Berlin, München (epd). 15 Jahre nach der Enttarnung der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) fordert Barbara John, die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Opfer und Hinterbliebenen, eine finanzielle Entschädigung für die Betroffenen. John begründet dies im "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Mittwoch) mit der jahrelangen falschen Verdächtigung der Angehörigen und dem Versagen staatlicher Ermittlungsbehörden. Es gebe keine von Terror betroffene Gruppe, die vom Staat so behandelt worden sei, sagte John.
John schlägt vor, dass der Bund oder die Länder Sachsen und Bayern eine Entschädigung leisten können. In Sachsen waren die NSU-Terroristen länger untergetaucht, in Bayern haben sie fünf Menschen ermordet, drei in Nürnberg und zwei in München. Bislang habe lediglich Thüringen 1,5 Millionen Euro für die Opfer bereitgestellt. Aus dem Bundesland stammte die Gruppe um die verurteilte NSU-Terroristin Beate Zschäpe. Zu einer Höhe der Entschädigung äußerte sich John nicht. Betroffen seien rund 45 Hinterbliebene sowie etwa 40 Sprengstoffopfer.
Jahrelange Ermittlungen in den Opferfamilien
Die Mordserie des NSU begann am 9. September 2000 mit dem Mord an dem Nürnberger Blumenhändler Enver Simsek. Bis 2007 tötete das NSU-Kerntrio insgesamt zehn Menschen. Neun der Opfer hatten einen Migrationshintergrund. Jahrelang lebten die Mitglieder der Terrorzelle bis 2011 in Chemnitz und Zwickau weitgehend unbehelligt. Erst nach dem Auffliegen erkannten Ermittler die rassistischen und rechtsextremistischen Motive - zuvor konzentrierten sie ihre Ermittlungen auf die Opferfamilien.