Wer am 8. März in den sozialen Medien unterwegs ist, kennt sie vermutlich: die Kommentare, die daran erinnern, dass es schließlich auch einen Weltmännertag gebe. Warum also einen ganzen Tag den Frauen widmen? Wo bleibe die Gleichberechtigung? Und überhaupt: Was ist eigentlich mit den Männern? 

Eine durchaus berechtigte Frage. Denn den Weltmännertag gibt es tatsächlich. Er ist heute, am 3. November. Und wer sich bisher noch nicht damit beschäftigt hat, bekommt hier eine kleine Nachhilfestunde in Sachen Männeraktionstage. 

Weltmännertag: Seit 2000 geht es um Männergesundheit 

Der Weltmännertag wurde im Jahr 2000 von Andrologen der Universität Wien ins Leben gerufen. Unterstützt wurde die Initiative vom ehemaligen sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow, der die Schirmherrschaft übernahm. Im Mittelpunkt stand von Anfang an die Gesundheit von Männern. Der Aktionstag soll auf gesundheitliche Risiken aufmerksam machen und Männer dazu ermutigen, Vorsorgeangebote wahrzunehmen. 

Denn Männer leben im Durchschnitt kürzer als Frauen, gehen seltener zur Vorsorge und nehmen gesundheitliche Beschwerden häufig weniger ernst. Auch gesellschaftliche Rollenbilder spielen dabei eine Rolle: Wer gelernt hat, stark zu sein und keine Schwäche zu zeigen, sucht möglicherweise später Hilfe – bei körperlichen Beschwerden ebenso wie bei psychischen Belastungen. 

Neben Prostatavorsorge geht es deshalb auch um Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychische Gesundheit, Stress und einen gesünderen Umgang mit sich selbst. 

Und weil es offenbar nicht kompliziert genug sein darf: Neben dem Weltmännertag am 3. November gibt es auch noch den Internationalen Männertag am 19. November. Dieser wurde 1999 vom Geschichtsdozenten Jerome Teelucksingh in Trinidad und Tobago ins Leben gerufen. Neben der Gesundheit von Männern und Jungen stehen positive männliche Vorbilder, Geschlechterbeziehungen, Gleichberechtigung und die gesellschaftliche Rolle von Männern im Mittelpunkt. 

Was passiert am Weltmännertag 2026? 

Der 3. November ist vor allem ein Anlass für Aufklärung, Gesundheitsangebote und Beratung. Auch in Deutschland gibt es dieses Jahr verschiedene Aktionen: Die Universität Hamburg bietet zwei Webinare zu Männergesundheit und Rollenbildern an. Das Klinikum Lippe veranstaltet einen Vortrag unter dem Titel "Stark bleiben: Männergesundheit im Fokus". Das Jobcenter Magdeburg organisiert gemeinsam mit der Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt Gesundheitschecks, Beratungen und Mitmachaktionen. 

Auch der gesamte November steht mit der internationalen Movember-Bewegung im Zeichen der Männergesundheit. Der Name setzt sich aus "Moustache" (Schnurrbart) und November zusammen. Männer lassen sich Schnurrbärte wachsen, um auf Prostatakrebs, Hodenkrebs, psychische Gesundheit und Suizidprävention aufmerksam zu machen. Inzwischen ist daraus eine internationale Spendenbewegung geworden. 

Es passiert also durchaus etwas. Nur bleibt der große gesellschaftliche Aufschlag mit zahlreichen Demonstrationen, Kampagnen und Veranstaltungen, wie man ihn vom Weltfrauentag kennt, am 3. November vielerorts aus. 

Weltmännertag: Das Interesse kommt offenbar am Weltfrauentag 

Besonders interessant wird es, wenn man sich anschaut, wann Menschen überhaupt nach dem Weltmännertag suchen. Ein Blick auf Google Trends legt eine bemerkenswerte Beobachtung nahe: Das Suchinteresse erreicht offenbar nicht unbedingt am 3. November seinen Höhepunkt. Auffällig wird es vielmehr rund um den 8. März, wenn der Weltfrauentag gefeiert wird. 

Interessieren sich manche Menschen für den Weltmännertag also vor allem dann, wenn Frauen ihren eigenen Aktionstag haben? Geht es wirklich darum, Männergesundheit und männliche Lebensrealitäten sichtbarer zu machen? Oder eher darum, am Weltfrauentag darauf hinzuweisen, dass Frauen nicht die Einzigen sein sollten, die Aufmerksamkeit bekommen? 

Eine weitere Google-Beobachtung passt erstaunlich gut dazu. In einem diese Woche viral verbreiteten Video zeigt eine Frau, was passiert, wenn sie bei Google einfach das Wort "Frau" eingibt und sich die vorgeschlagenen weiteren Fragen anschaut. Ganz oben erscheinen unter anderem: "Wie viele Zentimeter passen in eine Frau?", "Wie merkt man, dass eine Frau scharf ist?" oder "Wie nennt man die Flüssigkeit, wenn eine Frau feucht wird?". 

Wer anschließend "Mann" eingibt, bekommt ein ziemlich anderes Bild präsentiert. Dort drehen sich die Vorschläge unter anderem um die Rechtschreibung: Wann schreibt man "man" und wann "Mann"? Was bedeutet "man"? Wie viele Kinder hatte Thomas Mann? 

Natürlich ist der Vergleich nicht ganz fair. Das Wort "Mann" hat im Deutschen mehrere Bedeutungen und taucht auch in Namen und anderen Zusammenhängen auf. Außerdem verändern sich Googles Vorschläge je nach Suchverhalten und Kontext. Eine einzelne Aufnahme ist keine repräsentative Untersuchung. Trotzdem ist der Kontrast bemerkenswert: Während bei der Suche nach "Frau" auffällig viele sexualisierte Fragen auftauchen, geht es bei "Mann" zunächst um Sprache und Literatur. Auch bei unserem eigenen Google-Versuch zeigte sich dasselbe Ergebnis. 

