Wenn Dominik Rittweg sonntags nicht im Talar am Altar steht, schraubt er mit Jugendlichen an einem alten VW-Bus, sprüht Graffiti oder steht in der Kneipe, die er mitgegründet hat. Der Dekanatsjugendpfarrer aus Naila geht unkonventionelle Wege – und das mit durchschlagendem Erfolg. Mit dem Overflow-Movement hat er eine Bewegung geschaffen, die genau die jungen Menschen erreicht, die in traditionellen Kirchenstrukturen längst keinen Platz mehr finden. 

Im Podcast "Himmel & Hier" spricht Rittweg ungewohnt offen über die Fehler der klassischen kirchlichen Jugendarbeit:

 "Wenn mich eines allergisch macht, dann ist es dieses Gejammer, warum die Jugendlichen nach der Konfirmation alle gehen."

Statt tote Pferde zu reiten, setzt Overflow auf eine radikale Neuausrichtung: Weg vom lebenslangen Ehrenamt, hin zu zeitlich begrenzten Projekten. 

"Seasons" statt Verpflichtung für immer 

Die Antwort von Overflow auf die Bindungsangst der jungen Generation nennt sich "Seasons und Drips". Das Jahr wird in Quartale geteilt. Jugendliche können sich für genau drei Monate in Projekten engagieren – sei es in einer Dance-Crew, beim Sport oder im Drama-Club. 

Danach sind sie frei, ohne sich rechtfertigen zu müssen. "Wir müssen aufhören, Jugendliche immer nur für die geringsten Jobs auszunutzen", kritisiert Rittweg. Bei Overflow stehe deshalb nicht die Leistung im Fokus, sondern das persönliche und geistliche Wachstum der jungen Menschen. 

Eine Theologie des unperfekten Starts 

Dass für solche Innovationen oft das Budget fehle, lässt der Pfarrer nicht gelten. Er plädiert für Mut zum Unfertigen, was er augenzwinkernd die "Theologie des halben Arsches" nennt: Statt Konzepte jahrelang in Gremien zu zerdenken und durchzufinanzieren, starte man bei Overflow einfach mit einer Idee und dem Vertrauen auf Gott.

 "Wir glauben, dass Gott das Übrige dazugibt, ob das Geld ist, Menschen oder Kraft."

Für die Zukunft wünscht sich Rittweg eine Kirche, die agil und mutig bleibt, in der feste Satzungen weniger wichtig sind als die Nähe zu den Menschen – und in der Hauptamtliche öfter einen Schritt zurücktreten, um den Jugendlichen selbst die Bühne zu überlassen. 

Das ganze Gespräch mit Dominik Rittweg hört ihr in der aktuellen Folge des Podcasts "Himmel & Hier" überall dort, wo es Podcasts gibt. Zum Beispiel auf Spotify: