München (epd). "Extrem durchschaut" ist der Titel einer am Donnerstag in München vorgestellten Kampagne gegen Rechtsextremismus des bayerischen Innenministeriums. Zwei Kurzfilme, ein Experteninterview und Infomaterial stünden ab sofort Bildungs- und Freizeiteinrichtungen unter www.extrem-durchschaut.bayern.de zur Verfügung, heißt es in einer Mittelung des Staatsministeriums. "Extremisten arbeiten mit klaren Feindbildern, provozieren, emotionalisieren und versprechen Zugehörigkeit", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Gerade junge Menschen müssten daher früh von der Präventionsarbeit erreicht werden.

Die Filme zeigten auf Grundlage wahrer Begebenheiten verschiedene Geschichten zunehmender Radikalisierung und schließlich den Ausstieg aus der rechtsextremistischen Szene. Dieser Weg sei schwierig, aber möglich, so Herrmann. Kostenfreie Unterstützung bekämen Betroffene und ihr Umfeld dabei etwa von der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE), ganz gleich, um welchen politischen Extremismus es sich handele. Auch die vom Sozialministerium geförderte Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus (LKS) und die Beratungsstelle B.U.D. (Beratung. Unterstützung. Dokumentation.) seien Ansprechpartner für Betroffene rechter Gewalt.

Herrmann warnt vor schneller Radikalisierung über Soziale Medien

Soziale Medien und Gamingplattformen spielen laut Herrmann eine große Rolle bei der Radikalisierung junger Menschen. Vermeintlich harmlose Memes, Musik oder Videos würden von Extremisten genutzt, um Jugendliche in abgeschottete Chaträume zu locken und sie dort mit radikalem Gedankengut in Kontakt zu bringen. Besonders Menschen mit Selbstzweifeln, Sehnsucht nach Anerkennung oder nach Gemeinschaft seien gefährdet. Die Kampagne "Extrem Durchschaut" werde daher auch auf diversen Social-Media-Kanälen ausgespielt. Neben Rechtsextremismus soll sie auch Antisemitismus, Linksextremismus und Islamismus thematisieren.

In Bayern werden nach Angaben des Familien- und Sozialministeriums rund 2.700 Personen dem rechtsextremistischen Spektrum zugerechnet. "Radikalisierung passiert oft schleichend", sagte Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU). Umso wichtiger sei es, früh hinzusehen, aufzuklären und Menschen dabei zu unterstützen, sich von menschenverachtenden Einstellungen und rechtsextremistischen Einflüssen zu distanzieren.