Menschen seien "absolut inakzeptabel", erklärte sie, und: "Ich stehe klar für den Schutz von jüdischen Leben und gegen jede Form von Antisemitismus."
Auf einer Wahlparty der Linken in Berlin-Neukölln tauchte Issa Remmo auf, der als Oberhaupt des "Remmo-Clans" gilt. Die Linke in Berlin-Neukölln erklärte daraufhin, dass es weder politische noch persönliche Beziehungen zu Remmo gebe. "Es handelte sich um eine öffentliche Veranstaltung, zu der auch ungeladene Personen Zutritt hatten", teilte Jorinde Schulz aus dem Bezirksvorstand der Neuköllner Linken mit. "Uns war die Person und ihre Anwesenheit im Speziellen nicht bekannt, sie steht nicht auf unserer Anmeldeliste. Es gibt weder politische noch persönliche Beziehungen zu dieser Person." Der Besuch der Wahlparty habe daran "selbstverständlich nichts geändert".
Wahlparty der Linken in Berlin
Auf der Wahlparty der Linken in Berlin-Treptow am Sonntagabend verkündete Elif Eralp jedenfalls, bei ihren Wahlzielen bleiben zu wollen. Die Mietenkrise ist für Eralp die "größte soziale Frage" der Stadt, es müssten Mieten reguliert werden und mehr Sozialwohnungen gebaut werden. Zudem hält sie fest an den Plänen zur Vergesellschaftung, also der Enteignung von Wohnungsunternehmen. Auch die Preise bei Bus und Bahn sollen günstiger werden.
In den vergangenen zweieinhalb Jahren ist die Berliner Linke von etwa 7000 nach eigenen Angaben auf rund 19.000 Mitglieder angewachsen. Nun wird Eralp zeigen müssen, ob sie während möglicher Koalitionsverhandlungen mit der Grünen und der SPD ihre Leute auch von schwierigen Kompromissen überzeugen kann.
Quellen: Wikipedia, epd, dpa, Welt, Webseite Elif Eralp, Webseite Die Linke, Berliner Morgenpost, DW.