München (epd). Die Corona-Pandemie hat bei den Menschen für einen Kontrollverlust gesorgt, der nach Überzeugung des Intendanten des Deutschen Theaters Berlin, Ulrich Khuon, bis heute Auswirkungen hat. Frustration, Reizbarkeit und Hass seien ein schwer trennbares Bündnis eingegangen, sagte Khuon, der auch Präsident des Deutschen Bühnenvereins ist, am Sonntag in seiner Kanzelrede in der Münchner evangelischen Erlöserkirche. Veranstalter ist die Evangelische Akademie Tutzing.

"Die stillschweigende Voraussetzung, die das Leben von vielen prägt, man könne die Dinge des Lebens beeinflussen oder gar steuern, zerbrach von einem Tag auf den anderen", sagte Khuon laut Redemanuskript weiter. Die vergangenen 18 Monate der Pandemie hätten auch den Blick auf den Mitmenschen sehr verändert. "Viele von uns spürten auf einmal, wir haben von der Welt, vom Großen und Ganzen, aber auch von den Menschen, die wir zu kennen glauben und schließlich von uns selbst - keine Ahnung."

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie hätten die Vereinsamung und Vereinzelung vieler nochmals verschärft. Die Menschen seien überfordert gewesen durch zu viel Alleinsein oder durch die zwanghafte Dauervergemeinschaftlichung in Familien, durch Homeschooling und Homeoffice, sagte Khuon weiter.

Dazu komme, dass das Vertrauen in Politik und öffentliche Institutionen zunehmend schwinde. "40 Prozent der deutschen Bürgermeister haben laut einer Umfrage in 1.000 Rathäusern durch die Zeitschrift 'Kommunal' bereits mit Stalking, Beschimpfungen und Drohungen zu tun gehabt." Hier verbinde sich die Gereiztheit infolge der Corona-Pandemie mit einem Misstrauen, das fast allen Verantwortungsträgerinnen und -trägern gelte, sagte Khuon.

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