Das ist zumindest ein Denkanstoß: Frauen werden offenbar noch immer häufig über ihre Sexualität und ihren Körper betrachtet. Vielleicht wäre auch das ein guter Anlass, am Weltmännertag darüber nachzudenken, wie Männer Frauen wahrnehmen – und welche Rolle sie selbst dabei spielen, solche Bilder zu verändern. 

Weltfrauentag: Ein Aktionstag ist kein Angriff auf Männer 

Der Internationale Frauentag hat eine mehr als hundertjährige Geschichte. 1910 forderte die Sozialistin Clara Zetkin auf einer internationalen Frauenkonferenz in Kopenhagen einen internationalen Frauentag. 1911 gingen Frauen in mehreren europäischen Ländern erstmals auf die Straße. Ihre zentralen Forderungen: das Frauenwahlrecht und politische Teilhabe. 1921 wurde der 8. März als Datum festgelegt. 

Heute geht es weiterhin um strukturelle Benachteiligung: ungleiche Bezahlung, die Verteilung von Sorgearbeit, fehlende Repräsentation, Gewalt gegen Frauen und gesundheitliche Ungleichheiten. Auch der Gender Health Gap, also die unzureichende Berücksichtigung weiblicher Bedürfnisse in der Medizin, ist weiterhin ein Problem. 

Das bedeutet nicht, dass die Anliegen von Männern unwichtig wären. Im Gegenteil. Auch sie haben mit erheblichen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Problemen zu kämpfen. Nur muss man dafür nicht den Weltfrauentag infrage stellen. 

Männer haben Probleme. Und manche davon werden von Männern verursacht. 

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, welche Themen mehr Aufmerksamkeit verdienen würden: In Deutschland starben 2025 insgesamt 11.334 Menschen durch Suizid. 7.846 davon waren Männer – rund 69 Prozent. Das ist ein erschreckender Anteil und ein wichtiges Argument dafür, psychische Gesundheit, Einsamkeit und Suizidprävention stärker in den Blick zu nehmen. 

Auch männliche Opfer von Gewalt, Missbrauch und Diskriminierung verdienen Aufmerksamkeit. Gleichzeitig sind Männer überproportional häufig Täter von Gewalt. Wer sich ernsthaft für die Sicherheit von Männern interessiert, könnte deshalb auch darüber sprechen, wie Männer andere Männer vor Gewalt schützen, gewaltvolle Männlichkeitsbilder hinterfragen und Jungen einen gewaltfreien Umgang mit Konflikten vermitteln können. 

Liebe Männer, organisiert euch doch mal! 

Wenn am Weltmännertag weniger los ist als am Weltfrauentag, liegt das nicht automatisch daran, dass Frauen bevorzugt werden oder Männer keine Aufmerksamkeit bekommen dürfen. Vielleicht liegt es auch daran, dass Frauen sich über Jahrzehnte hinweg organisiert haben: Sie haben Demonstrationen angemeldet, Veranstaltungen auf die Beine gestellt, Bündnisse geschlossen und politische Veränderungen eingefordert. Der Weltfrauentag ist nicht einfach vom Himmel gefallen. 

Wie wichtig Netzwerke sind, hat ausgerechnet Friedrich Merz im Juli 2025 deutlich gemacht. Bei einer Veranstaltung der Initiative Chef erklärte er: "Wir Männer haben eine bessere Begabung und Befähigung, Netzwerke zu bilden und uns gegenseitig auch zu unterstützen." Frauen müssten solche Netzwerke ebenfalls aufbauen und sich bei Stellenbesetzungen gegenseitig unterstützen. 

Eine bemerkenswerte Aussage. Denn sie wirft die Frage auf: Wenn Männer so gut darin sind, sich gegenseitig zu fördern und beruflich nach oben zu bringen, wie fair und leistungsorientiert sind dann eigentlich die Strukturen, in denen Führungspositionen vergeben werden? Und warum wird Frauen immer wieder erklärt, sie müssten sich besser vernetzen, obwohl sie längst Netzwerke gründen, andere Frauen fördern und sich organisieren? 

Gerade der Weltfrauentag zeigt jedes Jahr, wie viele Frauen Veranstaltungen, Demonstrationen und Kampagnen auf die Beine stellen. Offenbar ist das mit dem Organisationstalent doch nicht so schwierig. 

Vielleicht braucht es also weniger Ratschläge an Frauen, wie sie sich besser vernetzen sollen, und mehr Männer, die ihre eigenen Netzwerke öffnen. Und genau das könnten Männer auch am Weltmännertag angehen. 

Wer findet, dass Männergesundheit zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, könnte heute eine Veranstaltung organisieren. Wer sich um die psychische Gesundheit von Männern sorgt, könnte Beratungsangebote unterstützen. Wer männliche Gewaltopfer stärker sichtbar machen will, könnte entsprechende Initiativen stärken. 

Es gibt genügend Themen und Möglichkeiten, aktiv zu werden. Was allerdings wenig bringt: sich am 8. März darüber zu beschweren, dass Frauen zu viel Aufmerksamkeit bekommen. 

Der Weltmännertag ist heute. Der Internationale Männertag kommt am 19. November. Der Movember läuft den ganzen Monat. Es gibt also wirklich keinen Grund, bis zum nächsten Weltfrauentag zu warten, um sich für die eigenen Anliegen starkzumachen. 

Liebe Männer: Ihr habt gleich mehrere Gelegenheiten. Macht doch etwas daraus.