Historienfilme stehen vor einer schwierigen Aufgabe: Sie sollen eine vergangene Epoche lebendig werden lassen, ohne historische Fakten aus dem Blick zu verlieren. Gleichzeitig müssen sie eine dramatische und emotional zugängliche Geschichte erzählen. Der britische Regisseur Paul Greengrass versucht in seinem neuen Kinofilm "The Uprising – Für die Freiheit", beides miteinander zu verbinden.
Es geht um den englischen Bauernaufstand im Jahre 1381. Eine schwere Wirtschaftskrise und die Pest haben das Land gespalten, es gibt extreme soziale Ungleichheit. Der Bauer Ploughman, gespielt von Andrew Garfield, gerät ins Zentrum einer Rebellion, die sich gegen die erdrückenden Steuerlast und die Gleichgültigkeit der Obrigkeit wendet.
Als Ploughman von einem Verwalter gedemütigt wird und mitansehen muss, wie Soldaten jungen Mädchen unter die Kleider greifen, um deren Jungfräulichkeit zu überprüfen und damit festzustellen, ob sie von der Kopfsteuer befreit werden können, eskaliert die Situation. Ploughman schlägt einen der Peiniger zu Tode.
Rebellion gegen den König
Damit gerät er ins Visier der Rebellen und wird zum Wegbereiter des Widerstands der Bauern gegen die königliche Armee. An der Seite des Rebellenführers Wat Tyler (Cosmo Jarvis) zieht er mit dem Volk in Richtung London, mit dem Ziel, dem 14-jährigen König persönlich die eigene Not vorzutragen.
Die Berater des Königs sorgen zwar dafür, dass die Rebellen den König auf einem Boot auf der Themse bewundern können. Doch die Bulle mit den Forderungen der Rebellen will der junge Machthaber nicht sehen.
Als die Rebellen merken, dass sie nicht ernst genommen werden, beschließen sie, London zu entern. Nun willigt der König ein. Über Nacht werden hunderte Bullen verfasst, die den Rebellen die Freiheit geben sollen. Doch das Volk hat längst jegliches Maß verloren. In London kommt es zu Plünderungen und Morden.
Am nächsten Tag sollen die Rebellen die Bullen vor den Toren der Stadte ausgehändigt bekommen. Doch der König hat geblufft...
Zu wenig Geschichte, zu viele Schlachten
Regisseur Greengrass, der bekannt ist für seine realistischen Filme wie "Bloody Sunday" oder "Flug 93", inszeniert die Geschichte um den Aufstand als bildgewaltiges Historienepos.
Insbesondere das bayerische Publikum dürfte sich an vielen Szenen erfreuen, denn es wurde unter anderem im Freiluftmuseum in Bad Windsheim, in der Nürnberger Sebalduskirche, in Lichtenau und im Brückkanal Feucht gedreht. Viele Szenen wurden in den Penzing Studios gedreht, insgesamt wurden dabei rund 5.000 Komparsen eingesetzt, als Marktfrauen und Soldaten, Bettler oder Hofvolk.
Wie bei einem solchen Film zu erwarten, gibt es unendlich viele Szenen mit Schlachten und Kämpfen. Leider wirken die Hauptfiguren oft etwas farblos: Andrew Garfield (der Spider-Man-Schauspieler), der den Bauern spielt, mag eine hochkarätige Besetzung sein, doch ist wenig zu spüren von seiner inneren Wandlung. Wenn er nicht gerade kämpft, steht er oft seltsam herum und schaut sich die Rebellen an. Er reagiert eher als Echo auf das, was um ihn herum geschieht, als dass er selbst etwas tut oder spricht.
Schade ist außerdem, dass sich der Film vergleichsweise wenig für die historischen Hintergründe des Bauernaufstands interessiert. Mehr historische Einordnung und dafür etwas weniger Schlachten hätten "The Uprising" gutgetan.
Freiheit, Ordnung und Gewalt
Interessanter wird der Film dort, wo er sich von der reinen Historienerzählung löst. Welche Geschichte über Freiheit will "The Uprising" eigentlich erzählen? Geht es um die Ursprünge europäischer Freiheit, um demokratische Teilhabe oder um ein zeitloses Narrativ darüber, wie schwer es ist, gegen Unterdrückung Widerstand zu leisten?
Der Film lässt diese Fragen bewusst offen. Stattdessen arbeitet Greengrass mit universellen Bildern von Freiheit und Gerechtigkeit, aber auch von Gewalt und Unterdrückung. Die historische Epoche wird dadurch zu einer Projektionsfläche für heutige Vorstellungen von Freiheit und Gerechtigkeit.
In einer Schlüsselszene spricht der Bauer Plougman mit der Königin über die Kraft des Wortes. Die Königin vertritt die Überzeugung, dass ohne Gesetze und Urkunden, sprich Strukturen, in einer Gesellschaft nur Chaos herrsche. Der Bauer nimmt sie beim Wort.
Doch er wird im Laufe der Zeit erfahren, dass das Wort in diesem Fall nicht zählt. Und seine Hoffnung auf Gerechtigkeit löst sich auf in Gewalt, Plünderung und Blutvergießen. Freiheit, Unordnung, Gerechtigkeit und zerstörerische Kraft sind unmittelbar miteinander verbunden. Eine Lösung gibt es nicht.
Ursprünglich sollte der Film "The Rage" heißen – die Wut. Offenbar hat Greengrass seine Perspektive während der Produktion verändert. Aus der Geschichte eines Aufstands wurde zunehmend die Geschichte eines einzelnen Bauern, der ein wenig nach Robin-Hood-Art an das Gute im Menschen glaubt und schließlich enttäuscht wird.
Das macht "The Uprising" zugänglicher, nimmt dem Film aber auch etwas von seiner Radikalität. Mutiger wäre es gewesen, die Wut selbst ins Zentrum zu stellen – und die widersprüchlichen Kräfte eines Aufstands nicht über die Geschichte eines einzelnen Helden aufzulösen.
Diese Drehorte von "The Uprising" befinden sich in Bayern
An diesen Orten in Bayern wurde "The Uprising - Für die Freiheit" gedreht:
- Sebalduskirche Nürnberg
- Egidienkirche Nürnberg
- Rathausplatz und Fünferplatz, Winklerstraße und Pellerhaus in Nürnberg
- Fränkisches Freilandmuseum in Bad Windsheim
- Festung in Lichtenau
- Brückkanal in Feucht